Das bit­te­re En­de ei­ner Ära

Ro­ger Fe­de­rer und Ra­fa­el Na­dal hat die Welt be­geis­tert – das scheint vor­bei zu sein

Neue Presse - - SPORT - VON JöRG ALLMEROTH

PA­RIS. Sei­ne Kol­le­gen be­gan­nen am letz­ten Mitt­woch ge­ra­de mit der Pla­cke­rei auf dem ro­ten Sand von Pa­ris, da spiel­te Ro­ger Fe­de­rer da­heim in der Schweiz den gro­ßen Ze­re­mo­ni­en­meis­ter. Weit weg vom Grand-SlamGe­sche­hen über­reich­te er den Fuß­ball­pro­fis sei­nes ge­lieb­ten FC Ba­sel die Meis­ter­scha­le. Fe­de­rer, der Edel­fan, strahl­te. Der ver­letz­te Ten­nis­star, der zum ers­ten Mal nach 65 Gran­dSlam-Starts nicht um ei­nen der Top­po­ka­le mit­spie­len kann.

Es wa­ren Bil­der mit Sym­bol­ge­halt. Ge­nau­so wie je­ne, die 48 St­un­den spä­ter um die Welt gin­gen. Sie zeig­ten ei­nen be­trüb­ten Ra­fa­el Na­dal, der sei­nen vor­zei­ti­gen Rück­zug bei den French Open we­gen ei­ner Hand- ge­lenks­ver­let­zung er­klär­te. Mit tief ins Ge­sicht ge­scho­be­ner Base­ball­kap­pe saß er vor der Pres­se, sprach von ei­nem der „bit­ters­ten Mo­men­te“sei­ner Kar­rie­re. Dann war er weg, reif für Wie­der­auf­bau­maß­nah­men auf Mallor­ca.

Fe­de­rer und Na­dal bei­de nicht fä­hig, ein Tur­nier zu spie­len oder es zu be­en­den – ein Zei­ten­wech­sel an der Spit­ze des Welt­ten­nis? Der Früh­ling 2016 er­in­nert an die Zeit der Jahr­tau­send­wen­de. Da­mals kün­dig­ten sich Spie­ler wie Fe­de­rer, Lley­ton He­witt, An­dy Rod­dick und Ma­rat Sa­fin als Ver­spre­chen für die Zu­kunft an. Für höchst­ver­dien­te Pro­fis wie Pe­te Sam­pras und Jew­ge­ni Ka­fel­ni­kow war der Ru­he­stand na­he.

Im Hier und Jetzt ist mehr als frag­lich, ob Na­dal noch ein­mal zu al­ter Stär­ke fin­den wird. In den letz­ten zwei, drei Jah­ren zer­mürb­ten im­mer neue Ver­let­zun­gen den einst so un­wi­der­steh­li­chen Kämp­fer. Der neu­es­te Rück­schlag bei den French Open kam, als der bul­li­ge Wett­kämp­fer sich so­eben wie­der in der Spit­ze eta­bliert hat­te. Na­dals Auf­tritt und Aus­sa­gen las­sen eher auf ei­ne län­ge­re Aus­zeit als ein kurz­zei­ti­ges Feh­len schlie­ßen – Wim­ble­don und Rio könn­ten oh­ne den Spa­nier statt­fin­den.

Fe­de­rer, des­sen Ri­va­li­tät mit Na­dal jah­re­lang das Ten­nis präg­te, war lan­ge Zeit von Ver­let­zun­gen fast ver­schont ge­blie­ben – nun hat es den 34 Jah­re al­ten „Ma­e­s­tro“er­wischt. Seit der Me­nis­kus­ope­ra­ti­on nach den Aus­tra­li­an Open, ei­nem un­glück­li­chen Un­fall bei der Be­treu­ung sei­ner Zwil­ling­s­töch­ter ge­schul­det, hat Fe­de­rer erst zwei Tur­nie­re ge­spielt. Bei ihm und dem rund fünf Jah­re jün­ge­ren Na­dal stellt sich die Fra­ge: Ist noch ein gro­ßer Ti­tel drin in der Ära No­vak Djo­ko­vic, der Num­mer eins? Fe­de­rers letz­ter Grand-Slam-Sieg liegt knap­pe vier Jah­re zu­rück, Wim­ble­don 2012 war das.

Fe­de­rer und Na­dal ab­zu­schrei­ben lohn­te sich nie. Doch mehr und mehr droht den Su­per­stars der Kör­per den Di­enst zu ver­sa­gen. Kein Wun­der, nach der Par­force­jagd im Wan­der­zir­kus über Jah­re. Der Schwei­zer Ten­nis­ar­tist Fe­de­rer ent­pupp­te sich noch im Vor­jahr, schmerz- und sor­gen­frei, als gro­ßer Her­aus­for­de­rer von Djo­ko­vic. Wie es nun um ihn steht, wer­den die nächs­ten Wo­chen mit den Ra­sen­auf­trit­ten in Stutt­gart, Hal­le und Wim­ble­don zei­gen.

Na­dal hat sei­nen Ge­burts­tag in den letz­ten Jah­ren meist in Pa­ris ge­fei­ert, am 3. Ju­ni. Die Par­ty un­term Eif­fel­turm war oft ei­ne Sie­ges­fei­er. In die­sem Jahr fällt die Par­ty aus. Zei­ten än­dern sich.

Ach­tel­fi­na­le fällt ins Was­ser: Der ers­te Aus­fall we­gen Re­gens seit 16 Jah­ren hat den Ten­nisfans bei den French Open die Stimmung ver­ha­gelt. Ges­tern wur­de der Tur­nier­tag im Sta­de Ro­land Gar­ros um 13.43 Uhr ab­ge­sagt und auf heute ver­scho­ben. Die 115. French Open wer­den als ei­ne der re­gen­reichs­ten in die His­to­rie ein­ge­hen. Die Pro­gno­sen für die nächs­ten Ta­ge sind nicht bes­ser. Ein Dach wird es al­ler­dings erst im Jahr 2020 ge­ben. War­um? „Das ist Frank­reich“, sag­te Tur­nier­di­rek­tor Guy For­get.

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