Wa­shing­ton auf Crash-Kurs

Ro­land Et­zel zum Aus­stieg der USA aus der UNESCO

Neues Deutschland - - Erste Seite -

Die USA ha­ben die Tür zur UNESCO kra­chend hin­ter sich zu­ge­schla­gen. Es ist ein alar­mie­ren­des Zei­chen, wenn sich die ein­zig ver­blie­be­ne Su­per­macht auch von ein­dring­li­chen Ap­pel­len – sieht man ein­mal von Is­ra­el ab – al­ler re­le­van­ten Ver­bün­de­ten nicht um­stim­men lässt.

Die Welt­bil­dungs- und Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on ist da­mit in ih­ren Wir­kungs­mög­lich­kei­ten er­heb­lich ein­ge­schränkt. Aber der Scha­den geht dar­über weit hin­aus. Es ist ja nicht al­lein das be­lei­dig­te Wü­ten ei­ner sich geis­tig-kul­tu­rell in die Selbst­be­schrän­kung zu­rück­zie­hen­den Ad­mi­nis­tra­ti­on, das hier of­fen­bar wird. Die­ser Rück­zie­her der Trump-Trup­pe ist Teil ei­nes sich ab­zeich­nen­den Crash-Kur­ses, den die­ses Ame­ri­ka ge­gen die Mul­ti­la­te­ra­li­tät der Welt führt.

Der Fall »He­bron« ist ver­gleichs­wei­se nich­tig, um ei­nen Prä­si­den­ten der USA im di­plo­ma­ti­schen Por­zel­lan­la­den um sich schla­gen zu las­sen wie ein trun­ke­ner Rauf­bold. Und so muss man wohl ver­mu­ten, dass es hier auch dar­um geht, Zei­chen zu set­zen, frei­lich Zei­chen der per­ver­ses­ten Art. Vor­vor­gän­ger Bush jun. woll­te einst vor und mit dem Irak-Krieg »Shock and Awe«, Angst und Schre­cken er­zeu­gen, ge­gen al­les, was sich ihm ent­ge­gen­stellt. Die Staa­ten ha­ben al­so zu ge­wär­ti­gen, dass die jet­zi­ge Ad­mi­nis­tra­ti­on noch vie­les müh­sam Aus­ge­han­del­te zu zer­stö­ren ge­denkt, was un­se­re jet­zi­ge po­li­ti­sche Welt im In­ners­ten zu­sam­men­hält: heu­te das Iran-Ab­kom­men und dem­nächst nach der UNESCO auch an­de­re Grund­pfei­ler der UNO-Ar­chi­tek­tur.

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