Rot­stift für die UN-Blau­hel­me

Prä­si­dent Trump kürzt US-Zah­lun­gen an Frie­dens­mis­sio­nen der Ver­ein­ten Na­tio­nen

Neues Deutschland - - Politik - Von Olaf Stand­ke

Vor al­lem un­ter dem Druck der USA müs­sen die Ver­ein­ten Na­tio­nen die Fi­nanz­mit­tel für Blau­helm-Ein­sät­ze im nächs­ten Haus­halts­jahr deut­lich ver­rin­gern – um 7,2 Pro­zent auf 7,3 Mil­li­ar­den Dol­lar. »Wenn Do­nald Trump ge­wählt wird und po­li­tisch um­setzt, was er an­ge­kün­digt hat, dann ha­be ich kei­nen Zwei­fel dar­an, dass er ei­ne Ge­fahr für die Welt­ge­mein­schaft sein wird«, warn­te Said Ra'ad al-Hus­sein im Vor­jahr. Der UN-Hoch­kom­mis­sar für Men­schen­rech­te dürf­te sich be­stä­tigt füh­len, auch mit Blick auf die Ver­ein­ten Na­tio­nen. Ein Klub von Schwät­zern sei das, die ei­ne gu­te Zeit ha­ben wol­len, so ätz­te der Rechts­po­pu­list vor sei­nem Am­tei­tritt auf Twit­ter über die Wel­t­or­ga­ni­sa­ti­on. Als Prä­si­dent des größ­ten Zah­lers un­ter den 193 Mit­glied­staa­ten macht er nun Ernst, denn die­ser Pflicht­bei­trag sei für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten nur »un­fair«. Er will ihn kür­zen.

Da­bei gilt auf Grund­la­ge von Ar­ti­kel 17 der UN-Char­ta ein Schlüs­sel, dem auch die Ver­ei­nig­ten Staa­ten in der Voll­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Na­tio­nen zu­ge­stimmt ha­ben. Ei­ne po­li­ti­sche De­bat­te über die frag­los

»Wann ha­ben die UN je­mals ein Pro­blem ge­löst? Im Ge­gen­teil, sie schaf­fen Pro­ble­me.«

US-Prä­si­dent Do­nald Trump not­wen­di­ge Re­form der Wel­t­or­ga­ni­sa­ti­on, die dann aber auch die Rol­le der USA und der an­de­ren Stän­di­gen Mit­glie­der im UN-Si­cher­heits­rat ein­schlie­ßen muss, hat Trump oh­ne­hin nicht im Sinn.

Pflicht­bei­trä­ge zum re­gu­lä­ren Haus­halt der UNO ori­en­tie­ren sich an der Zah­lungs­fä­hig­keit der Mit­glie­der; Maß­stab ist das Brut­to­na­tio­nal­ein­kom­men in den ver­gan­ge­nen sechs Jah­ren, aber auch der Grad der Au­ßen­ver­schul­dung oder ein nied­ri­ges Pro-Kopf-Ein­kom­men wer­den be­rück­sich­tigt. Ein Staat ver­liert sein Stimm­recht in der Voll­ver­samm­lung, wenn er mit der Bei­trags­zah­lung für zwei Jah­re im Rück­stand ist und der Ver­zug al­lein in sei­ner Ver­ant­wor­tung liegt. Für 2016/2017 be­läuft sich der UNO-Haus­halt in­klu­si­ve al­ler Nach­trä­ge auf rund 5,6 Mil­li­ar­den US-Dol­lar, et­was mehr als fünf Mil­li­ar­den Eu­ro. Die vier größ­ten Zah­ler sind die USA, die 22 Pro­zent der Aus­ga­ben tra­gen, Ja­pan (9,68), Chi­na (7,92) und Deutsch­land (6,39). Wo­bei Wa­shing­tons Bei­trag aus po­li­ti­schen Grün­den schon ge­de­ckelt wor­den ist. Auch der UN-Straf­ge­richts­hof für das ehe­ma­li­ge Ju­go­sla­wi­en ver­fügt über ei­nen ei­ge­nen re­gu­lä­ren Haus­halt. Da­ne­ben zah­len die Mit- glied­staa­ten pflicht­ge­mäß für die so­ge­nann­ten Blau­helm-Mis­sio­nen – hier wur­den rund 7,9 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ver­an­schlagt – und frei­wil­lig für hu­ma­ni­tä­re Hilfs­maß­nah­men.

Trumps ers­ter Haus­halts­ent­wurf nun sieht ei­ne Mil­li­ar­de Dol­lar we­ni­ger für die welt­weit 16 UN-Frie­dens­mis­sio­nen vor. Die Fi­nan­zie­rung des Welt­be­völ­ke­rungs­fonds soll auf sei­ne aus­drück­li­che An­wei­sung hin gleich ganz ge­stoppt wer­den, weil die UNFPA auf »Zwangs­maß­nah­men« in der Fa­mi­li­en­pla­nung ein­schließ­lich Ab­trei­bung und Ste­ri­li­sa­ti­on set­ze. Der Prä­si­dent will ins­ge­samt nur noch die Hälf­te der bis­her über acht Mil­li­ar­den Dol­lar an die Ver­ein­ten Na­tio­nen und an­de­re in­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­tio­nen über­wei­sen. Wäh­rend die Mi­li­tär­aus­ga­ben der USA um 54 Mil­li­ar­den Dol­lar stei­gen sol­len, das ist ein Zu­wachs von zehn Pro­zent, muss die UNO das Bud­get für ih­re Frie­dens­mis­sio­nen vor al­lem in Afri­ka und Nah­ost, aber auch auf Hai­ti, Zy­pern und in Ko­so­vo jetzt um 7,2 Pro­zent, das heißt rund 600 Mil­lio­nen Dol­lar, kür­zen, wie am Mitt­woch (Orts­zeit) im New Yor­ker Haupt­quar­tier be­stä­tigt wur­de.

Am schwers­ten be­trof­fen sind die bei­den größ­ten Ein­sät­ze in der su­da­ne­si­schen Re­gi­on Dar­fur und in der DR Kon­go, wo die Bud­gets je­weils bei über ei­ner Mil­li­ar­de Dol­lar lie­gen. Das macht ih­re Auf­ga­be noch schwe­rer. Im­mer wie­der ste­hen ein­zel­ne Mis­sio­nen in der Kri­tik, weil Trup­pen nicht aus­rei­chend ver­füg­bar und aus­ge­bil­det sind. Zu­dem gab es Miss­brauchs­vor­wür­fe, zu­letzt vor al­lem in Zen­tral­afri­ka.

Vor­aus­ge­gan­gen wa­ren in die­ser Wo­che Ge­sprä­che von UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär An­tó­nio Gu­ter­res mit US- Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son in Washington. Wäh­rend sei­nes mehr­tä­gi­gen Be­suchs traf Gu­ter­res auch den re­pu­bli­ka­ni­schen Mehr­heits­füh­rer des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses, Paul Ryan. Die Kon­ser­va­ti­ven drän­gen schon seit Lan­gem auf ei­ne Re­du­zie­rung der US-Zah­lun­gen an die Ver­ein­ten Na­tio­nen.

Bei An­hö­run­gen im Kon­gress ließ UN-Bot­schaf­te­rin Nik­ki Ha­ley kei­nen Zwei­fel dar­an, dass die Ver­rin­ge­rung des Wa­shing­to­ner An­teils am Pe­ace­ke­eping-Etat von der­zeit 28,5 auf 25 Pro­zent »nach­hal­tig« sein wer­de. Pe­ter Yeo von der Bet­ter World Cam­pai­gn, die sich für bes­se­re Be­zie­hun­gen zwi­schen USA und UNO ein­setzt, be­fürch­tet »ver­hee­ren­de« Fol­gen. Die UN-Voll­ver­samm­lung muss bis En­de die­ser Wo­che über das neue Bud­get ab­stim­men; das neue Haus­halts­jahr be­ginnt am 1. Ju­li.

Foto: dpa/Fran­cis R. Mal­asig

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