Mer­kel be­schwört das ro­te Ge­spenst

Kanz­le­rin warnt im Nie­der­sach­sen-Wahl­kampf vor Ko­ali­ti­on aus SPD, Grü­nen und Link­s­par­tei

Neues Deutschland - - Politik - Von Ha­gen Jung

Ver­schie­de­ne Land­tags-Wahl­kämp­fer in Nie­der­sach­sen be­ka­men Un­ter­stüt­zung vom Bund. Die CDU so­gar von Kanz­le­rin Mer­kel. Ein­dring­lich warn­te sie vor ei­ner Rot-Rot-Grü­nen Ko­ali­ti­on. Ein Ge­spenst geht um bei der CDU in Nie­der­sach­sen. Das Ge­spenst der LIN­KEN. Auch jetzt im End­spurt vor der Land­tags­wahl be­schwört Spit­zen­kan­di­dat Bernd Al­t­hus­mann wie ein bi­bli­scher Un­heils­pro­phet je­ne Par­tei als ge­fähr­li­ches Phan­tom, das Heu­len und Zäh­ne­klap­pern über das zweit­größ­te Bun­des­land brin­gen wird. Soll­te es denn SPD und Grü­ne in ei­ner Ko­ali­ti­on mit ein­bin­den.

Bei sei­ner Geis­ter­jagd auf die LIN­KE hat der Han­no­ve­ra­ner Po­li­ti­ker Schüt­zen­hil­fe von sei­ner Che­fin be­kom­men: Bun­des­kanz­le­rin und CDUVor­sit­zen­de An­ge­la Mer­kel bläst auf ih­rer Un­ter­stüt­zungs­tour zwi­schen Küs­te und Harz in das glei­che Horn wie ihr Par­tei­freund in Rich­tung die LIN­KE. Bei­spiels­wei­se in Vech­ta. Rund 2500 Zu­hö­rer er­leb­ten in der 31 000 Ein­woh­ner zäh­len­den Stadt na­he Bre­men, wie die Re­gie­rungs­che­fin war­nend tön­te: Rot-Rot-Grün – »das darf nicht sein«.

Be­reits die der­zei­ti­ge rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung in Nie­der­sach­sen, so mahn­te Mer­kel, ha­be im Bun­des­rat man­ches von der Gro­ßen Ko­ali­ti­on ge­tra­ge­ne Vor­ha­ben blo­ckiert. Kom­me es nun in Han­no­ver zu ei­ner Ko­ali­ti­on mit der Link­s­par­tei wä­re das »noch schlim­mer«.

Hil­fe aus Ber­lin gab es auch für die­je­ni­gen, die Al­t­hus­mann of­fen­sicht­lich fürch­tet, wie der Teu­fel das Weih­was­ser: für die LIN­KE. Meh­re­re ih­rer Spit­zen­ver­tre­ter wa­ren ge­kom­men, mit da­bei Sah­ra Wa­genk­necht und jüngst auch Gre­gor Gy­si. Vor meh­re­ren hun­dert Zu­hö­re­rin­nen und Zu­hö­rern, die trotz Re­gens ins Zen­trum der Lan­des­haupt­stadt ge­kom­men wa­ren, stell­te der Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Lin­ken an­ge­sichts des Ab­gas­skan­dals bei VW die Fra­ge in den Raum: »War­um hat ei­gent­lich die Lan­des­re­gie­rung als Mit­ei­gen­tü­me­rin so lan­ge dem be­trü­ge­ri­schen Trei­ben des Ma­nage­ments zu­ge­schaut?«

Doch nicht nur in punk­to Volks­wa­gen-Af­fä­re blickt Gy­si kri­tisch auf die Lan­des­re­gie­rung: »Man merkt ja, dass Rot-Grün die letz­ten vier­ein­halb Jah­re zwar ei­ni­ges auf den Weg ge­bracht, aber nicht viel ge­schafft hat.« Vor CDU und FDP warn­te der Gast: Die­se Par­tei­en wür­den in Nie­der­sach­sen ei­nen Kurs steu­ern, der nicht an den Men­schen, son­dern an der Wirt­schaft aus­ge­rich­tet sei. »Und ich glau­be, das ist das, was die Leu­te heu­te da­zu be­wegt, zu sa­gen: die LIN­KE muss wie­der in den Land­tag«, sag­te Gy­si. Der Spit­zen­po­li­ti­ker be­ton­te: Viel­leicht müss­ten Link­s­par­tei und SPD mal »ein biss­chen auf­ein­an­der zu­ge­hen«. Auch Ste­phan Weil soll­te wis­sen, wie wich­tig es ist, »dass ne­ben der SPD auch die Lin­ke im Land­tag sitzt.«

Weil in­des hofft nach wie vor auf das Er­rei­chen sei­nes Wunsch­ziels: ei­ne star­ke SPD im Par­la­ment, zum Re­gie­ren zu­sam­men – wie bis­her – mit den Grü­nen. Zur Sei­te stand dem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten sein Ge­nos­se Sig­mar Ga­b­ri­el, der für sei­ne Par­tei warb: »Wir küm­mern uns je­den Tag, nicht nur vier Wo­chen vor der Wahl.« Mit Weil ist auch SPD-Chef Mar­tin Schulz durchs Land ge­tourt. Er schließt ei­ne rot-rot-grü­ne Ko­ali­ti­on in Nie­der­sach­sen nicht aus, wol­le dem Lan­des­ver­band der So­zi­al­de­mo­kra­ten aber kei­ne Vor­schrif­ten ma­chen. »Über Ko­ali­tio­nen in den Län­dern wird vor Ort ent­schie­den, nicht in Ber­lin«, so Schulz ge­gen­über der »Nord­west-Zei­tung«.

Nie­der­sach­sens Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin An­ja Piel nutz­te auch die letz­ten Ta­ge vor der Wahl, ih­rer­seits ein Fort­set­zen der rot-grü­nen Ko­ali­ti­on als Wun­sch­mo­dell dar­zu­stel­len. Schließ­lich ha­be man zu­sam­men gu­te Ar­beit ge­leis­tet. Ei­ner Zu­sam­men­ar­beit mit den Grü­nen, de fac­to al­so ei­ner Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on, steht Ste­fan Birk­ner, Spit­zen­kan­di­dat der FDP, wie­der­um skep­tisch ge­gen­über. Zu ver­fah­ren sei das Ver­hält­nis zwi­schen CDU und Öko­par­tei. Und ei­ne Am­pel? Schon gar nicht. Die Li­be­ra­len sei­en kei­ne Mehr­heits­be­schaf­fer »für ei­ne ab­ge­wähl­te rot­grü­ne Lan­des­re­gie­rung«.

Fo­to: ima­go/Rai­ner Droese

Wo hat sich das Ro­te Ge­spenst ver­steckt? Die CDU scheint sich zu fürch­ten.

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