Sorg­ten Fal­sch­mel­dun­gen der Emi­ra­te für Kri­se?

Ein An­ti-Ter­ror-Ab­kom­men zwi­schen Ka­tar und den USA soll nun Ent­span­nung brin­gen

Neues Deutschland - - Politik - Von Oli­ver Eber­hardt

Mit ei­nem Ha­cker­an­griff auf die ka­ta­ri­sche Nach­rich­ten­agen­tur sol­len die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te die Kri­se am Golf mit aus­ge­löst ha­ben. Der Kal­te Krieg zwi­schen Ka­tar, Sau­di-Ara­bi­en Ägyp­ten, Bah­rain und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten (VAE) wird auch in Eu­ro­pa aus­ge­foch­ten. In Zei­tungs­an­zei­gen und so­zia­len Netz­wer­ken im In­ter­net ver­sucht die sau­di­sche Re­gie­rung zu er­klä­ren, wo die Pro­ble­me mit Ka­tar lie­gen. Und das klei­ne, ex­trem rei­che Land lässt in­des Tau­sen­de Kü­he aus Eu­ro­pa ein­flie­gen. Das muss nicht un­be­dingt sein, denn Fleisch und Milch wä­ren güns­ti­ger und ein­fa­cher aus Iran und Pa­kis­tan zu be­schaf­fen. Doch »wir wol­len ein deut­li­ches Zei­chen set­zen«, sagt Mu­ham­med Bin Ah­med Bin To­war Al Ku­wa­ri, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Han­dels­kam­mer Ka­tars: »Wir schaf­fen das; un­ser Le­ben geht ganz nor­mal wei­ter.«

Am Wo­che­n­en­de nahm der Kal­te Krieg um Ka­tar ei­ne neue Wen­dung, als die »Wa­shing­ton Post« un­ter Be­ru­fung auf ame­ri­ka­ni­sche Ge­heim­dienst-Qu­el­len be­rich­te­te, die Re­gie­rung der VAE ste­cke hin­ter dem Ha­cker-An­griff auf die ka­ta­ri­sche Nach­rich­ten­agen­tur, bei dem Fal­sch­mel­dun­gen ge­setzt wor­den sein sol­len, in de­nen der ka­ta­ri­sche Herr­scher Scheich Ta­mim bin Ha­mad al Tha­ni an­geb­lich Iran und die Ha­mas lob­te und Sau­di-Ara­bi­en kri­ti­sier­te. Die Mel­dun­gen wa­ren ei­ner der Aus­lö­ser der Blo­cka­de des Emi­rats, wo­bei der Streit al­ler­dings schon seit lan­gem schwel­te.

In der ver­gan­ge­nen Wo­che ver­such­te US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son zu ver­mit­teln. Fünf Ta­ge lang sprach er mit den Kon­flikt­par­tei­en, be­vor dann am En­de be­kannt ge­ge­ben wur­de, Ka­tar ha­be ein re­gio­na­les Ab­kom­men über die Be­kämp­fung von Ter­ror-Fi­nan­zie­rung un­ter­zeich­net. Dies sein »ein wich­ti­ger Schritt zur Ent­span­nung«, so ein Spre­cher des Sta­te De­part­ment, wäh­rend das sau­di­sche Au­ßen­mi­nis­te­ri­um die Un­ter­zeich­nung zum Er­folg der Blo­cka­de er­klär­te. Nur hat­ten die Ver­hand­lun­gen über das Ab­kom­men be­reits En­de der Amts­zeit von US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma be­gon­nen, wa­ren dann ins Sto­cken ge­ra­ten, weil Ri­ad for­der­te, be­stimm­te Grup­pen, die man bei­spiels­wei­se im Je­men un­ter­stützt, aus­zu­neh­men. Dass Ka­tar das Ab­kom­men nun un­ter­zeich­net hat, bringt Sau­di-Ara­bi­en in Zug­zwang.

Der Auf­trieb der Kü­he hat­te für Ka­tar vor al­lem in­ter­ne Grün­de. Auf gut 300 000 ka­ta­ri­sche Staats­bür­ger kom­men gut 2,4 Mil­lio­nen Gas­t­ar­bei­ter vor al­lem aus In­di­en, Pa­kis­tan, Ne­pal und von den Phil­ip­pi­nen. Trotz weit­ge­hen­der Recht­lo­sig­keit konn­te man sie mit ver­gleichs­wei­se gu­ten Löh­nen im Land hal­ten. Die Wirt­schaft ist kom­plett von ih­nen ab­hän­gig. Als nach Aus­bruch der Kri­se Bil­der von lee­ren Su­per­markt-Re­ga­len ge­zeigt wur­den, lös­ten vie­le der Hei­mat-Re­gie­run­gen Mecha­nis­men aus, die die Heim­kehr ei­ner gro­ßen Zahl ei­ge­ner Staats­bür­ger er­mög­li­chen sol­len. Man woll­te des­halb un­be­dingt den Ein­druck von Ver­sor­gungs­eng­päs­sen ver­mei­den, sagt Ku­wai­ri.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.