Hei­ßer Draht zur NPD

Hes­si­sche CDU-Po­li­ti­ker sol­len in rechts­las­ti­ges De­pe­schen­ge­flecht ver­strickt sein

Neues Deutschland - - Aus Den Ländern - Von Hans-Gerd Öfin­ger

Kei­ne Be­rüh­rungs­ängs­te nach Rechts schei­nen Po­li­ti­ker der CDU in Hes­sen zu ha­ben. Ih­re pu­bli­zis­ti­sche Ver­net­zung ist nach­les­bar und reicht bis in Krei­se der AfD und so­gar der NPD. Die­ser Ta­ge sor­gen Mel­dun­gen des Hes­si­schen Rund­funks (HR) über ei­nen di­rek­ten Draht von CDU-Funk­tio­nä­ren im Land­kreis Of­fen­bach zu In­ter­net-Por­ta­len mit NPD- und AfD-na­hen In­hal­ten für Auf­se­hen. Die Re­de ist von Or­ga­nen wie Hes­sen-De­pe­sche, Sach­sen-De­pe­sche oder Bay­ernDe­pe­sche, die auf ers­ten Blick se­riö­se re­gio­na­le und über­re­gio­na­le Nach­rich­ten ver­brei­ten, bei ge­naue­rem Hin­se­hen je­doch reich­lich Ar­ti­kel mit in­halt­li­cher Nä­he zu den Rechts­par­tei­en AfD und NPD ent­hal­ten.

So je­den­falls se­hen es selbst die Lan­des­äm­ter für Ver­fas­sungs­schutz in Sach­sen und Bay­ern. Sie ha­ben nach ei­ge­nen An­ga­ben in Aus­ga­ben der De­pe­schen vie­le »Ar­ti­kel mit rechts­ex­tre­men In­hal­ten« und re­gel­mä­ßi­ge Bei­trä­ge aus der Fe­der von NPDFunk­tio­nä­ren ent­deckt. So ha­be sich et­wa der ehe­ma­li­ge säch­si­sche NPDLand­tags­ab­ge­ord­ne­te Jür­gen Gan­sel über Deut­sche als »Frei­wild für kul­tur­frem­de Asyl­be­trü­ger« aus­ge­las­sen.

»Hier schreibt und denkt ein Um­feld aus CDU, FDP und AfD«, heißt es in der »Hes­sen-De­pe­sche«, die sich selbst als »bür­ger­li­ches Me­di­um« be­zeich­net. Nach HR-An­ga­ben en­ga­gie­ren sich sie­ben ak­ti­ve CDU-Mit­glie­der aus dem Land­kreis Of­fen­bach im De­pe­schen-Me­di­en­ver­bund. Her­aus­ra­gen­de Per­sön­lich­keit in die­sem Ge­flecht und Ge­schäfts­füh­re­rin des Ver­bunds ist of­fen­bar An­ge­la Pro­ko­phSch­mitt aus der Ge­mein­de Main­hau­sen. Sie ist nach ei­ge­nen An­ga­ben Dop­pel­mit­glied von CDU und CSU. Dar­über hin­aus sei­en ein CDU-Stadt­ver­ord­ne­ter aus Se­li­gen­stadt eben­so wie ei­ne CDU-Man­dats­trä­ge­rin aus Main­hau­sen als Ge­schäfts­füh­rer in Su­b­un­ter­neh­men des De­pe­schen­ge­flechts ein­ge­bun­den. Die Pres­se­spre­che­rin der CDU in Se­li­gen­stadt be­sit­ze An­tei­le an der De­pe­schen-Ei­gen­tü­mer­ge­sell­schaft, so der HR.

Ne­ben der Hes­sen-De­pe­sche scheint auch der rechts­las­ti­ge We­bauf­tritt derf­f­lin­ger.de ein wich­ti­ges Be­tä­ti­gungs­feld für CDU-Mit­glie­der im Kreis Of­fen­bach zu sein. Das nach ei­nem Kriegs­schiff der kai­ser­li­chen Ma­ri­ne im 1. Welt­krieg be­nann­te Ti­mon Grem­mels, SPD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter auf Twit­ter Nach­rich­ten­por­tal wur­de nach HRAn­ga­ben vor kur­zem has­tig ab­ge­schal­tet, ist aber wei­ter­hin als Do­main of­fi­zi­ell re­gis­triert. Ein ak­ti­ves CDU-Mit­glied aus Main­hau­sen, das auch bei der Kom­mu­nal­wahl 2016 auf der Lis­te der Christ­de­mo­kra­ten vor Ort kan­di­dier­te, ha­be lan­ge als Ad­mi­nis­tra­tor von derf­f­lin­ger.de fun­giert, so der HR.

Die CDU-Füh­rung nicht nur im Kreis Of­fen­bach hält sich zu Hes­senDe­pe­sche und derf­f­lin­ger.de be­deckt und möch­te vor der na­hen­den Bun­des­tags­wahl of­fen­bar al­les aus­sit­zen. Dies miss­fällt der Land­tags­op­po­si­ti­on. »Das Ein­zi­ge, was der CDU Hes­sen da­zu ein­fällt ist, dass sie nicht zu­stän­dig sei. Pein­lich! Auf­klä­rung nö­tig« twit­ter­te der SPD-Ab­ge­ord­ne­te Ti­mon Grem­mels. CDU-Lan­des­chef und Mi­nis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier dür­fe da­zu nicht schwei­gen, so der Ab­ge­ord­ne­te Her­mann Schaus (LIN­KE). »Wir er­war­ten, dass die CDU Ta­ten spre­chen lässt, sich von den rech­ten Het­zern dis­tan­ziert und sie aus ih­rer Par­tei aus­schließt.«

Die hes­si­sche CDU gilt seit Jahr­zehn­ten in der Ge­samt­par­tei als stramm rech­ter Lan­des­ver­band und wur­de von Füh­rungs­fi­gu­ren wie Al­f­red Dreg­ger und Man­fred Kan­ther ge­prägt. De­ren po­li­ti­scher Zieh­sohn war Ro­land Koch, der mit ei­ner frem- den­feind­li­chen Kam­pa­gne 1999 über­ra­schend die Wahl ge­wann und als Re­gie­rungs­chef von 1999 bis 2010 Vor­rei­ter ei­ner ag­gres­si­ven kon­ser­va­ti­ven und neo­li­be­ra­len Po­li­tik war. Es ver­wun­dert nicht, dass pro­mi­nen­te AfD-Mit­glie­der wie Spit­zen­kan­di­dat Alex­an­der Gau­land, Mar­tin Hoh­mann und Al­brecht Gla­ser, die mög­li­cher­wei­se dem nächs­ten Bun­des­tag an­ge­hö­ren wer­den, in frü­he­ren Jah­ren in der Hes­sen-CDU stei­le Kar­rie­ren hin­ge­legt ha­ben. Die zu Jah­res­be­ginn aus der CDU aus­ge­tre­te­ne Frank­fur­ter Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Ver­trie­be­nen­ver­bands­funk­tio­nä­rin Eri­ka St­ein­bach kennt Gau­land und Gla­ser gut und will nach ei­ge­nen An­ga­ben im Bun­des­tags­wahl­kampf bei AfD-Ver­an­stal­tun­gen auf­tre­ten. Auch wenn Kochs Nach­fol­ger Vol­ker Bouf­fier als Chef ei­ner schwarz-grü­nen Ko­ali­ti­on in Hes­sen auf sei­ne al­ten Ta­ge um ein mo­de­ra­tes, li­be­ra­les und welt­of­fe­nes Image be­müht ist, dürf­ten Ab­trün­ni­ge wie St­ein­bach, Gau­land oder Gla­ser le­dig­lich die Spit­ze des Eis­bergs in der Hes­sen-CDU dar­stel­len.

»Das Ein­zi­ge, was der CDU Hes­sen da­zu ein­fällt ist, dass sie nicht zu­stän­dig sei. Pein­lich! Auf­klä­rung nö­tig«

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