Wenn die Flücht­lings­kri­se gar kei­ne Kri­se ist ...

Dis­kus­sio­nen statt Shits­torms: Zwei Un­ter­neh­mer aus Han­no­ver wol­len die „Fa­ckel der Ver­nunft“ent­zün­den

Neue Presse - - HAN­NO­VER - VON PE­TRA RüCKERL

HAN­NO­VER. Sie sind zwei Un­ter­neh­mer aus Han­no­ver. Sie wol­len weg vom ag­gres­si­ven Ge­pö­bel und po­pu­lis­ti­schen Zu­spit­zun­gen auf der Stra­ße und in der Po­li­tik. Sie wol­len, dass ech­te ge­sell­schaft­li­che Kri­sen mit Köpf­chen an­ge­gan­gen wer­den. Sie wol­len aber auch weg vom stän­di­gen Kri­sen­ge­re­de, wenn die Rea­li­tät wo­mög­lich gar nicht so schwarz aus­schaut. Und das al­les auf ein­mal? Ge­mach. Als Ers­tes ha­ben Steu­er­be­ra­ter Cars­ten Schulz (44) und Rai­ner Gärt­ner (42), Krea­tiv­di­rek­tor sei­ner Wer­be­agen­tur, vor, die „Fa­ckel der Ver­nunft“mal zu ent­zün­den. Und da­für la­den sie für Sonn­abend zu ei­nem „Fes­ti­val der Ver­nunft“im Mu­sik­zen­trum Han­no­ver ein.

Ne­ben Mu­sik­ein­la­gen mit der Soul­sän­ge­rin Dia­na Ba­ba­lo­la, der Har­fe­nis­tin Re­bec­ca Gärt­ner (Rai­ner Gärt­ners Toch­ter) und dem Braun­schwei­ger Krü­gerGlantz-Quar­tett soll vor al­lem ge­re­det wer­den – „um mög­lichst die Fa­ckel der Ver­nunft wei­ter­zu­tra­gen“, so Schulz.

Was das be­deu­tet, ist nicht in ei­nem Schlag­wort fest­zu­ma­chen. „Wir wol­len ei­ne Wer­te­ge­mein­schaft bil­den“, ver­sucht Gärt­ner es zu er­klä­ren, „kon­struk­tiv Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Lö­sun­gen su­chen, die auf Wis­sen ba­sie­ren und nicht auf ei­nem un­be­stimm­ten, von Angst ge­lei­te­ten Ge­fühl.“

Die bei­den Freun­de sto­ßen sich an den zum Teil un­ter­ir­di­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen un­se­rer Ta­ge, wenn es et­wa um Flücht­lin­ge geht. „La­ger­den­ken und wech­sel­sei­ti­ge Be­schimp­fun­gen vor al­lem bei je­nen, die für ge­sell­schaft­li­che Lö­sun­gen be­zahlt wer­den – al­so Po­li­ti­ker, oder auch Shits­torms in den so­zia­len Me­di­en ge­hen uns auf die Ner­ven“, sa­gen sie.

Mit ins Boot ge­holt ha­ben Schulz und Gärt­ner den Steu­er­be­ra­ter und Rechts­an­walt Hol­ger Bod­mann, der den Abend mo­de­rie­ren wird. Und die Un­ter­neh­me­rin Jas­min Arba­bi­an-Vo­gel, die auch mit de­nen ei­nen Ge­sprächs­fa­den su­chen will, die auf den ers­ten Blick – oder auf das ers­te Wort – nicht be­reit zur kon­struk­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung sind. „Es ist hoch­ge­fähr­lich, mit be­stimm­ten Leu­ten nicht re­den zu wol­len“, fin­det sie.

In­halt­li­che For­de­run­gen, Ideo­lo­gi­en, po­li­ti­sche oder re­li­giö­se Hin­ter­grün­de so­wie „die Dik­ta­tur der po­li­ti­cal cor­rect­ness“ver­knüp­fen die durch­aus emo­tio­na­len Ver­nunfts­men­schen nicht mit ih­rer Idee. Al­ler­dings ge­ben sie sich auch nicht mit KleinK­lein zu­frie­den. Ihr gro­ßes Ziel ist nicht we­ni­ger als die Ver­wirk­li­chung je­nes Pro­jek­tes, das vor fast 70 Jah­ren ge­schaf­fen wur­de, von al­len UN-Staa­ten au­ßer den USA ra­ti­fi­ziert wur­de und uni­ver­sell gel­ten soll: die UN-Men­schen­rechts­char­ta. „Wir wol­len ge­sell­schaft­li­chen Druck da­für er­zeu­gen“, so Schulz. Viel­leicht zieht das Krei­se, viel­leicht brennt die Fa­ckel tat­säch­lich ab Sonn­abend. Gärt­ner räumt ein: „Es ist ein so­zia­les Ex­pe­ri­ment, wir sind selbst ge­spannt.“Kos­ten­lo­se Ti­ckets gibts un­ter

Fo­to: Heu­sel

VE­RÄN­DE­RUN­GEN MIT HERZ UND KOPF: Rai­ner Gärt­ner, Cars­ten Schulz und Jas­min Arba­bi­an-Vo­gel (von links) wer­ben für mehr Ver­nunft.

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