Ma­cron droht As­sad mit Luft­schlä­gen

Frank­reich sucht nach Be­wei­sen für Ur­he­ber­schaft von Gift­gas­an­grif­fen

Neues Deutschland - - Erste Seite - Von Ro­land Et­zel

Pa­ris. Frank­reichs Staats­chef Em­ma­nu­el Ma­cron hat für den Fall, dass der Ein­satz ver­bo­te­ner Che­mie­waf­fen in Sy­ri­en si­cher nach­ge­wie­sen wird, er­neut mit An­grif­fen ge­droht. »Wir wer­den an dem Ort zu­schla­gen«, von dem sol­che An­grif­fe aus­ge­gan­gen oder or­ga­ni­siert wor­den sei­en, sag­te Ma­cron am Di­ens­tag­abend vor Jour­na­lis­ten in Pa­ris. »Die ro­te Li­nie wird re­spek­tiert wer­den«, be­kräf­tig­te der Prä­si­dent.

Der­zeit lä­gen den fran­zö­si­schen Ge­heim­diens­ten aber kei­ne ge­si­cher­ten Be­wei­se für Gift­gas­an­grif­fe auf die sy­ri­sche Zi­vil­be­völ­ke­rung vor. »So­bald der Be­weis er­bracht wird, wer­de ich tun, was ich ge­sagt ha­be«, ver­si­cher­te Ma­cron.

Er hat­te be­reits bei ei­nem Be­such von Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin in Pa­ris im Mai 2017 an­ge­kün­digt, je­der Ein­satz von Che­mie­waf­fen wer­de »Ver­gel­tungs­maß­nah­men und ei­nen so­for­ti­gen Ge­gen­schlag von Sei­ten der Fran­zo­sen zur Fol­ge ha­ben«. Das gel­te un­ab­hän­gig da­von, wer hin­ter ei­nem sol­chen An­griff ste­he.

Meh­re­re Re­gie­run­gen ha­ben Irak auf ei­ner Kon­fe­renz Mil­li­ar­den­hil­fen beim Wie­der­auf­bau des zer­stör­ten Lan­des ver­spro­chen. Irak braucht nach An­ga­ben der Welt­bank 88 Mil­li­ar­den Dol­lar. In­ter­na­tio­na­le Ge­ber­kon­fe­ren­zen sind ein be­währ­tes Mit­tel, um Geld für den Wie­der­auf­bau ei­nes zer­stör­ten Lan­des ein­zu­sam­meln, sei es nach ei­nem Krieg wie in Af­gha­nis­tan oder ei­ner Na­tur­ka­ta­stro­phe im Fal­le Hai­tis. Bei­de Ma­le Fal­le liegt der Ge­dan­ke zu­grun­de, dass die Auf­ga­be für das be­trof­fe­ne Land al­lein in ei­nem ver­nünf­ti­gen Zeit­rah­men nicht zu be­wäl­ti­gen ist.

In Kuwait-Stadt hat nun bis Mitt­woch ei­ne Ge­ber­kon­fe­renz zu Irak statt­ge­fun­den, an der un­ter UNOSchirm­herr­schaft Ver­tre­ter von Re­gie­run­gen und in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen teil­nah­men. UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär An­tó­nio Gu­ter­res selbst for­der­te die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft zu ei­nem »star­ken En­ga­ge­ment« beim Wie­der­auf­bau Iraks auf.

Ver­gli­chen mit Af­gha­nis­tan oder Hai­ti, den Ar­men­häu­sern auf ih­ren Kon­ti­nen­ten, ist die­se For­de­rung schon be­mer­kens­wert. Zwar weist Irak in­fol­ge von fast vier Jahr­zehn­ten Krieg bzw. Kriegs­zu­stand enor­me Zer­stö­run­gen auf. Auf der an­de­ren Sei­te zählt das Land an Eu­phrat und Ti­gris zu den po­ten­zi­ell reichs­ten Staa­ten der Re­gi­on. Es ist ei­nes der füh­ren­den öl­ex­por­tie­ren­den Staa­ten und kann da­mit auch in Zei­ten nied­ri­ger Brenn­stoff­prei­se ho­he Ein­nah­men ge­ne­rie­ren. Zu­dem zählt ira­ki­sches Öl zu den qua­li­ta­tiv bes­ten Sor­ten und ist noch da­zu we­sent­lich kos­ten­güns­ti­ger zu för­dern und zu trans­por­tie­ren, als dies auf den meis­ten Öl­fel­dern et­wa in Russ­land oder den USA ge­schieht. In Irak gibt es al­so, wenn man jetzt zu ei­nem An­ge­bot be­reit ist, in na­her Zu­kunft – im­mer vor­aus­ge­setzt der Krieg ist tat­säch­lich be­en­det – auch sehr viel zu ho­len.

Die Welt­bank ta­xier­te den Be­darf Iraks auf 88 Mil­li­ar­den Dol­lar, das ist mehr als ein Drit­tel sei­nes ak­tu­el­len Brut­to­in­land­pro­dukts. Die bis­her ge­nann­ten Zu­sa­gen sind dar­an ge­mes­sen, mar­gi­nal. Die EU will 400 Mil­lio­nen Dol­lar für hu­ma­ni­tä­re Hil­fe ge­ben, wie die EU-Au­ßen­be­auf­tra­ge Fe- de­ri­ca Mo­g­her­i­ni er­klär­te. Kuwait, in das Irak 1990 un­ter Staats­chef Sad­dam Hus­sein ein­mar­schiert war, sag­te Bag­dad jetzt »Hil­fe« in Hö­he von zwei Mil­li­ar­den Dol­lar zu. »Iraks Sta­bi­li­tät ist ein un­trenn­ba­rer Teil der Si­cher­heit und Sta­bi­li­tät Ku­waits und der Re­gi­on«, zi­tier­te dpa den ku­wai­ti­schen Emir Sa­bah al-Ah­mad alD­sch­ab­ir as-Sa­bah.

Was der Emir of­fen ließ: Sein Land hat an Re­pa­ra­ti­ons­zah­lun­gen für den Über­fall von 1990 min­des­tens 30 Mil­li­ar­den Dol­lar von Irak er­hal­ten, for­der­te aber vor kur­zem noch ins­ge­samt 180 Mil­li­ar­den Dol­lar von Bag­dad, et­wa das Zehn­fa­che des ku­wai­ti­schen Brut­to­in­land­pro­duk­tes je­ner Zeit. Ei­nen öf­fent­li­chen Ver­zicht dar­auf hat der Emir bis­her nicht er­klärt. Of­fen­sicht­lich hat es hier hin­ter den Ku­lis­sen ei­nen ira­kisch-ku­wai­ti­schen De­al ge­ge­ben, si­cher nicht zum Nach­teil Ku­waits.

Dem­ge­gen­über sehr of­fen hat die Tür­kei zu ver­ste­hen ge­ge­ben, wie sie sich ih­re Hil­fe für Bag­dad vor­stellt. An­ka­ra er­war­tet pri­vi­le­gier­te In­ves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten für tür­ki­sches Ka­pi­tal. Au­ßen­mi­nis­ter Mev­lüt Ca­vu­sog­lu sprach von fünf Mil­li­ar­den Dol­lar, die in Form von Kre­di­ten für Pro­jek­te tür­ki­scher Fir­men in Irak zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.

Am we­nigs­ten aber war in Kuwait kon­kret da­von die Re­de, was wohl am drin­gends­ten ge­braucht wird: Un­ter­künf­te für die über drei Mil­lio­nen Bin­nen­ver­trie­be­nen in Irak.

Fo­to: dpa/Ha­di Miz­ban

Un­ter­wegs zu ei­nem Camp na­he Bag­dad: Drei Mil­lio­nen In­lands­ver­trie­be­ne gibt es in Irak.

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