Dop­pel­te Kar­rie­re

Patrick Bur­ge­ner über sei­ne zwei Kar­rie­ren als Welt­klas­se-Snow­boar­der und Pop­mu­si­ker

Neues Deutschland - - Erste Seite -

Der Snow­boar­der Patrick Bur­ge­ner ist Sport­pro­fi und Mu­si­ker.

Nach Ih­rem letz­ten Lauf wa­ren Sie Vier­ter. An­de­re är­gern sich, so knapp das Po­dest zu ver­pas­sen, Sie aber freu­ten sich un­ge­mein. Sind Ih­nen Me­dail­len un­wich­tig?

Klar hät­te ich gern ei­ne Me­dail­le, aber die an­de­ren sind so gut ge­fah­ren, ich kann ih­nen die ja nicht klau­en. Sie ha­ben sie ver­dient, weil sie Höchst­schwie­rig­kei­ten bei sehr ho­hen Sprün­gen zeig­ten. Ei­ne Me­dail­le will ich nicht mit Glück ge­win­nen, son­dern mit Schweiß und har­ter Ar­beit. Nach mei­nem Lauf ha­be ich mich aber trotz­dem so ge­freut, weil ich nicht glau­ben konn­te, wie gut ich ge­fah­ren war. Switch back 1080 dou­ble und noch ein Drei­fa­cher dran – ich hat­te

im­mer Angst vor die­ser Kom­bi­na­ti­on. Heu­te ha­be ich sie gleich drei­mal per­fekt ge­stan­den, und das bei Olym­pia! Mein Ziel war, den bes­ten Lauf mei­nes Le­bens hin­zu­le­gen, und das ha­be ich ge­schafft.

Der gro­ße Fa­vo­rit, Shaun Whi­te aus den USA, lag nach zwei von drei Durch­gän­gen nur auf Platz zwei. Wa­ren Sie si­cher, dass er es wie­der schaf­fen wird, oder dach­ten Sie, dass er heu­te mal be­zwun­gen wird? Ich ha­be sehr gro­ßen Re­spekt vor Shaun. Er pusht uns al­le im­mer wei­ter nach vorn. Aber es war schon ein ver­rück­ter Wett­be­werb, Nach mei­ner letz­ten Wer­tung dach­te ich, heu­te kann al­les pas­sie­ren. Die Ju­ro­ren hat­ten den Ame­ri­ka­ner Ben Fer­gu­son vor mir ein­sor­tiert, und ich rutsch­te noch auf Rang fünf ab, das fand ich un­glaub­lich. Er hät­te höchs­tens Sechs­ter oder Sie­ben­ter wer­den dür­fen, aber so was pas­siert. Wenn die Ju­ro­ren dich und dei­nen Stil mö­gen, set­zen sie dich so­gar mal aufs Po­di­um, oder eben auf Gold. Manch­mal ma­chen sie Feh­ler. Ich sit­ze nicht in der Ju­ry, und sonst hat sie ei­gent­lich al­les rich­tig ge­macht. Wenn es aber ums Po­dest ge­gan­gen wä­re, hät­te mich das rich­tig an­ge­schis­sen. Aber nicht bei Platz vier oder fünf, das wird mich al­so nicht lan­ge be­schäf­ti­gen. Für mich wer­de ich im­mer Olym­pia­vier­ter sein.

Sie sind ne­ben­bei auch noch Mu­si­ker, was ma­chen Sie denn jetzt: Sport und Mu­sik?

Ich weiß, ich ha­be das Po­ten­zi­al, in vier Jah­ren aufs Po­dest zu kom­men. Das ha­be ich heu­te er­kannt. Ich freue mich aber auch dar­auf, dass ich mich die nächs­ten zwei Jah­re erst mal viel mehr mei­ner Mu­sik wid­men kann. Ich hof­fe, das macht mich frei von all dem Druck. Ich wer­de auch wei­ter Wett­kämp­fe be­strei­ten, denn ich will im­mer mehr. Das ist mein Mot­to. Al­so will ich ir­gend­wann mal Gold ge­win­nen, egal ob bei ei­ner WM, den X-Ga­mes oder bei Olym­pia. Ich hat­te mir vor­ge­stellt, dass ich nach den Spie­len nur noch Par­ty ma­che und das Le­ben ge­nie­ße. Aber die­ses Er­geb­nis mo­ti­viert mich viel zu sehr. Ist es denn mög­lich, erst mal lan­ge aus­zu­span­nen und trotz­dem der welt­bes­te Snow­boar­der zu wer­den? Ich ha­be das doch ge­ra­de be­stä­tigt. Wel­cher an­de­re Sport­ler bei die­sen Spie­len hier macht ne­ben­her noch Mu­sik so wie ich? Ich be­trei­be das schon seit ei­ni­ger Zeit so pro­fes­sio­nell wie das Snow­boar­den.

Die meis­ten Trai­ner sa­gen, vier Jah­re sei­en zu kurz für sol­che dua­len Kar­rie­ren. Nein, sie sind sehr lang. Vor vier Jah­ren ha­be ich mich nicht für Olym­pia qua­li­fi­ziert, als ich Slope­style ge­fah­ren bin. Ich ha­be dann ei­ne Wei­le fast nur Mu­sik ge­macht und ir­gend­wann dem Trai­ner ge­sagt, dass ich wie­der Half­pipe fah­ren will. Er sag­te: »Nein, da hast du kei­ne Chan­ce!« Und jetzt ge­hö­re ich zu den Bes­ten der Welt. Ich muss mir al­so nicht vier Jah­re lang Druck ma­chen. So ei­ne lan­ge Vor­be­rei­tung braucht kei­ner. Auch Shaun Whi­te hat sich sehr oft ver­letzt und war bei Olym­pia doch im­mer wie­der da. Ich weiß, für mich ist das der rich­ti­ge Weg.

Was müs­sen Sie denn sport­lich noch ver­bes­sern, um ganz nach vorn zu kom­men?

Men­tal bin ich schon so weit, das ha­be ich heu­te ge­zeigt. Es fehlt noch an der Tech­nik. Da sind an­de­re noch ein biss­chen bes­ser als ich. Aber jetzt weiß ich ja, wor­an ich ar­bei­ten muss. Und ich wer­de schon noch trai­nie- ren: im Win­ter auf dem Berg und im Som­mer auf dem Tram­po­lin. Ich wer­de mich gut vor­be­rei­ten auf die Spie­le in vier Jah­ren, aber es gibt eben noch so vie­le an­de­re Sa­chen, auf die ich mich in die­ser Zeit freue.

Wor­auf zum Bei­spiel?

Erst mal, dass der Druck ab­fällt. Bis En­de des Som­mers wer­de ich si­cher pau­sie­ren und das Le­ben ge­nie­ßen. Ich ge­be bald ein gro­ßes Kon­zert auf ei­nem Fes­ti­val in Zü­rich, im Som­mer noch eins in Bern. Ich will auch ein neu­es Al­bum auf­neh­men. Die letz­ten vier Mo­na­te wa­ren so in­ten­siv, dass ich ganz viel ge­schrie­ben ha­be. Mir ging so viel durch den Kopf, das muss ein­fach zu Mu­sik wer­den. Und das Al­bum wird dann groß raus­kom­men. Da bin ich si­cher, denn ich ver­traue mei­ner Mu­sik. Ich ste­cke da ja genau­so viel rein wie ins Snow­boar­den.

Eins Ih­rer Lie­der heißt »Ko­rea«. Ha­ben Sie heu­te noch mal rein­ge­hört?

Ja. Vor ei­nem Jahr bin ich hier beim Welt­cup ge­stürzt. Ich war ganz nah dran am Sieg, und dann war plötz­lich al­les vor­bei. Ich ha­be mich so schlecht ge­fühlt, da­bei muss man das nicht. Al­so schrieb ich: »Don’t be af­raid of the sound of fal­ling down. Next time you’ll co­me around.« Das soll be­deu­ten, dass man vor nichts Angst ha­ben soll. Man muss es ein­fach nur tun. Das Le­ben gibt dir zu­rück, was du ver­dienst. Ich ha­be mir den Song heu­te Mor­gen noch mal an­ge­hört, weil ich wuss­te, dass er mir hel­fen wird. Und ich ha­be tat­säch­lich be­kom­men, was ich mir ver­dient ha­be. Nach Olym­pia flie­ge ich nach Los An­ge­les, um auch aus den neu­en Zei­len tol­le Songs zu ma­chen.

Fo­to: im­a­go/Sven Si­mon

Fo­to: dpa/An­ge­li­ka War­muth

Patrick Bur­ge­ner ju­belt nach sei­nem Olym­pia­wett­kampf.

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