Te­gel ist zu wert­voll für Flug­zeu­ge

Wirt­schafts­se­na­to­rin will Flug­ha­fen­flä­che für Start-ups und Un­ter­neh­men nut­zen

Neues Deutschland - - Berlin - Von Alex­an­der Ise­le

Die lan­des­ei­ge­ne Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaft »Ber­lin Part­ner« for­dert die Still­le­gung des Flug­ha­fens Te­gels, um dort ei­nen Wirt­schafts- und Wis­sen­schaftstand­ort zu eta­blie­ren. »Oh­ne ein aus­rei­chen­des Flä­chen­an­ge­bot gibt es kei­ne An­sied­lun­gen von neu­en Un­ter­neh­men«, sagt Wirt­schafts­se­na­to­rin Ra­mo­na Pop (Grü­ne) und zielt da­mit auf das Ge­län­de des Flug­ha­fens Te­gel. Da­mit die dy­na­mi­sche Ent­wick­lung der Ber­li­ner Wirt­schaft an­hält, for­dert Pop ei­nen Aus­bau des Are­als zu ei­nem »Treff­punkt von Wirt­schaft und Wis­sen­schaft, von Woh­nen und Ar­bei­ten« nach der Be­en­di­gung des Flug­ver­kehrs. Es sei »ent­schei­dend für die zu­künf­ti­ge Ent­wick­lung der Haupt­stadt«, ge­nü­gend freie Flä­chen zur ge­werb­li­chen Nut­zung zur Ver­fü­gung zu ha­ben, so Pop wei­ter. Da die Wis­sen­schafts­stadt Ad­lers­hof und der Cam­pus Buch be­reits bei­na­he dicht sei­en, sei das Ge­län­de des Flug­ha­fen Te­gels so wich­tig, um es als ei­nen zu­künf­ti­gen Stand­ort für die Ver­zah­nung von Wirt­schaft und Wis­sen­schaft vor­an­zu­trei­ben.

Ei­gent­lich kann sie sich ge­ra­de freu­en. Die Wirt­schaft in der Haupt­stadt wächst und schafft Ar­beits­plät­ze, vor al­lem im Wech­sel­spiel zwi­schen Wis­sen­schaft, In­no­va­ti­on und In­dus­trie – die­ses Fa­zit wur­de auf der Halb­jah­res­pres­se­kon­fe­renz der Wirt- schafts­för­der­ge­sell­schaft »Ber­lin Part­ner für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie« ge­zo­gen. Um 75 Pro­zent stieg das In­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men der der­zeit 164 ge­för­der­ten Fir­men im ers­ten Halb­jahr 2017 im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum, teil­ten die von Land und Pri­vat­un­ter­neh­men ge­mein­schaft­lich ge­tra­ge­nen »Ber­lin Part­ner« am Mon­tag mit. Ins­ge­samt wur­den seit Ja­nu­ar 356 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert, et­wa zwei Drit­tel da­von von be­reits an­säs­si­gen Un­ter­neh­men. Ra­mo­na Pop (Grü­ne), Wirt­schafts­se­na­to­rin

Auch der Ge­schäfts­füh­rer von »Ber­lin Part­ner«, Ste­fan Franz­ke, sorgt sich um die not­wen­di­gen Flä­chen in Ber­lin. »Man ver­lässt die Mit­te«, er­klärt Franz­ke am Bei­spiel von Co­wor­king-Plät­zen, die in Mar­zahn-Hel­lers­dorf und Ste­glitz-Zeh­len­dorf ent­ste­hen. »Für Un­ter­neh­men, die aus dem Aus­land kom­men, sind Qua­drat­me­ter­miet­prei­se von 30 Eu­ro kein Pro­blem.« Sol­che Prei­se stell­ten für hei­mi­sche Un­ter­neh­men ein Pro­blem dar, die jetzt ex­pan­die­ren wol­len. Sie muss­ten bis­her zehn Eu­ro pro Qua­drat­me­ter zah­len. Auch Franz­ke for- dert die Um­wand­lung des Flug­ha­fen Te­gels in ein Wis­sen­schafts- und In­dus­trie­stand­ort.

Der Ge­schäfts­füh­rer von »Ber­lin Part­ner« sieht in der Start-up-Sze­ne ei­nen im­mer wich­ti­ger wer­den­den Teil der Wirt­schaft in der Haupt­stadt. Mit Part­ner­schaf­ten mit Tel Aviv, Pa­ris, New York, Shang­hai, Lon­don und ab Ok­to­ber auch Los An­ge­les sei die Start-up-Sze­ne bes­tens ver­netzt.

Se­na­to­rin Pop zeig­te sich er­freut über die »gu­ten Zah­len und schö­nen Er­fol­ge von un­se­ren Start-ups«. Die von »Ber­lin Part­ner« un­ter­stütz­ten 164 Un­ter­neh­men schu­fen seit An­fang des Jah­res rund 6400 neue so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Stel­len, wo­bei fast zwei Drit­tel da­von durch die Ex­pan­si­on be­ste­hen­der Fir­men ent­stand. Für Pop Grund, »ei­nen Luft­bal­lon stei­gen zu las­sen«.

Fast 40 000 Neu­grün­dun­gen gibt es pro Jahr in der Haupt­stadt. Da­mit die­se Dy­na­mik an­hält, for­dert Pop, dass sich Ber­lin wei­ter um Ta­len­te be­mü­hen müs­se. Im Wett­be­werb um Fach­kräf­te brau­che es ne­ben ei­ner gu­ten Aus­bil­dung an Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len auch die Mög­lich­keit zur be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung – aber auch das Wer­ben um Köp­fe aus dem Aus­land, ei­ne der Auf­ga­ben von »Ber­lin Part­ner«. Auch müs­se die Ver­net­zung von In­dus­trie, Wis­sen­schaft und In­no­va­tio­nen wei­ter vor­an­ge­trie­ben wer­den, for­dert Pop, die da­bei für »Ber­lin Part­ner« ei­ne wich­ti­ge Rol­le sieht. Die För­der­ge­sell­schaft hel­fe da- bei, Start-ups und Be­stand­un­ter­neh­men en­ger zu ver­net­zen. Die Di­gi­ta­li­sie­rung spie­le in der mo­der­nen In­dus­trie ei­ne zen­tra­le Rol­le, die al­le Be­rei­che durch­zie­he. Die Ein­tei­lun­gen in ver­schie­den In­dus­trie­ka­te­go­ri­en kaum sei so kaum mehr mög­lich. »Die Di­gi­ta­li­sie­rung ist die Trei­be­rin von In­no­va­tio­nen und Wachs­tum in der Stadt«, so Pop.

»Oh­ne ein aus­rei­chen­des Flä­chen­an­ge­bot gibt es kei­ne An­sied­lun­gen von neu­en Un­ter­neh­men.«

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