„Je­der soll­te Stel­lung be­zie­hen“

Boateng spricht über Er­fah­run­gen mit Ras­sis­mus – und die Angst um sei­ne Kin­der

Neue Presse - - PANORAMA - VON RO­BERT HIERSEMANN

BER­LIN. Er ist sechs­fa­cher deut­scher Meis­ter, Cham­pi­ons-le­ague-sie­ger und Welt­meis­ter. Doch auch das Le­ben von Jé­rô­me Boateng (30) hat sei­ne Schat­ten­sei­ten. In sei­nem ei­ge­nen Ma­ga­zin „Boa“spricht der Ber­li­ner nun über sei­ne Er­fah­run­gen mit Ras­sis­mus.

Boateng, der beim FC Bay­ern München un­ter Ver­trag steht: „Wenn ich mich am Rand des Spiel­felds warm ma­che, hö­re ich öf­ter, wie Zu­schau­er Af­fen­lau­te von der Tri­bü­ne brül­len, ob­wohl ich für Deutsch­land so vie­le Spie­le be­strit­ten ha­be.“Schon wäh­rend sei­ner Kind­heit muss­te er sich die­sem Pro­blem im­mer wie­der stel­len, sagt der Fuß­bal­ler: „Ich er­in­ne­re mich noch an ein Po­kal­spiel beim Kö­pe­ni­cker SC. Da ist der Va­ter ei­nes Ge­gen­spie­lers auf un­se­re Sei­te ge­kom­men, hat mich die gan­ze Zeit be­lei­digt. Ir­gend­wann ha­be ich an­ge­fan­gen zu heu­len.“

Boa­tengs Mut­ter ist Deut­sche, sein Va­ter kommt aus Gha­na: „Mei­ne El­tern spra­chen lan­ge nicht mit mir über mei­ne Haut­far­be. Sie war gar kein The­ma. Dann ruft dir plötz­lich je­mand ,Hey, mein klei­ner Nig­ger‘ zu. Mei­ne El­tern ha­ben mir da er­klärt, dass man­che Men­schen Pro­ble­me mit mei­ner Haut­far­be ha­ben. Ich konn­te das nicht glau­ben. Für ein Kind er­gibt das kei­nen Sinn.“

Sei­ne sie­ben­jäh­ri­gen Zwil­lings­mäd­chen hät­ten noch kei­ne Er­fah­rung mit Ras­sis­mus ge­macht. „Ich weiß, vie­le mei­nen nun, ich ha­be gut re­den. Als Pro­fi­fuß­bal­ler be­fin­de ich mich in ei­ner lu­xu­riö­sen Si­tua­ti­on. Aber auch ich ma­che mir Ge­dan­ken, in wel­chem Land mei­ne drei Kin­der auf­wach­sen“, sagt Boateng. Für ihn ge­be es Or­te in Deutsch­land, an die er sei­ne Kin­der nicht auf Klas­sen­rei­se fah­ren las­sen wür­de, in die Ber­li­ner Orts­tei­le Mar­zahn oder Wei­ßen­see zum Bei­spiel: „Mit an­de­rer Haut­far­be hast du da im­mer et­was zu be­fürch­ten.“

Boateng be­zieht heu­te zum The­ma Ras­sis­mus in der Öf­fent­lich­keit klar Stel­lung. Denn „wenn rech­te Pa­ro­len bis in die Mit­te der Ge­sell­schaft vor­drin­gen, soll­te je­der auf­ste­hen und Stel­lung be­zie­hen“, so Boateng. „Wir Spie­ler be­kom­men viel Auf­merk­sam­keit. Mir ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer kla­rer ge­wor­den, dass ich für vie­le Men­schen auch ein Bot­schaf­ter bin.“

Fo­to: imago sportfotodienst

AUS­GE­SPIELT: Jé­rô­me Boateng wird bei den nächs­ten zwei Län­der­spie­len nicht im Ka­der ste­hen.

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