Wer greift wen in Sy­ri­en an?

Wach­sen­de Span­nun­gen vor Til­ler­son-Be­such in An­ka­ra

Neues Deutschland - - Politik - Von René Hei­lig

Am heu­ti­gen Don­ners­tag trifft US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son, der an der Irak-Ge­ber­kon­fe­renz teil­ge­nom­men hat, in der Tür­kei ein. Die Span­nun­gen zwi­schen bei­den NA­TO-Part­nern sind der­zeit enorm. Der Grund liegt vor al­lem in Sy­ri­en.

Der tür­ki­sche Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan, der sei­ne Ar­mee am 20. Ja­nu­ar über die Gren­ze schick­te, um die in Sy­ri­en ge­gen den Is­la­mi­schen Staat (IS) sieg­rei­chen, weil von den USA un­ter­stütz­ten kur­di­schen Ein­hei­ten zu schwä­chen, blies sich zwei Tage vor dem Til­ler­son-Be­such auf. Vor der Frak­ti­on der Re­gie­rungs­par­tei warn­te er die US-Trup­pen da­vor, sich dem Ein­marsch tür­ki­scher Trup­pen in die sy­ri­sche Stadt Man­bi­dsch zu wi­der­set­zen. Der Ort liegt im Gou­ver­ne­ment Alep­po na­he der tür­ki­schen Gren­ze.

Falls die Ame­ri­ka­ner nicht hö­ren woll­ten, müss­ten sie mit ei­ner »os­ma­ni­schen Ohr­fei­ge« rech­nen. Na­tür­lich wer­de man nicht ab­sicht­lich auf sie zie­len, doch wol­le

»Wenn ihr uns an­greift, wer­den wir hart re­agie­ren.« US-Ge­ne­ral­leut­nant Paul Funk in Rich­tung Tür­kei

man je­den Ter­ro­ris­ten, »den wir se­hen, ver­nich­ten und aus­mer­zen«. Dann wür­den die US-Sol­da­ten ein­se­hen, dass es für sie bes­ser wä­re, wenn sie sich nicht ne­ben de­nen auf­hiel­ten, »de­nen sie auf die Schul­ter klop­fen«.

Vor ei­ner Wo­che be­reits war Paul Funk, der obers­te US-Ge­ne­ral der Ko­ali­ti­on im Kampf ge­gen den IS, de­mons­tra­tiv an die mög­li­che »Kon­takt­stel­le« ge­fah­ren. Er kün­dig­te den Ver­bleib von US­Trup­pen in Man­bi­dsch an und warn­te: »Wenn ihr uns an­greift, wer­den wir hart re­agie­ren. Wir wer­den uns ver­tei­di­gen.«

Wie es in den kom­men­den Ta­gen wei­ter­geht, ist ei­ne po­li­ti­sche Fra­ge. In de­ren Kern geht es dar­um, ob die USA wei­ter zu »ih­ren« Kur­den ste­hen. Das zu er­war­ten, wä­re na­iv.

Dass US-Mi­li­tärs aber durch­aus hart zu­schla­gen kön­nen, wenn sie oder un­mit­tel­ba­re Ver­bün­de­te an­ge­grif­fen wer­den, ist al­len in Sy­ri­en Kämp­fen­den be­wusst, denn im ver­gan­ge­nen Jahr grif­fen die Ame­ri­ka­ner mehr­fach re­gie­rungs­na­he Mi­li­zen an. Erst in der ver­gan­ge­nen Wo­che bom­bar­dier­ten US-Jets in der Pro­vinz Deir ez-Zor re­gie­rungs­treue Ein­hei­ten. Die hat­ten an­geb­lich ein Haupt­quar­tier der Sy­ri­schen De­mo­kra­ti­schen Kräf­te an­ge­grif­fen, mit de­nen die USA ver­bün­det sind. Die Agen­tur Bloom­berg be­rich­te­te da­nach von 100 bis 200 ge­tö­te­ten Rus­sen. Bei der »New York Ti­mes« gab es »wo­mög­lich Dut­zen­de« to­te »rus­si­sche Kämp­fer«. Mos­kau wie Wa­shing­ton de­men­tier­ten um­ge­hend. Zu kei­nem Zeit­punkt wä­re ein »di­rek­ter Kon­flikt« zwi­schen »den Staa­ten« mög­lich ge­we­sen. Die ge­tö­te­ten zwei – an­de­re Qu­el­len spre­chen von vier – Rus­sen ge­hör­ten zu ei­ner pri­va­ten Mi­li­tär­fir­ma, wa­ren al­so Söld­ner. Of­fen­kun­dig ging es bei den Kämp­fen um ein Öl­feld.

Nun mel­de­te auch Frank­reichs Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron Bom­bar­die­rungs­wün­sche an – »soll­te das sy­ri­sche Re­gime ver­bo­te­ne Che­mie­waf­fen ein­ge­setzt ha­ben«. Der­zeit lä­gen da­für aber kei­ne ge­si­cher­ten Be­wei­se vor. Dass es nach dem jüngs­ten Ab­schuss ei­ner ira­ni­schen Droh­ne und ei­nes is­rae­li­schen Kampf­jets na­he dem Go­lan nicht zu ei­ner Zu­spit­zung der La­ge ge­kom­men ist, sei, so be­rich­ten is­rae­li­sche Qu­el­len, nur en­er­gi­schen Te­le­fo­na­ten zu dan­ken, die Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin mit al­len Be­tei­lig­ten ge­führt hat.

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