Ou­ry Jal­lohs Fa­mi­lie kri­ti­siert Stopp der Er­mitt­lun­gen

Feu­er­tod von Asyl­be­wer­ber vor zwölf Jah­ren soll zu den Ak­ten ge­legt wer­den

Neues Deutschland - - Politik -

Der Tod von Ou­ry Jal­loh in ei­ner Des­sau­er Po­li­zei­zel­le wird wohl un­auf­ge­klärt blei­ben. Zwei Ge­richts­pro­zes­se und vie­le Gut­ach­ten ha­ben nichts er­ge­ben. Die Er­mitt­ler zie­hen nun ei­nen Schluss­strich.

Des­sau-Roß­lau. Die Fa­mi­lie von Ou­ry Jal­loh hat laut An­wäl­ten mit Be­trof­fen­heit und Un­ver­ständ­nis auf die Ein­stel­lung des Er­mitt­lungs­ver­fah­rens zu des­sen Tod re­agiert. Rechts­an­wäl­tin Ga­b­rie­le Heine­cke er­klär­te am Frei­tag im Na­men der Fa­mi­lie, dass ge­gen die Ein­stel­lung Be­schwer­de ein­ge­legt und der Staats­an­walt­schaft er­neut auf­ge­ge­ben wer­de, wel­che wei­te­ren Er­mitt­lungs­schrit­te zwin­gend zu un­ter­neh­men sei­en. Die Staats­an­walt­schaft Hal­le (Saa­le) hat­te am Vor­tag er- klärt, nach sorg­fäl­ti­ger Prü­fung der vor­lie­gen­den Er­kennt­nis­se ha­be das am 7. De­zem­ber 2012 von Amts we­gen ein­ge­lei­te­te Ver­fah­ren kei­ne aus­rei­chen­den tat­säch­li­chen An­halts­punk­te für ei­ne Be­tei­li­gung Drit­ter an der Brand­le­gung er­ge­ben. Ei­ne wei­te­re Auf­klä­rung sei nicht zu er­war­ten, er­klär­te die An­kla­ge­be­hör­de.

Wie ge­nau es am 7. Ja­nu­ar 2005 zum qual­vol­len Feu­er­tod des aus Sier­ra Leo­ne stam­men­den Asyl­be­wer­bers kam, ist auch bei zwei Land­ge­richts­pro­zes­sen nicht ge­klärt wor­den. Fest steht, dass Jal­loh mit er­heb­li­chen Ver­bren­nun­gen in ei­ner Zel­le des Po­li­zei­re­viers Des­sau ge­fun­den wur­de. Dort war er, ge­fes­selt an ei­ne Ma­trat­ze, ge­stor­ben. Jal­loh war in Ge­wahr­sam, weil ihm vor­ge- worfen wur­de, meh­re­re Frau­en be­läs­tigt zu ha­ben.

2008 wa­ren in ei­nem ers­ten Pro­zess zwei Po­li­zis­ten in Des­sau frei­ge­spro­chen wor­den. Nach­dem der Bun­des­ge­richts­hof das Ur­teil ge­kippt hat­te, wur­de ein Be­am­ter 2012 vom Land­ge­richt Mag­de­burg we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt. Ei­ne er­neu­te Re­vi­si­on ver­warf der Bun­des­ge­richts­hof 2014. Jal­loh soll die Ma­trat­ze selbst mit ei­nem Feu­er­zeug an­ge­zün­det ha­ben.

An­wäl­tin Heine­cke er­klär­te am Frei­tag im Na­men der Fa­mi­lie, schon vor sie­ben Jah­ren sei ver­langt wor­den, durch Brand­ver­su­che am Tat­ort selbst ein Brand­bild her­zu­stel­len. We­der die Staats­an­walt­schaft Des­sau noch die in Hal­le hät­ten die­sem wis­sen­schaft­li­chen Vor­ge­hen je ent- spro­chen. Statt­des­sen sei­en un­ter nicht ver­gleich­ba­ren Be­din­gun­gen Brand­ver­su­che durch­ge­führt wor­den, hieß es.

»Mehr als ir­ri­tiert« sei die Fa­mi­lie des Op­fers auch dar­über, dass sich die Staats­an­walt­schaft bis zum heu­ti­gen Ta­ge nicht mit der 2015 vor­ge­leg­ten Be­weis­füh­rung aus­ein­an­der­ge­setzt ha­be, wo­nach der an­geb­lich aus dem Brand­schutt der Zel­le stam­men­de Feu­er­zeu­g­rest nie in der Zel­le ge­we­sen sein kön­ne.

Die »Initia­ti­ve im Ge­den­ken an Ou­ry Jal­loh« zwei­felt seit Jah­ren die bis­he­ri­ge The­se über den Ablauf der tra­gi­schen Er­eig­nis­se an. Be­stä­tigt fühlt sie sich un­ter an­de­rem durch ein von ihr selbst in Auf­trag ge­ge­be­nes Gut­ach­ten, wo­nach Jal­loh den Brand nicht selbst ge­legt ha­ben kön­ne. Die Initia­ti­ve geht von ei­ner Miss­hand­lung und Er­mor­dung Jal­lohs aus. Es han­de­le sich um ein ras­sis­ti­sches Ver­bre­chen, das von Ver­tre­tern der Po­li­zei, Jus­tiz und Po­li­tik ver­tuscht wer­de, be­haup­tet sie.

Auch meh­re­re Po­li­ti­ker kri­ti­sier­ten die Ein­stel­lung der Er­mitt­lun­gen. »Er­mitt­lungs­en­de ist ei­ne nicht hin­zu­neh­men­de Nie­der­la­ge des Rechts­staats«, schrieb der Grü­nen­In­nen­po­li­ti­ker Se­bas­ti­an Strie­gel bei Twit­ter. Die Links­frak­ti­on im Mag­de­bur­ger Land­tag kün­dig­te an, Ak­ten­ein­sicht im zu­stän­di­gen Rechts­aus­schuss zu be­an­tra­gen, um die Ar­gu­men­ta­ti­on de­tail­liert nach­voll­zie­hen zu kön­nen. Sie for­dert ei­ne un­ab­hän­gi­gen in­ter­na­tio­na­le Kom­mis­si­on, die den Fall um­fas­send un­ter­sucht.

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