Goe­the-Stu­dio: Aus nach 42 Jah­ren

HiFi-Spe­zia­list lei­det un­ter Stadt­bahn­bau. Man­fred Ziert bringt sei­ne lang­jäh­ri­ge Er­fah­rung künf­tig in Ga­le­rie Lui­se ein.

Neue Presse - - HANNOVER - VON RALPH HÜB­NER

HAN­NO­VER. Das En­de naht – und der neue An­fang folgt: Das Goe­the-Stu­dio am St­ein­tor schließt zum Mo­nats­en­de und ist dann nach 42 Jah­ren Teil der HiFi-Ge­schich­te Han­no­vers. In­ha­ber Man­fred Ziert (61), als äu­ßerst kom­pe­ten­ter Be­ra­ter in Sa­chen hoch­wer­ti­ger Mu­sik­an­la­gen ge­schätzt und mit ei­nem über Jahr­zehn­te auf­ge­bau­ten Er­fah­rungs­schatz in pet­to, bleibt sei­nen Kun­den je­doch er­hal­ten: Ab Ok­to­ber ver­stärkt er das Team von Alex Gie­se in der Ga­le­rie Lui­se – der war bis­her ein Kon­kur­rent und sei wie er „ein Qua­li­täts­en­thu­si­ast“.

Die Nach­bar­schaft des Goe­theStu­di­os ist das Rot­licht­vier­tel. Das sei nicht wirk­lich ein Pro­blem ge­we­sen, auch wenn manch ein Kun­de be­merk­te, dass sei­ne Frau „nicht so ger­ne in die­se Ge­gend geht“. Un­term Strich sei die La­ge so­gar eher von Vor­teil ge­we­sen: „Hier ist nachts die gan­ze Zeit Be­trieb, da­her hat­ten wir kei­nen Ein­bruch, kei­ne ein­ge­schla­ge­nen Fens­ter­schei­ben.“Und zu sei­nen Stamm­kun­den zählt er ei­nen ehe­ma­li­gen Con­ti-Chef ge­nau­so wie ei­nen am­tie­ren­den Ge­werk­schafts­boss. Den­noch ist die Um­ge­bung Grund für das En­de des Goe­the-Stu­di­os: „Die Bau­maß­nah­men hier sind das ei­gent­li­che Pro­blem“, er­klärt Ziert. Dank des Stadt­bahn­baus ist die Zu­fahrt er­schwert, „und wenn drau­ßen die Dampf­ram­me dröhnt, ist hier kein Pro­be­hö­ren mehr mög­lich“; das ma­che „das Über­le­ben hier un­mög­lich, wie in der Kurt-Schu­ma­cher-Stra­ße auch“.

Fürs Auf­hö­ren ist er noch zu jung, doch noch mal wo­an­ders ganz neu an­fan­gen, al­les neu ein­rich­ten, den gan­zen Auf­wand für wo­mög­lich nur vier oder fünf Jah­re? „Das rech­net sich nicht“, sag­te er sich und nahm Kon­takt zu Gie­se auf, mit dem er schon frü­her mal lo­cker über Ge­mein­sa­mes ge­plau­dert hat­te. Die bei­den wur­den sich ei­nig, und so bringt Ziert nun ne­ben sei­ner Kom­pe­tenz auch ei­ni­ge Mar­ken – et­wa den dä­ni­schen Bo­xen­bau­er Da­li – mit in die Ga­le­rie Lui­se zu Gie­se, wo er „den Goe­the-Stu­di­oKun­den ei­ne Hei­mat bie­ten will“, das sei ihm „ex­trem wich­tig“.

Ab­ge­se­hen da­von hat Ziert „noch ei­ne Men­ge Spaß am Ge­schäft und will bis zum (of­fe­nen) Ru­he­stand wei­ter­ma­chen: „Die Mu­sik ist ein­fach mei­ne Lei­den­schaft.“Sein Mot­to da­bei (und der Tipp für al­le, die sich ei­ne An­la­ge zu­sam­men­stel­len wol­len): „So gu­te Bo­xen wie mög­lich, so gu­te Elek­tro­nik wie nö­tig.“Das führ­te et­wa um 1980 zur „ers­ten Kom­plett­an­la­ge aus Ein­zel­kom­po­nen­ten in­klu­si­ve Laut­spre­cher in Han­no­ver für 1000 Mark“(et­wa 500 Eu­ro). Und so über­rasch­te Ziert vor vier Jah­ren das Fach­ma­ga- zin „Au­dio“, als er bei vor­ge­ge­be­nem Bud­get ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus Laut­spre­cher­paar zu 1000 Eu­ro und Al­le­sin-ei­nem-Ge­rät zu­sam­men­stell­te. Die Ma­ga­zin-Ex­per­ten hat­ten nicht er­war­tet, dass das Rest­bud­get für die Elek­tro­nik an­ge­sichts der ge­wähl­ten „aus­ge­wach­se­nen Stand­bo­xen“zu 1000 Eu­ro für das ge­for­der­te Ni­veau aus­rei­chen wür­de, näm­lich ei­ne „raf­fi­nier­te, be­zahl­ba­re Lö­sung, die aber trotz­dem hig­hen­dig ge­nug sein muss, um ei­nen Platz im Rack des au­dio­phi­len Mu­sik­fans zu ver­die­nen“. Das Ziel wur­de of­fen­bar er­reicht: Au­dio emp­fahl, die vor­ge­schla­ge­ne Ziert-Kom­bi­na­ti­on „un­be­dingt im Au­ge zu be­hal­ten“.

Fo­tos: Wil­de, Drö­se

KOM­PE­TENT: Man­fred Ziert in sei­nem Ge­schäft, des­sen Ein­gang an der Goe­the­s­tra­ße/ Ecke Reu­ter­stra­ße ist – da­hin­ter ist das Rot­licht­vier­tel. In der Hand hält er ei­nen Di­gi­tal­a­na­log-Wand­ler und Kopf­hö­rer­ver­stär­ker der Ex­t­ra­klas­se – kos­tet im­mer­hin 1000 Eu­ro.

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