Scholz kün­digt SPD-Sie­ges­zug an

Ham­burgs Bür­ger­meis­ter zum kom­mis­sa­ri­schen Par­tei­chef er­nannt

Neues Deutschland - - Erste Seite - Von Ro­land Bun­zen­thal

Ber­lin. Nach den Per­so­nal­ent­schei­dun­gen der SPD vom Di­ens­tag ha­ben die neu­en Spit­zen­leu­te der Par­tei mit ih­rem Wer­be­zug für die Neu­auf­la­ge der Gro­ßen Ko­ali­ti­on be­gon­nen. »Das ist ein Pro­gramm, dem man zu­stim­men kann«, sag­te der kom­mis­sa­ri­sche Par­tei­chef Olaf Scholz beim Po­li­ti­schen Ascher­mitt­woch der SPD im baye­ri­schen Vilshofen. »Wir ha­ben das ehr­gei­zi­ge Ziel, dass die SPD bei der nächs­ten Bun­des­tags­wahl wie­der stärks­te Par­tei wird«, ver­kün­de­te er zu­dem im ZDF. Ak­tu­ell liegt die SPD in den meis­ten Mei­nungs­um­fra­gen un­ter 20 Pro­zent. Die de­si­gnier­te Par­tei­vor­sit­zen­de Andrea Nah­les warn­te die So­zi­al­de­mo­kra­ten vor dem Weg in die Op­po­si­ti­on.

Scholz war nach dem Rück­tritt des bis­he­ri­gen Par­tei­vor­sit­zen­den Mar­tin Schulz am Di­ens­tag­abend vom Vor­stand kom­mis­sa­risch mit der Füh­rung der Amts­ge­schäf­te be­auf­tragt wor­den. Auf ei­nem Son­der­par­tei­tag am 22. April die­ses Jah­res soll dann Frak­ti­ons­che­fin Nah­les zur SPD-Vor­sit­zen­den ge­wählt wer­den.

Wie viel Bür­ger­be­tei­li­gung kann ei­ne im Prin­zip re­prä­sen­ta­ti­ve De­mo­kra­tie ver­tra­gen? Im Er­geb­nis­pa­pier zu den Ge­sprä­chen von Uni­on und SPD heißt es: »Wir wer­den ei­ne Ex­per­ten­kom­mis­si­on ein­set­zen, die Vor­schlä­ge er­ar­bei­ten soll, ob und in wel­cher Form un­se­re be­währ­te par­la­men­ta­risch-re­prä­sen­ta­ti­ve De­mo­kra­tie durch wei­te­re Ele­men­te der Bür­ger­be­tei­li­gung und di­rek­ter De­mo­kra­tie er­gänzt wer­den kann.« Zu­dem sol­len »Vor­schlä­ge zur Stär­kung de­mo­kra­ti­scher Pro­zes­se« er­ar­bei­tet wer­den. Kon­ser­va­ti­ve und So­zi­al­de­mo­kra­ten blei­ben mög­lichst un­ge­nau bei die­sem The­ma. Ent­schei­dun­gen ste­hen erst ein­mal nicht an.

Die je­weils Herr­schen­den ha­ben schon im­mer Urängs­te vor der Ba­sis­de­mo­kra­tie ge­habt. Sie be­grün­den ih­ren au­to­ri­tä­ren Füh­rungs­stil in fast al­len Sys­te­men mit an­geb­lich man­geln­der Kom­pe­tenz der Ba­sis. Schwarz-Rot scheint sich nur lang­sam von sol­chen Mus­tern ver­ab­schie­den zu wol­len. Das von Geg­nern der Ba­sis­de­mo­kra­tie stets ins Feld ge­führ­te Ar­gu­ment ei­ner po­pu­lis­mus­an­fäl­li­gen Wil­lens­bil­dung stimmt al­ler­dings meis­tens nicht. Dort, wo das Bil­dungs­we­sen glaub­haft die Wer­te der Auf­klä­rung ver­mit­telt, ha­ben Po­pu­lis­ten kei­ne Chan­ce.

Die So­zi­al­de­mo­kra­ten set­zen sich ne­ben an­de­ren Par­tei­en of­fi­zi­ell für Volks­ent­schei­de auf Bun­des­ebe­ne ein. Doch die Um­set­zung die­ses Vor­ha­bens stand auf ih­rer Prio­ri­tä­ten­lis­te nie­mals ganz weit oben. Die de­si­gnier­te SPDChe­fin Andrea Nah­les ge­hört zu de­nen, die stets für mehr Be­tei­li­gung der Bür­ger so­wie der Par­tei­mit­glie­der plä­diert ha­ben. Nun kön­nen al­le So­zi­al­de­mo­kra­ten über die An­nah­me des Ko­ali­ti­ons­ver­trags mit der Uni­on ab­stim­men.

Doch Ba­sis­de­mo­kra­tie hat auch für die neue star­ke Frau der SPD of­fen­bar Gren­zen. We­nig glaub­wür­dig sei das En­ga­ge­ment von Nah­les an­ge­sichts ih­rer Hin­ter­zim­mer-Kun­ge­lei­en um neue Pos­ten, kri­ti­sier­ten ei­ni­ge füh­ren­de So­zi­al­de­mo­kra­ten ih­re Ge­nos­sin vor ih­rer No­mi­nie­rung als neue Par­tei­vor­sit­zen­de.

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