„Ei­ne Ohr­fei­ge für die po­li­ti­sche Kor­rekt­heit“

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BER­LIN. Li­te­ra­tur­kri­ti­ker De­nis Scheck hat die Ver­ga­be der No­bel­prei­se an den ös­ter­rei­chi­schen Schrift­stel­ler Pe­ter Hand­ke und die pol­ni­sche Au­to­rin Ol­ga To­k­arc­zuk be­grüßt. Es sei ein gro­ßer Tag für die Li­te­ra­tur, sag­te der Fern­seh­kri­ti­ker („Druck­frisch“) und ei­ne sehr mu­ti­ge Ent­schei­dung. Die Aus­wahl – bei der zwei Eu­ro­pä­er zum Zu­ge ka­men – sei ei­ne über­fäl­li­ge Rück­kehr zu äs­the­ti­schen Kri­te­ri­en.

„Die po­li­ti­sche Kor­rekt­heit hat ei­ne kra­chen­de Ohr­fei­ge er­hal­ten, ei­ne Nie­der­la­ge er­lit­ten“, so Scheck. Hand­ke sei ei­ner der gro­ßen Pro­vo­ka­teu­re – er be­wei­se, dass man sich po­li­tisch to­tal ver­lau­fen kön­ne und gleich­zei­tig Welt­li­te­ra­tur schrei­ben kön­ne. Hand­ke sei in­so­fern ein „wür­di­ger Preis­trä­ger“.

Als Ein­stieg in des­sen Werk emp­fiehlt er „Wun­sch­lo­ses Un­glück“(Suhr­kamp, 96 Sei­ten, 7 Eu­ro) . Dar­in geht es um den Sui­zid von Hand­kes Mut­ter. Als Thea­ter­stück soll­te man sich sei­ner Mei­nung nach „Die Stun­de, da wir nichts von­ein­an­der wuss­ten“(Suhr­kamp, 64 Sei­ten, 14,80 Eu­ro) nicht ent­ge­hen las­sen.

Zu den be­kann­tes­ten Wer­ken ge­hört der Klas­si­ker, des­sen Ti­tel es in den ewi­gen Me­ta­phern-him­mel ge­schafft hat: „Die Angst des Tor­manns beim Elf­me­ter“(Suhr­kamp, 120 Sei­ten, 7 Eu­ro) – die Er­zäh­lung von 1970 über ei­nen Jo­sef Bloch, der sei­nen Job auf ei­ner Bau­stel­le be­en­det, sich trei­ben lässt und stän­dig un­ter­wegs ist. Die Moral: Nur dem Tor­mann, der sich völ­lig ru­hig ver­hält, schießt der Schüt­ze den Ball in die Hän­de.

Für Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters (CDU) ist Hand­ke ei­ner „der wich­tigs­ten zeit­ge­nös­si­schen deutsch­spra­chi­gen Au­to­ren“. Er sei „ein gro­ßer Sprach­künst­ler und Sprach­tüft­ler, der oft in den klei­nen Din­gen die gro­ße Welt fin­det“.

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