»Mal wie­der rich­tig strei­ken«

24-stün­di­ge Streiks sol­len den Me­tall­ar­beit­ge­bern mehr Dampf ma­chen

Neues Deutschland - - Schwerpunkt - Von Hans-Gerd Öfin­ger

Die IG Me­tall hat sich mit Ta­ges­streiks ein neu­es Kampf­in­stru­ment zu­ge­legt, des­sen Wirk­sam­keit zwi­schen den üb­li­chen Warn­streiks und dem un­be­fris­te­ten Re­gel­streik liegt. Die IG Me­tall be­rei­tet sich auf ei­ne grö­ße­re Aus­ein­an­der­set­zung mit den Ar­beit­ge­bern der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie vor. Nach jah­re­lan­gen Ta­rif­run­den, bei de­nen al­len­falls zwei- oder vier­stün­di­ge Warn­streiks die stärks­ten Waf­fen der größ­ten deut­schen Ge­werk­schaft wa­ren, könn­te es An­fang 2018 zu spür­ba­re­ren und wirk­sa­me­ren Ar­beits­nie­der­le­gun­gen kom­men. Dem­nach soll künf­tig auch 24 St­un­den lang ge­streikt wer­den kön­nen. Mit der zu­sätz­li­chen Es­ka­la­ti­ons­stu­fe soll der Druck auf das Un­ter­neh­mer­la­ger ge­stei­gert wer­den. Die so­ge­nann­ten Ta­ges­streiks sind be­reits in die Sat­zung auf­ge­nom­men. In den Be­zir­ken fin­den Schu­lun­gen da­zu statt.

Bis­lang wa­ren Warn­streiks bes­ten­falls vier St­un­den lang. Als wei­te­re Stei­ge­rung sind nun bun­des­wei­te Streik­ta­ge mög­lich, die rund um die Uhr grei­fen. Dem liegt die An­sicht vie­ler Ge­werk­schafts­ak­ti­vis­ten zu­grun­de, dass die Aus­wir­kun­gen von Kurz­streiks zu ge­ring und für die Un­ter­neh­men kal­ku­lier­bar sind. Vor dem Hin­ter­grund der Just-in-ti­me-Pro­duk­ti­on und eng ver­tak­te­ter Lie­fer­ket­ten kön­ne nur ein län­ge­rer Aus­stand spür­ba­re­ren wirt­schaft­li­chen Scha­den an­rich­ten – al­so wir­ken. Die IG Me­tall müs­se »mal wie­der rich­tig strei­ken«, wird ein Ba­sis­ge­werk­schaf­ter in ei­nem Ar­beits­kampf­kon­zept zi­tiert, das in ei­nem län­ge­ren Dis­kus­si­ons­pro­zess ent­stand.

Bei der neu­en Es­ka­la­ti­ons­stu­fe han­de­le es sich kei­nes­falls um ei­nen »Au­to­ma­tis­mus«, heißt es da- rin. Zu­grun­de lie­gen müss­ten ein­deu­ti­ge Mit­glie­der­vo­ten, die die Kampf­be­reit­schaft aus­drü­cken. Die ins Au­ge ge­fass­ten Be­trie­be müss­ten ei­nen »sehr gu­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad« und ei­nen »ak­ti­ven Funk­tio­närs­kör­per« auf­wei­sen und sich be­reits an kür­ze­ren Warn­streiks be­tei­ligt ha­ben. Bei 24-stün­di­gen Warn­streiks, wie sie an­de­re Ge­werk­schaf­ten schon län­ger prak­ti­zie­ren, ist auch ei­ne fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung aus der Ge­werk­schafts­kas­se vor­ge­se­hen. Dies setzt ei­nen Vor­stands­be­schluss vor­aus.

Be­fris­te­te Warn­streiks ver­blei­ben im­mer noch un­ter­halb der Schwel­le un­be­fris­te­ter Ar­beits­kämp­fe und Er­zwin­gungs­streiks. Die Wirk­sam­keit von Ta­ges­streiks könn­te schon im Win­ter er­probt wer­den. Ge­werk­schafts­chef Jörg Hof­mann er­klär­te die­se Wo­che in Mann­heim: »2016 ha­ben wir ei­ne Feu­er­wehr­übung ge­macht. 2018 könn­te es ernst wer­den.«

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