Mehr Chan­cen für wei­chen Br­ex­it

Bri­ti­sches Par­la­ment de­bat­tier­te über Mays Re­gie­rungs­pro­gramm

Neues Deutschland - - Politik - Von Pe­ter Stäu­ber, London

Am letz­ten Tag der De­bat­te über das Re­gie­rungs­pro­gramm der To­ries rück­te der Br­ex­it in den Fo­kus der Auf­merk­sam­keit. Die op­po­si­tio­nel­le La­bour-Par­tei ver­such­te, Re­gie­rungs­che­fin The­re­sa May zu Zu­ge­ständ­nis­sen zu ver­pflich­ten, um ei­nen EU-Aus­stieg oh­ne Ei­ni­gung mit Brüssel ab­zu­wen­den.

Je­de neue Re­gie­rung muss dem Par­la­ment je­weils ihr Pro­gramm fürs kom­men­de Jahr zur Ab­stim­mung vor­le­gen. Dank dem Pakt mit der nord­iri­schen De­mo­cra­tic Unio­nist Par­ty (DUP), der An­fang Wo­che be­sie­gelt wur­de, ver­füg­te May über die nö­ti­ge Mehr­heit, um die Ab­stim­mung am Don­ners­tag­abend (nach Re­dak­ti­ons­schluss) zu ge­win­nen. Aber die Op­po­si­ti­on hat­te die Mög­lich­keit, Än­de­rungs­vor­schlä­ge zu ma­chen. Der An­trag, den La­bour ein­brach­te, ziel­te dar­auf ab, ei­ne »No De­al«-Va­ri­an­te des Br­ex­it zu ver­hin­dern, al­so ei­nen Aus­stieg oh­ne ein Über­ein­kom­men mit Brüssel. Dies wür­de laut Ex­per­ten zu ei­nem tie­fen Wirt­schafts­ein­bruch füh­ren. Die Re­gie­rung soll statt­des­sen wäh­rend der Aus­tritts­ge­sprä­che Ar­beits­plät­zen und Wirt­schaft Prio­ri­tät ein­räu­men.

Der Zu­satz der Op­po­si­ti­on galt schon im Vor­feld als chan­cen­los, weil auch die eu­ro­pa­freund­li­chen To­ries ihr Re­gie­rungs­pro­gramm durch­brin­gen woll­ten. Den­noch wird es in den kom­men­den Mo­na­ten zu kniff­li­gen De­bat­ten über den EU-Aus­stieg kom­men, denn die Flü­gel der To­ry-Par­tei ha­ben völ­lig un­ter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen vom Br­ex­it. Fi­nanz­mi­nis­ter Phi­lip Ham­mond ist ein füh­ren­der Ver­tre­ter des »wei­chen Br­ex­it«: Für ihn gilt es in ers­ter Li­nie, ne­ga­ti­ve

Die Flü­gel der To­ry-Par­tei ha­ben völ­lig un­ter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen vom Br­ex­it.

Aus­wir­kun­gen auf den Ar­beits­markt und das Wirt­schafts­wachs­tum zu ver­mei­den. Die Be­schrän­kung der Ein­wan­de­rung hält er für zweit­ran­gig. Wäh­rend sei­nes Be­suchs in Deutsch­land An­fang der Wo­che be­ton­te Ham­mond, er stre­be ei­ne »lang­fris­ti­ge Part­ner­schaft« an, die auf ei­nem um­fas­sen­den Frei­han­dels­ab­kom­men ba­siert. Da­mit gibt sich Ham­mond weit ent­ge­gen­kom­men­der als Br­ex­it-Mi­nis­ter Da­vis oder May, die vor den Neu­wah­len ei­nen kom­pro­miss­lo­se­ren Ton an­schlu­gen.

Nach dem Wahl­de­ba­kel ist Mays Po­si­ti­on in­ner­halb der Kon­ser­va­ti­ven Par­tei je­doch schwer an­ge­schla­gen. Über die Au­to­ri­tät, den har­ten Br­ex­it durch­zu­set­zen, ver­fügt sie kaum noch. Soll­ten aber EU-freund­li­che Ka­bi­netts­mit­glie­der wie Ham­mond die­se Schwä­che aus­nut­zen und die Re­gie­rung vom har­ten Br­ex­it-Kurs ab­brin­gen, könn­te das ei­nen Auf­stand des – nach wie vor ein­fluss­rei­chen – rech­ten To­ry-Flü­gels pro­vo­zie­ren.

Aber auch bei La­bour herrscht Un­ei­nig­keit. Ei­ne Grup­pe von über 50 La­bour-Po­li­ti­kern, dar­un­ter Dut­zen­de Par­la­ments­mit­glie­der, will für ei­ne Mit­glied­schaft im Bin­nen­markt kämp­fen – ob­wohl die La­bour-Füh­rung dies ab­lehnt. Par­tei­chef Je­re­my Cor­byn be­vor­zugt statt­des­sen ei­nen um­fas­sen­den »Zu­gang« zum Bin­nen­markt.

An­ge­sichts der ge­schwäch­ten Po­si­ti­on Mays ha­ben meh­re­re La­bour- und To­ry-Po­li­ti­ker so­wie ei­ne Rei­he von Wirt­schafts­ver­tre­tern da­für plä­diert, dass sich al­le Par­tei­en an den Aus­stiegs­ver­hand­lun­gen be­tei­li­gen. Laut ei­ner Um­fra­ge be­für­wor­tet gut die Hälf­te der Bri­ten ei­nen sol­chen über­par­tei­li­chen Br­ex­it.

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