Was­ser­bal­le­ri­no

Neues Deutschland - - Meinung - Von Ma­ria Jor­dan

»Wir sind schei­ße ge­schwom­men«, är­ger­te sich Syn­chron­schim­mer Ni­k­las Sto­e­pel nach dem WM-Fi­na­le in Bu­da­pest, wo er im Mi­xed Du­ett am Mon­tag den ach­ten Platz hol­te. Der 25-Jäh­ri­ge war als ers­ter deut­scher Mann bei ei­ner Welt­meis­ter­schaft im Syn­chron­schwim­men an­ge­tre­ten.

Seit Jah­ren schon nimmt Sto­e­pel als ein­zi­ger Mann in ei­ner Grup­pe von neun Schwim­me­rin­nen an den deut­schen Meis­ter­schaf­ten teil. In­ter­na­tio­na­le Wett­kämp­fe wie die Olym­pi­schen Spie­le sind je­doch al­lein den Frau­en vor­be­hal­ten. Der ame­ri­ka­ni­sche Syn­chron­schwim­mer Bill May hat­te ge­gen die­se Un­gleich­be­hand­lung 2004 so­gar ge­klagt – und ver­lo­ren. Auch Sto­e­pel fühlt sich durch die Re­ge­lung »dis­kri­mi­niert«, Me­di­en spre­chen von ei­ner »Frau­en­do­mä­ne«.

Da­bei war der Sport bei sei­ner Ent­ste­hung – ei­gent­lich we­nig über­ra­schend – ein Män­ner­sport. Seit En­de des 19. Jahr­hun­derts er­tüch­tig­ten sich Män­ner im »Was­ser­bal­lett« oder »Rei­gen­schwim­men«. 1891 fan­den in Ber­lin die ers­ten Wett­kämp­fe statt – oh­ne Frau­en. Erst zu Be­ginn des 20. Jahr­hun­derts er­kämp­fen sich schließ­lich die ers­ten »Un­ter­was­ser­bal­le­ri­nas« ih­ren Platz in der Sport­art, die sie Stück für Stück ganz für sich ein­nah­men.

Zwar gab es welt­weit auch im­mer Män­ner­grup­pen im Syn­chron­schwim­men, von den gro- ßen Wett­be­wer­ben wur­den die­se aber aus­ge­schlos­sen. Män­ner und Frau­en wur­den au­ßer­dem, wie so oft im Sport, strikt von­ein­an­der ge­trennt. Ge­misch­te Du­et­te gab es nicht mehr. Erst bei den Welt­meis­ter­schaf­ten 2015 in Ka­san wur­de die Sport­art im Mi­xed Du­ett auch für Män­ner ge­öff­net. Nicht zur Freu­de al­ler: Die rus­si­sche Olym­pia­sie­ge­rin Swet­la­na Ro­ma­schi­na sprach sich da­mals »ka­te­go­risch ge­gen Män­ner in un­se­rer Sport­art« aus.

Sto­e­pel, der sich 2015 noch um sein Ma­schi­nen­bau­stu­di­um küm­mer­te, springt die­ses Mal end­lich ins Be­cken und ist trotz der mä­ßi­gen Plat­zie­rung zu­frie­den mit der Ent­wick­lung des Sports: »In Deutsch­land und im Ver­ein füh­le ich mich schon längst voll auf­ge­nom­men. Jetzt ist es auch in­ter­na­tio­nal so.«

Fo­to: ima­go/AFLOSPORT

Ni­k­las Sto­e­pel ist Deutsch­lands ers­ter WM-Syn­chron­schwim­mer

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