Jus­tiz klagt über feh­len­des Per­so­nal

Neues Deutschland - - Brandenburg - Von Wil­fried Nei­ße

In Bran­den­burgs Jus­tiz gibt es zu we­nig Staats­an­wäl­te, Ver­wal­tungs- und So­zi­al­ge­rich­te wer­den der Flut der Fäl­le nicht Herr und der Jus­tiz­voll­zug ächzt un­ter ho­hem Ver­wal­tungs­auf­wand. An­ge­sichts wach­sen­der Ar­beits­be­las­tung ha­ben sich Ver­tre­ter der bran­den­bur­gi­schen Jus­tiz ha­ben am Mon­tag im Land­tag Luft ge­macht. Claudia Oden­breit, Lan­des­vor­sit­zen­de des Deut­schen Rich­ter­bunds, nann­te die Si­tua­ti­on an den Ge­rich­ten dra­ma­tisch. Die Un­ter­be­set­zung füh­re da­zu, dass der be­rech­tig­ten For­de­rung nach ver­tret­ba­ren Be­ar­bei­tungs­fris­ten nicht mehr Rech­nung ge­tra­gen wer­den kön­ne. Weil die Hartz-IV-Ge­setz­ge­bung so vie­le neue Ver­fah­ren be­sche­re, hät­ten ein da­mit be­fass­ter Rich­ter in Bran­den­burg rund 100 Ver­fah­ren im Jahr mehr zu be­ar­bei­ten als im Bun­des­durch­schnitt.

La­gen den Ge­rich­ten 2012 rund 7200 un­er­le­dig­te Fäl­le vor, so sei­en es ak­tu­ell 18 130. Die seit 2013 stark ge­stie­ge­nen Zahl der Asyl­be­wer­ber las­se ei­ne enor­me Zu­satz­be­las­tung der Ver­wal­tungs­ge­rich­te und in Fol­ge der So­zi­al­ge­rich­te er­war­ten. Oden­breit räum­te ein, dass die Ge­samt­zahl der Straf­sa­chen bei Ju­gend­li­chen ge­sun­ken sei, doch re­sul­tier­ten aus ei­ner äl­ter wer­den­den Ge­sell­schaft eben mehr Be­treu­ungs­ver­fah­ren.

»Die Si­tua­ti­on bei Ge­rich­ten und Staats­an­walt­schaf­ten ist über­all dra­ma­tisch.«

Claudia Oden­breit, Deut­scher Rich­ter­bund

Die Ein­füh­rung von mo­der­ner In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung füh­re nicht zu ei­ner we­sent­li­chen Ar­beits­ent­las­tung der ein­zel­nen Rich­ter, sag­te Oden­breit. Dies füh­re aber zu der For­de­rung nach mehr Per­so­nal, denn wenn ab 2026 die elek­tro­ni­sche Ak­te Stan­dard wer­de und zu den IT-Pro­jek­ten auch das elek­tro­ni­sche Grund­buch ge­hö­ren sol­le, dann müs­se Be­die­nungs- und War­tungs­per­so­nal ein­ge­stellt wer­den.

Trotz der Pro­ble­me sei die Rechts­staat­lich­keit nicht in Ge­fahr. Ris­kant sei aber der bun­des­wei­te Trend, sich vor Ge­richt zu­neh­mend auf »De­als« zu ei­ni­gen. Da­bei sei die Straf­zu­mes­sung mit Ver­weis auf die Über­län­ge der Ver­fah­ren häu­fig ge­rin­ger.

Ob­wohl der­zeit von den 1550 Plät­zen in den Voll­zugs­an­stal­ten nur 1250 be­legt sind, for­der­te Rai­ner Kro­ne, Lan­des­vor­sit­zen­der des Bun­des der Straf­voll­zug­be­diens­te­ten, mehr Mit­ar­bei­ter im Jus­tiz­voll­zug. Ein Be­am­ter sei im Schnitt für 30 bis 40 Ge­fan­ge­ne zu­stän­dig, die Do­ku­men­ta­ti­ons­pflicht ha­be stark zu­ge­nom­men und das neue Jus­tiz­ge­setz ge­ste­he Straf­ge­fan­ge­nen län­ge­re Be­suchs­zei­ten und ei­ne in­ten­si­ve­re Be­treu­ung vor der Ent­las­sung zu.

Er setz­te sich da­für ein, schon die Jus­tiz-An­wär­ter, die heu­te 890 Eu­ro im Mo­nat be­kä­men, fi­nan­zi­ell so zu stel­len, dass sie sich ei­ne Woh­nung leis­ten kön­nen, oh­ne So­zi­al­leis­tun­gen be­an­tra­gen zu müs­sen. Die Ent­schei­dung des Lan­des, die Leh­rer kol­lek­tiv in ei­ne hö­he­re Ge­halts­stu­fe zu ver­set­zen, be­zeich­ne­te Kro­ne als »in­tel­li­gent«. Das kön­ne er sich auch für den Jus­tiz­be­reich vor­stel­len.

Petra Schmidt, die Lan­des­vor­sit­zen­de der Deut­schen Jus­tiz-Ge­werk­schaft, for­der­te, den Stel­len­ab­bau un­be­dingt zu stop­pen. In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren sei ein Fünf­tel der frei­wer­den­den Stel­len nicht wie­der be­setzt wor­den. Es sei nicht hin­nehm­bar, dass der Dop­pel­haus­halt wei­te­re 76 Stel­len­strei­chun­gen vor­sieht.

In Bran­den­burg gibt es rund 750 Rich­ter, 250 Staats­an­wäl­te und 940 Jus­tiz­voll­zugs­mit­ar­bei­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.