Kom­mis­si­on will mehr Geld

Gün­ther Oet­tin­ger er­öff­net Grund­satz­de­bat­te über EU-Fi­nan­zen

Neues Deutschland - - Wirtschaft – Soziales – Umwelt - Von Nel­li Tü­gel

Mit sei­nem »Weiß­buch zur Zu­kunft Eu­ro­pas« hat EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker im März den Ver­such un­ter­nom­men, un­ter den »EU-27« – ge­meint ist die Uni­on oh­ne Groß­bri­tan­ni­en – ei­ne Re­form­de­bat­te an­zu­sto­ßen. Seit­dem wur­den meh­re­re the­men­ge­bun­de­ne »Re­fle­xi­ons­pa­pie­re« – zur so­zia­len Di­men­si­on der EU, zur Zu­kunft der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on, zu Glo­ba­li­sie­rung und Ver­tei­di­gung – ver­öf­fent­licht. Das fünf­te und letz­te »Re­fle­xi­ons­pa­pier« leg­ten am Mitt­woch EU-Haus­halts­kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger und die Kom­mis­sa­rin für Re­gio­nal­po­li­tik, Co­ri­na Cre­tu, vor. Es be­schäf­tigt sich mit der Zu­kunft der EU-Fi­nan­zen.

Die­se sol­len neu auf­ge­stellt wer­den. Der »Br­ex­it« wird An­ga­ben der Kom­mis­si­on zu­fol­ge jähr­lich ei­ne Lü­cke von zehn Mil­li­ar­den Eu­ro im ge­mein­sa­men Haus­halt hin­ter­las­sen. Gleich­zei­tig kä­men neue Aus­ga­ben auf die EU zu. Ge­nannt wer­den un­ter an­de­rem die Be­kämp­fung von Mi­gra­ti­on (»eu­ro­päi­scher Grenz­schutz«) und der ge­mein­sa­me Fonds zur »Ver­tei­di­gungs­for­schung«. Der ak­tu­el­le »Mehr­jäh­ri­ge Fi­nanz­rah­men« der EU, der sich auf den Zei­t­raum 2014 bis 2020 er­streckt, um­fasst cir­ca ei­ne Bil­li­on Eu­ro. Im­mer wie­der steht die EU da­für in der Kri­tik, dass sie Geld un­sin­nig ver­wen­de, bei­spiels­wei­se zu 40 Pro­zent in Agrar­sub­ven­tio­nen in­ves­tie­re oder ho­he Sum­men in Pres­ti­ge­pro­jek­te flös­sen.

Das »Re­fle­xi­ons­pa­pier« greift die Fra­ge der Fi­nan­zen grund­sätz­lich auf. Auf 40 Sei­ten wer­den die Ge­schich­te des EU-Haus­halts und sei­ne Zu­sam­men­set­zung be­schrie­ben. Und es wer­den ver­schie­de­ne mög­li­che Sze­na­ri­en für die Zu­kunft der EU-Fi­nan­zen skiz­ziert. Sie rei­chen – ana­log zu Junckers »Weiß­buch«-Sze­na­ri­en – von »we­ni­ger ge­mein­sa­mem Han­deln als bis­her« zu »er­heb­lich mehr ge­mein­sa­mem Han­deln«.

In je­dem Fall möch­te Oet­tin­ger al­le Län­der­ra­bat­te ab­schaf­fen. Dies wür­de un­ter an­de­ren Deutsch­land, Dä­ne­mark und Ös­ter­reich be­tref­fen. Auch sol­len, wenn es nach dem EU-Kom­mis­sar geht, die Län­der künf­tig mehr an die EU zah­len und ihr da­mit mehr Spiel­räu­me ver­schaf­fen. Dass er die­ses Sze­na­rio prä­fe­riert, hat Oet­tin­ger in ei­nem In­ter­view mit dem »Spie­gel« er­klärt. Dort sag­te er: »Wir las­sen uns Eu­ro­pa zu we­nig kos­ten.« Von 50 Eu­ro, die die Bür­ger der Mit­glieds­län­der an den Staat gä­ben, ge­he, so Oet­tin­ger, nur ei­ner an die EU. In den USA hin­ge­gen sei­en es von 50 Dol­lar 30, die nach Washington gin­gen und 20, die in den Bun­des­staa­ten ver­blie­ben.

Wo­für die Ei­gen­mit­tel in der Zu­kunft ein­ge­setzt wer­den sol­len, ist of­fen. An Vor­schlä­gen – von der Be­kämp­fung der Kin­der­ar­mut über Kli­ma­schutz bis hin zu Rüs­tungs­pro­jek­ten – man­gelt es aber in dem Pa­pier nicht. Wel­che auf­ge­grif­fen wer­den, hän­ge da­von ab, wie die wei­te­re De­bat­te um die Gr­und­aus­rich­tung der EU ver­lau­fe, so die Au­to­ren.

Die Re­ak­tio­nen auf das Pa­pier fal­len un­ter­schied­lich aus. Ma­nu­el Sar­ra­zin, Spre­cher für Eu­ro­pa­po­li­tik der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, be­grüß­te, dass die »EU-Kom­mis­si­on ei­ne De­bat­te über die Zu­kunft der EU-Fi­nan­zen an­ge­sto­ßen hat«. Jens Gei­er, Vor­sit­zen­der der Eu­ro­pa-SPD, sag­te, Vor­schlä­ge zur Re­form der Ei­gen­mit­tel for­de­re das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment schon lan­ge. Kri­tik kam aus der Bun­des­tags­frak­ti­on der Lin­ken: Mit dem Pa­pier wer­de ei­ne neue Gr­und­aus­rich­tung der EU-Ent­wick­lung vor­ge­schla­gen, die auf mehr Geld für Mi­li­tär, Au­ßen­po­li­tik und Wett­be­werbs­fä­hig­keit und we­ni­ger Mit­tel für Ko­hä­si­ons- , So­zi­al- und Agrar­po­li­tik hin­aus­lau­fe. Dies leh­ne man ab, hieß es in ei­ner ers­ten Ein­schät­zung.

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