Ge­sund­heit wird Chef­sa­che

Vie­le Lao­ten miss­trau­en hie­si­gen Kran­ken­häu­sern und las­sen sich in Thai­land be­han­deln

Neues Deutschland - - Politik - Von Al­f­red Michae­lis, Vi­en­tia­ne

Auf dem Weg die UN-Mil­le­ni­ums­zie­le zu er­rei­chen, macht La­os gro­ße Fort­schrit­te. Im Ge­sund­heits­sek­tor hingt das Land al­ler­dings hin­ter­her, wes­halb Prä­si­dent Bounn­hang nun warnt. »Ich möch­te, dass das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um un­ter­sucht, war­um so vie­le Men­schen in Ge­sund­heits­ein­rich­tun­gen der Nach­bar­län­der fah­ren.« Bounn­hang Vor­a­chit, Prä­si­dent der De­mo­kra­ti­schen Volks­re­pu­blik La­os und Ge­ne­ral­se­kre­tär der Lao­ti­schen Re­vo­lu­tio­nä­ren Volks­par­tei, nimmt auf der Jah­res­ta­gung des lao­ti­schen Ge­sund­heits­we­sens kein Blatt vor den Mund. Denn ei­nen Teil der Er­klä­rung lie­fert er gleich mit. Es sei we­ni­ger die fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on, die Pa­ti­en­ten vor al­lem die Kran­ken­häu­ser im be­nach­bar­ten Thai­land auf­su­chen las­sen. Es sei­en ethi­sche Stan­dards, die in lao­ti­schen Ge­sund­heits­ein­rich­tun­gen ver­nach­läs­sigt wür­den.

Die Kri­tik kommt ei­ner hef­ti­gen Klat­sche gleich, denn das Ge­sund­heits­we­sen des klei­nen Lan­des ist ge­ra­de da­bei, rie­si­ge Fort­schrit­te zu ma­chen. Da­bei spiel­te die Tat­sa­che, dass La­os die Mill­en­ni­um-Ent­wick­lungs­zie­le ge­ra­de auf dem Ge­sund­heits­sek­tor nicht er­reich­te, die Rol­le ei­nes Weck­ru­fes. Noch im­mer lie­gen Säug­lings- und Müt­tersterb­lich­keit deut­lich über den Ziel­stel­lun­gen der Ver­ein­ten Na­tio­nen. Da­mit sich das schnell än­dert, wur­de be­gin­nend in den är­me­ren Lan­des­tei­len kos­ten­lo­sen Schwan­ge­ren­be­treu­ung ein­ge­führt. Steckt das So­zi­al­ver­si­che­rungs­sys­tem ins­ge­samt noch in den Kin­der­schu­hen, so bie­tet es in­zwi­schen fast flä­chen­de­ckend ei­nen preis­wer­ten Zu­gang zu ge­sund­heit­li­cher Be­treu­ung. Nur noch 30 000 Kip (rund 3 Eu­ro) sind vom Pa­ti­en­ten für Un­ter­su­chung und Be­hand­lung zu­zu­zah­len. Bei Be­hand­lun­gen, die mehr als 500 Eu­ro kos­ten, trägt der Pa­ti­ent 25 Pro­zent. Den Rest schießt der staat­li­che Ge­sund­heits­fonds zu.

Auch die In­fra­struk­tur ver­bes­sert sich zu­se­hends. Vor al­lem dank aus­län­di­scher Hil­fe ent­ste­hen neu­en, mo­der­ne Kran­ken­häu­ser. Platzt das im Jahr 2000 mit ja­pa­ni­scher Hil­fe er­rich­te­te Sett­ha­thi­rath Ho­s­pi­tal in­zwi­schen aus al­len Näh­ten, so fal­len die neu­en Kran­ken­haus­bau­ten al­le­samt weit groß­zü­gi­ger aus. Sei es das mit chi­ne­si­scher Un­ter­stüt­zung kom­plett er­neu­er­te Kran­ken­haus 103 oder das gleich­falls von Chi­na für 77,5 Mil­lio­nen Eu­ro neu zu bau­en­de 600-Bet­ten-Kran­ken­haus Maho­sot. Doch neue Ge­bäu­de und mo­der­ne Me­di­zin­tech­nik wer­den die von Prä­si­dent Bounn­hang be­schrie­be­nen Pro­ble­me im Um­gang mit den Pa­ti­en­ten nicht lö­sen. Wes­halb Pa­ti­en­ten, die es sich leis­ten kön­nen, wei­ter­hin die Kran­ken­häu­ser west­lich des Me­kong vor­zie­hen.

Das ist in den Au­gen der lao­ti­schen Füh­rung auch des­halb ein Är­ger­nis, weil auf die­se Wei­se im­men­se Geld­men­gen den Me­kong nach Thai­land que­ren. Auf der an­de­ren Sei­te dürf­te die Be­hand­lung im hei­mi­schen La­os dem Staats­haus­halt kaum drin­gend be­nö­tig­te Zu­satz­ein­nah­men be­sche­ren, son­dern im Zu­sam­men­hang mit den staat­li­chen Stüt­zun­gen eher zu hö­he­ren Aus­ga­ben füh­ren. Dass mit der Ge­sund­heit den­noch ein Ge­schäft zu ma­chen ist, ha­ben pri­va­te In­ves­to­ren auch er­kannt. Spiel­ten Pri­vat­kran­ken­häu­ser bis­lang in La­os ei­ne eher un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le, so will die BCH Group, Be­trei­ber ei­ner Ket­te von Pri­vat­kran­ken­häu­sern in Thai­land, in der lao­ti­schen Haupt­stadt ein gro­ßes Ho­s­pi­tal er­rich­ten und so viel­leicht ei­ni­ge zah­lungs­kräf­ti­ge Pa­ti­en­ten im Land hal­ten. Wenn der Service stimmt.

Dass auf dem Ge­sund­heits­sek­tor lan­des­weit drin­gend wei­te­re Fort­schrit­te er­reicht wer­den müs­sen, ist der lao­ti­schen Füh­rung klar. Das Nach­hal­tig­keits­ziel Num­mer drei der UNO sieht vor, ein ge­sun­des Le­ben für al­le Men­schen je­den Al­ters zu ge­währ­leis­ten und ihr Wohl­er­ge­hen zu för­dern. Der Zeit­ho­ri­zont da­für ist bis 2030 ziem­lich weit ge­steckt. Doch La­os ar­bei­tet hart dar­an, bis 2020 die Grup­pe der am we­nigs­ten ent­wi­ckel­ten Län­der der Er­de zu ver­las­sen. Ein wich­ti­ger In­di­ka­tor da­für ist der Hu­man As­sets In­dex, der un­ter an­de­rem auch die Kin­der­sterb­lich­keit ein­schließt. Aus­ge­rech­net der Punkt, der schon bei den Mill­en­ni­um­zie­len of­fen blieb.

La­os Säug­lings- und Müt­tersterb­lich­keit liegt noch im­mer deut­lich über den Mil­le­ni­um­sZiel­stel­lun­gen der Ver­ein­ten Na­tio­nen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.