Schau­lau­fen der Strauß-Imi­ta­to­ren

Beim Po­li­ti­schen Ascher­mitt­woch über­bo­ten sich CSU und AfD in rechts­po­pu­lis­ti­schem Ge­tö­se

Neues Deutschland - - Die Seite Drei - Von Fa­bi­an Lam­beck

Tra­di­ti­ons­ge­mäß geht es beim Po­li­ti­schen Ascher­mitt­woch def­tig zur Sa­che. Erst recht, wenn in Bay­ern Land­tags­wah­len an­ste­hen. Bay­ern bleibt das Stamm­land des po­li­ti­schen Ascher­mitt­wochs. Dort, wo CSU-Über­va­ter Franz-Jo­sef Strauß den Ascher­mitt­woch in den 50ern po­li­ti­sier­te, ver­su­chen sich auch heu­te noch Po­li­ti­ker al­ler Cou­leur in der Kunst der Bier­zelt­re­de. Ob Grü­nen­Chef Ro­bert Ha­beck, AfD-Boss Jörg Meu­then oder Links­frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch: Sie al­le pil­ger­ten am Mitt­woch in den Frei­staat. Denn nur hier darf man, vom Weiß­bier be­flü­gelt, auf den po­li­ti­schen Gegner ein­dre­schen, oh­ne dass die­ser es ei­nem übel­nimmt. Schließ­lich steht je­de Äu­ße­rung un­ter post-kar­ne­va­lis­ti­schem »Nicht so ge­meint«-Vor­be­halt. Le­gen­där sind die Strauß’schen Ti­ra­den ge­gen die »schmut­zi­gen links­ra­di­ka­len Ele­men­te« und »pseu­do­aka­de­mi­sche Ele­men­te, die Steu­er­gel­der miss­brau­chen und statt zu stu­die­ren den Um­sturz pro­pa­gie­ren«.

Der de­si­gnier­te CSU-Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der of­fen­bar­te bei sei­ner Re­de in Passau, dass er nicht das Zeug zu ei­nem neu­en FSJ hat. Liegt es dar­an, dass der smar­te Ju­rist dem Al­ko­hol ab­hold ist? Oder fehlt dem evan­ge­li­schen Fran­ken ein­fach der ka­tho­li­sche Fu­ror ei­nes Ober­bay­ern?

Die feh­len­de Lei­den­schaft ver­such­te er durch re­li­giö­sen Ei­fer wett­zu­ma­chen. Be­mer­kens­wert war sein Be­kennt­nis zu Kreuz und Chris­ten­tum. Die christ­li­che Prä­gung Bay­erns soll in der Lan­des­ver­fas­sung ver­an­kert wer­den und in al­len staat­li­chen Ge­bäu­den will Sö­der wie­der Kreu­ze hän­gen se­hen: »Ich möch­te, dass wir uns mehr be­ken­nen zu den Sym­bo­len, die uns aus­ma­chen.« Da­mit ging Sö­der auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, das be­reits 1995 in sei­nem Kru­zi­fix-Ur­teil ent­schie­den hat­te, dass der Staat kei­ne welt­an­schau­li­che Po­si­ti­on be­zie­hen dür­fe. Sö­der sprach sich zu­dem ge­gen ei­ne Aus­wei­tung des Is­lam­un­ter­richts an Schu­len aus und kün­dig­te ei­nen noch schär­fe­ren Kurs in der Asyl­po­li­tik an. Stichwort »kon­se­quen­te­re Ab­schie­bun­gen«.

Da Sö­der im an­ste­hen­den Land­tags­wahl­kampf um die Stim­men je­ner kämp­fen muss, die bei der Bun­des­tags­wahl für die AfD vo­tier­ten, mach­te er noch ein­mal deut­lich: Die Al­ter­na­ti­ve sei »kei­ne Er­satz-Uni­on, sie ist nicht bür­ger­lich.«

Im nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Os­ter­ho­fen keif­te AfD-Chef Jörg Meu­then zu­rück und un­ter­stell­te der CSU »ei­nen größt­mög­li­chen Widerspruch zwi­schen ver­ba­lem Auf­tre­ten und tat­säch­li­chem po­li­ti­schen Wir­ken«. An­sons­ten zeig­te Meu­then, wo der rechts­po­pu­lis­ti­sche Ham­mer hängt und wet­ter­te in ast­rei­ner Na­ziDik­ti­on ge­gen ein »links-rot-grün ver­siff­tes Deutsch­land«. CSU-Chef See­ho­fer nann­te er »Heiß­luft­horst« und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en be­zeich­ne­te er als »Fl­in­te­nu­schi«, die nicht wis­se, »wel­ches En­de ei­nes Kampf­ge­weh­res das ge­fähr­li­che ist«.

Ge­ra­de­zu zahm nahm sich da­ge­gen die rot-grü­ne Kon­kur­renz aus. »Die­ses Land ge­hört kei­ner Par­tei, die­ses Land ge­hört nicht der CSU«, so Grü­nen-Chef-Ha­beck. Der Vor­sit­zen­de der Links­frak­ti­on Diet­mar Bartsch er­klär­te in Passau: »Der Schlüs­sel für die gro­ßen Er­fol­ge ist die Kom­mu­nal­po­li­tik, und die­se Stand­bei­ne brau­chen wir auch für den Ein­zug ins Ma­xi­mi­lia­ne­um.« Ham­burgs Bür­ger­meis­ter Scholz kün­dig­te bei sei­ner Re­de ei­nen »welt­of­fe­nen und so­zia­len SPD-Kurs« an. Kein Wun­der, dass die Nach­rich­ten­agen­tu­ren vor al­lem Zi­ta­te von Sö­der und Meu­then ver­brei­te­ten.

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