Ge­walt­ge­stal­tung

Uwe Kal­be über neue­re Ide­en zur Per­fek­tio­nie­rung des Ver­samm­lungs­rechts

Neues Deutschland - - Meinung -

Ein­schrän­kun­gen de­mo­kra­ti­scher Rech­te set­zen sich in Form der Spi­ra­le durch. Ei­ne Um­dre­hung gibt die nächs­te. So hat der so ge­nann­te Ge­fähr­der in die Pa­ra­gra­fen Ein­zug ge­hal­ten, als der Ab­scheu über blu­ti­ge Ter­ror­ta­ten sich ver­misch­te mit Be­rich­ten über Flücht­lin­ge, die an­geb­lich kei­ne wa­ren und des­halb nach brei­ter Mei­nung ih­re Rech­te ver­wirkt hat­ten. Die Fuß­fes­sel tut nicht weh. Sie ist nun Werk­zeug zur Kon­trol­le von Straf­tä­tern wie von Men­schen, die even­tu­ell wel­che wer­den könn­ten. Oder auch nicht. Bis zur jüngs­ten Idee des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters, lin­ken »Ge­fähr­dern« Fuß­fes­seln an­zu­le­gen, war es nur noch ein klei­ner Schritt.

Kra­wall­ma­cher fern­hal­ten, das ist der Sinn. Na­zis von thü­rin­gi­schen Wie­sen fern­hal­ten, wo sie auf Rock­kon­zer­ten ih­ren Hass auf Mi­gran­ten aus­le­ben, das will Bo­do Ra­me­low, Mi­nis­ter­prä­si­dent des un­frei­wil­li­gen Gast­lan­des. Er will das Ver­samm­lungs­recht ein­schrän­ken, das über Jah­re be­reits im­mer en­ger ge­schnürt wur­de – nicht sel­ten, um lin­ke De­mons­tran­ten zu tref­fen. Nun al­so wird die Spi­ra­le von links an­ge­scho­ben, um Na­zis zu tref­fen. Wür­den Jus­tiz und Po­li­zei ge­gen Ge­walt­an­dro­hun­gen von Rech­ten, ih­re ver­fas­sungs­feind­li­chen Sym­bo­le und Ru­he­stö­run­gen un­er­bitt­lich vor­ge­hen wie ge­gen G20-Pro­tes­tie­rer, wä­re ein Vor­ge­hen ge­gen Na­zis durch­aus mög­lich. Oh­ne das Ver­samm­lungs­recht zu be­schä­di­gen.

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