Schat­ten über dem Thü­rin­ger Gast­ge­wer­be

Zahl der Be­trie­be sinkt ste­tig, der Um­satz stieg zu­letzt aber leicht

Neues Deutschland - - Aus Den Ländern -

In et­li­chen Or­ten Thü­rin­gens gibt es längst kei­nen Gast­hof mehr. Der Trend hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­schleu­nigt, be­sagt ei­ne Stu­die für den Bran­chen­ver­band. Aber es geht nicht nur ab­wärts.

Er­furt. Hun­der­te Kn­ei­pen, Gast­hö­fe und Re­stau­rants in Thü­rin­gen ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren man­gels Gäs­ten, Per­so­nal oder Nach­fol­ger auf­ge­ge­ben. Nach ei­ner jetzt in Er­furt vor­ge­leg­ten Un­ter­su­chung ist die Zahl der Be­trie­be seit 2010 kon­ti­nu­ier­lich um zehn Pro­zent ge­sun­ken. Im Ge­gen­zug stieg der durch­schnitt­li­che Jah­res­um­satz der Gas­tro­no­men, die sich am Markt eta­bliert ha­ben, je­doch von 154 000 Eu­ro auf 210 000 Eu­ro. Da­mit sind die Thü­rin­ger Be­trie­be al­ler­dings im­mer noch sehr klein.

Im Bun­des­durch­schnitt lie­ge der Jah­res­um­satz im Gast­ge­wer­be bei 356 000 Eu­ro, sag­te Bern­hard Har­rer vom Deut­schen wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tut für Frem­den­ver­kehr (dwif) in Mün­chen. »In Thü­rin­gen ist beim Um­satz noch viel Luft nach oben.« Nach der Un­ter­su­chung gibt es im Frei­staat, der sich als Tou­ris­mus­land stär­ker pro­fi­lie­ren will, nur 13 Be­trie­be mit ei­nem Jah­res­um­satz von mehr als fünf Mil­lio­nen Eu­ro.

Die Prä­si­den­tin des Thü­rin­ger Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­ban­des (De­ho­ga), Gu­drun Mün­nich, sprach von ge­gen­läu­fi­gen Trends, die Schat­ten und Licht be­deu­te­ten. Die Her­aus­for­de­rung der Bran­che in den kom­men­den Jah­ren sei, bei stei­gen­den Kos­ten die Qua­li­tät von Ho­tel­le­rie und Gas­tro­no­mie aus­zu­bau­en. Da­zu ha­be nicht je­der Be- trieb die Kraft. Ins­ge­samt gibt es der­zeit rund 5000 Be­trie­be. Das Gast­ge­wer­be im Frei­staat steht da­mit für ei­nen Jah­res­um­satz von rund ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro und be­schäf­tigt 44 000 Men­schen, dar­un­ter rund 14 000 Mi­nijob­ber. Laut Lan­des­ar­beits­agen­tur ist die Zahl der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten seit Ein­füh­rung des Min­dest­lohns im Jahr 2015 um rund 1000 ge­stie­gen. Trotz­dem wer­de die Nach­wuchs ge­win­nung für Ho­tels und Gast­stät­te nim­mer schwie­ri­ger. Im Jahr 2016 sei­en im Schnitt 99 Ta­ge ver­gan­gen, bis ei­ne ent­spre­chen­de Stel­le be­setzt wer­den konn­te. Der­zeit such­ten knapp 500 ar­beits­lo­se Thü­rin­ger ei­ne Be­schäf­ti­gung in der Bran­che. Sie könn­ten un­ter 700 an­ge­bo­te­nen Stel­len wäh­len. Auf knapp 600 ge­mel­de­te Aus­bil dungs stel­len kä­men le­dig­lich 150 Be­wer­ber, stellt die Lan­des ar­beit sagen­tur­fe st.

Die Ver­fas­ser der Stu­die emp­feh­len Gast­wir­ten und Ho­te­liers, Rück­la­gen zu bil­den, um re­gel­mä­ßig in die At­trak­ti­vi­tät ih­res An­ge­bots in­ves­tie­ren zu kön­nen. »Sonst blei­ben die Gäs­te aus«, sag­te Har­rer. Die größ­ten Um­satz­zu­wäch­se ver­buch­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Selbst­be die nungs gast­stät­ten, Bars un­dE­vent-Cat er er, aber auch Früh­stücks­ho­tels und Frei­zeit­zen­tren.

Thü­rin­gens Wirt schafts staats­se­kre­tär Ge­org Mai er­setzt auf die Neu­an­sied­lung von Ho­tels mit ge­ho­be­nem Stan­dard im Thü­rin­ger Wald qua­si als Tren­din­ves­ti­ti­on. Chan­cen hät­ten aber auch Fe­ri­en­woh­nun­gen und Häu­ser, die im­mer stär­ker ge­fragt sei­en, sag­te er. Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um bie­te Un­ter­neh­mern im Gast ge­wer­be Be­ra­tungs an­ge­bo­te, abe rauch In­ves­tit ions hil­fen.

Laut Thü­rin­ger Auf­bau­bank wur­den dem Gast ge­wer­be seit An­fang der 1990 er Jah­re 450 Mil­lio­nen Eu­ro an In­ves­ti­ti­ons­zu­schüs­sen aus­ge­zahlt. Da­mit sei­en in Thü­rin­gen Ge­samt­in­ves­ti­tio­nen von 1,6 Mil­li­ar­den Eu­ro in die Bran­che un­ter­stützt wor­den.

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