SOS-Ruf aus Rom

Neues Deutschland - - Meinung - Gui­do Speck­mann zu Ita­li­ens Dro­hung, Flücht­lings­schif­fe ab­zu­wei­sen

In Rom hat man mal wie­der die Na­se voll – und greift zu Dro­hun­gen. Man über­le­ge, die Hä­fen für Schif­fe oh­ne ita­lie­ni­sche Flag­ge zu sper­ren. Das zielt nicht auf Con­tai­ner­schif­fe, die Wa­ren aus dem Glo­ba­len Sü­den für die ita­lie­ni­schen Kon­su­men­ten her­an­schaf­fen. Es rich­tet sich ge­gen je­ne, die nicht das »Glück« ha­ben, in der glo­ba­li­sier­ten ka­pi­ta­lis­ti­schen Wert­schöp­fungs­ket­te aus­ge­beu­tet zu wer­den. Ge­gen je­ne, die sich man­gels Per­spek­ti­ve auf den ge­fähr­li­chen Weg über das Mas­sen­grab Mit­tel­meer wa­gen. Schif­fen von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen mit aus See­not ge­ret­te­ten Ge­flüch­te­ten könn­te das An­le­gen in ita­lie­ni­schen Hä­fen ver­wehrt wer­den – wenn es nicht mehr Un­ter­stüt­zung aus Brüssel gibt.

Das klingt herz­los, ist aber eher ein SOS-Ruf. Ers­tens wird Rom die Dro­hung wohl nicht wahr ma­chen, die Kom­mis­si­on hat Ita­li­en be­reits mehr Geld in Aus­sicht ge­stellt. Und zwei­tens ist es rich­tig, die EU un­ter Druck zu set­zen. Denn ih­re Po­li­tik ist noch herz­lo­ser. Trotz Be­schluss­la­ge zur Um­ver­tei­lung wer­den Ita­li­en und Grie­chen­land, wo die meis­ten Mi­gran­ten lan­den, al­lei­ne ge­las­sen. Auch jetzt steht ei­ne stär­ke­re Um­ver­tei­lung nicht an. Statt­des­sen hieß es in Brüssel, man müs­se die Mi­gra­ti­on schon auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent stop­pen. Das läuft auf ei­ne Vor­ver­la­ge­rung der Grenz­pos­ten der EU-Fe­s­tung hin­aus.

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