Mül­ler wirbt nicht für mehr Ka­me­ras

Neues Deutschland - - Berlin - Von Ja­na Klein

Der Re­gie­ren­de Bür­ger­meis­ter will nicht mit ei­nem Zi­tat auf der Web­sei­te des Bünd­nis­ses für mehr Vi­deo­über­wa­chung er­schei­nen. Der Re­gie­ren­de Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler (SPD) geht an­walt­lich ge­gen das »Bür­ger­bünd­nis für mehr Vi­deo­auf­klä­rung und mehr Da­ten­schutz« vor. Auf sei­ner In­ter­net­sei­te zi­tier­te das Bünd­nis Mül­ler, der sich da­mit im De­zem­ber 2016 für mehr Vi­deo­über­wa­chung aus­ge­spro­chen hat­te. Dass das Bünd­nis von Ex-Jus­tiz­se­na­tor Tho­mas Heil­mann (CDU) mit sei­nen Wor­ten für ei­nen Aus­bau der Ka­me­ra­über­wa­chung im öf­fent­li­chen Raum wirbt, passt ihm aber nicht. Die Gestal­tung der Web­sei­te mit dem be­nutz­ten Zi­tat er­we­cke den Ein­druck, als sei Mül­ler Un­ter­stüt­zer des Bünd­nis­ses und sei­ner Zie­le. Das Bünd­nis er­klär­te in ei­ner Stel­lung­nah­me, das Zi­tat wei­ter ver­wen­den zu wol­len.

Kon­kret geht es um zwei Sät­ze aus ei­nem Zei­tungs­ar­ti­kel. Mül­ler hat­te im De­zem­ber an­läss­lich von Ge­walt­ta­ten in U-Bahn­hö­fen ge­sagt: »Wir müs­sen se­hen, dass Straf­ta­ten da­mit nicht ver­hin­dert wer­den, aber sie kön­nen deut­lich schnel­ler auf­ge­klärt wer­den. Mög­li­cher­wei­se las­sen sich so nach­fol­gen­de Straf­ta­ten ver­hin­dern.«

Auch Ber­lins In­nen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD) wird auf der Web­sei­te zi­tiert und geht da­ge­gen vor. Er hat­te An­fang des Jah­res ge­sagt, die »spek­ta­ku­lä­ren Auf­klä­rungs­er­fol­ge« durch Ka­me­ras sei­en »au­gen­schein­lich«. Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag hat­te sich Ro­tRot-Grün je­doch ge­gen mehr Über­wa­chung aus­ge­spro­chen.

Sa­bi­ne Schuh­mann, Mit­in­itia­to­rin des Bünd­nis­ses, zeig­te sich »er­staunt« über die Ab­mah­nung. Die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft Ber­lin sag­te dem »nd«, sie ha­be ein »ho­hes Ver­trau­en in den Rechts­staat«, der die An­ge­le­gen­heit nun zu klä­ren ha­be.

Der Ge­ne­ral­se­kre­tär der Ber­li­ner CDU, Ste­fan Evers, warf den bei­den SPD-Po­li­ti­kern am Mon­tag »Zen­sur« vor. Die »ver­such­te Un­ter­drü­ckung sei­ner frü­he­ren Äu­ße­rung« über­schrei­te die »Gren­zen des po­li­ti­schen An­stands«, hieß es in ei­ner Stel­lung­nah­me. Be­ne­dikt Lux, in­nen­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen, hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che zum ge­plan­ten Volks­be­geh­ren des Bünd­nis­ses ge­sagt, ei­ne flä­chen­de­cken­de Vi­deo­über­wa­chung in Städ­ten wie Lon­don zei­ge, dass die Kri­mi­na­li­tät da­durch nicht sin­ke. Bes­ser sei »ei­ne gut aus­ge­bil­de­te Po­li­zei auf den Stra­ßen«.

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