Öko im Um­satz­rausch

Bran­che prä­sen­tiert sich auf der Bio­fach-Mes­se in Nürn­berg mit gu­ten Zah­len und ei­nem stei­gen­den An­teil an der land­wirt­schaft­li­chen Flä­che

Neues Deutschland - - Wirtschaft – Soziales – Umwelt - Von Haidy Damm

Die Bi­o­bran­che in Deutsch­land hat im ver­gan­ge­nen Jahr erst­mals mehr als zehn Mil­li­ar­den Eu­ro um­ge­setzt. Be­son­ders in Su­per­märk­ten und Dis­coun­tern wur­den mehr Bio­pro­duk­te ver­kauft. Der Trend zum Kauf von Bio­pro­duk­ten geht in Deutsch­land wei­ter. 2017 ha­be der Um­satz erst­mals die ZehnMil­li­ar­den-Eu­ro-Gren­ze über­sprun­gen, be­rich­te­te der Bund Öko­lo­gi­scher Land­wirt­schaft (BÖLW) am Mitt­woch zum Auf­takt der Na­tur­kost­mes­se Bio­fach. Das sind 5,9 Pro­zent mehr als 2016. »Ich ge­he da­von aus, dass wir auch 2018 wei­ter wach­sen«, sag­te der BÖLW-Vor­sit­zen­de, Fe­lix Prinz von Lö­wen­stein in Nürn­berg.

Das zeigt sich laut Ver­band auch an der kon­stan­ten Zahl der Be­trie­be, die auf öko­lo­gi­schen Land­wirt­schaft um­stel­len. »Bio bie­tet für im­mer mehr Land­wir­te ei­ne wich­ti­ge Per­spek­ti­ve«, sag­te BÖLW-Ge­schäfts­füh­rer Pe­ter Röh­rig. 2017 hät­ten 2042 Be­trie- be um­ge­stellt, die hei­mi­sche Öko­flä­che leg­te um zehn Pro­zent auf rund 1,4 Mil­lio­nen Hekt­ar zu. Das sind 8,2 Pro­zent der ge­sam­ten Land­wirt­schafts­flä­che. 20 Pro­zent sol­len es bis 2030 wer­den, so hat es die ge­plan­te Gro­ße Ko­ali­ti­on in ih­rem Ko­ali­ti­ons­ver­trag fest­ge­legt und da­mit erst­mals ein kon­kre­tes Da­tum ge­nannt.

Be­son­ders Tier­pro­duk­te wer­den im­mer häu­fi­ger aus öko­lo­gi­scher Land­wirt­schaft ge­kauft: Milch­pro­duk­te, Eier, Fleisch. So lie­fer­ten Bi­o­bau­ern 2017 ins­ge­samt 15,5 Pro­zent mehr Bio­milch an die Mol­ke­rei­en, ihr An­teil an der ge­sam­ten Milch­lie­fe­rung liegt al­ler­dings ins­ge­samt wei­ter nied­rig bei drei Pro­zent. Die Bran­che geht aber da­von aus, dass die Milch­men­ge wei­ter steigt. Die Er­zeu­ger­prei­se la­gen 2017 wie­der hö­her, durch­schnitt­lich bei 48,7 Cent pro Ki­lo­gramm, das war rund ein Cent pro Ki­lo­gramm mehr als 2016. Da der Milch­preis ins­ge­samt kurz­zei­tig wie­der ge­stie­gen ist, lag der Preis­ab­stand zu kon­ven­tio­nell er­zeug­ter Milch zeit­wei­se nur noch bei 20 Cent pro Ki­lo- gramm. Ak­tu­ell fal­len die Prei­se wie­der, so dass sich der Ab­stand wie­der er­hö­hen könn­te.

Auch in der Tier­pro­duk­ti­on un­ter­la­gen die Er­zeu­ger nicht den hef­ti­gen Schwan­kun­gen des kon­ven­tio­nel­len Mark­tes, da sie über­wie­gend mit­tel­fris­ti­ge Ver­trä­ge ha­ben und re­gio­nal ver­kau­fen. Be­son­ders be­liebt bei den Kun­den sind Rind- und Schaf­fleisch.

Pe­ter Röh­rig, BÖLW-Ge­schäfts­füh­rer

Deut­lich zu­ge­nom­men ha­ben auch wie schon in den Vor­jah­ren die Le­ge­hen­nen- und Mast­hähn­chen­be­stän­de. Beim Ge­flü­gel­fleisch liegt der An­teil nach wie vor bei nur ei­nem Pro­zent, der Bio­an­teil bei der Eier­pro­duk­ti­on je­doch liegt in­zwi­schen bei 10,5 Pro­zent.

»Bio ist längst kein Ni­schen­pro­dukt mehr«, er­klär­te auch Agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt ge­gen­über der Deut­schen Pres­se-Agen­tur an­läss­lich der Mes­se in Nürn­berg. Der CSUPo­li­ti­ker setzt auf wei­te­res Wachs­tum – denn auch im­mer mehr Su­per­märk­te und Dis­coun­ter er­hö­hen ih­re An­tei­le an Bio­pro­duk­ten in den Re­ga­len.

So stie­gen die Um­sät­ze im Le­bens­mit­tel­ein­zel­han­del mit 8,8 Pro­zent über­durch­schnitt­lich stark auf ei­nen Um­satz von 5,93 Mil­li­ar­den Eu­ro an. Der Ein­zel­han­del liegt da­mit bei ei­nem An­teil am Bio­markt von 59 Pro­zent. Im Ver­gleich da­zu konn­ten die Bio­lä­den ih­re Um­sät­ze nur um um 2,2 Pro­zent auf 2,91 Mil­li­ar­den Eu­ro stei­gern und lie­gen da­mit bei ei­nem Markt­an­teil von 29 Pro­zent.

Für die Be­trie­be ist die­se Ent­wick­lung nicht nur po­si­tiv. Der auf vie­len Bio­land­wir­ten las­ten­de Druck, im­mer grö­ßer zu wer­den und im­mer wirt­schaft­li­cher zu pro­du­zie­ren, hängt nach Ein­schät­zung von Bran­chen­ex­per­ten auch mit der wach­sen­den Bio­nach­fra­ge von Su­per­märk­ten zu­sam­men. Auch wenn Bio­h­ö­fe nach wie vor viel für die Um­welt leis­ten, das ro­man­ti­sche Bild vom klei­nen Hof stimmt nur noch teil­wei­se. Da, wo der An­teil am Markt wächst wie in der Eier­pro­duk­ti­on, wach­sen auch die Be­trie­be. So ist bei Le­ge­hen­nen nach der kürz­lich ver­ab­schie­de­ten EU-Öko­ver­ord­nung ein Be­stand von 3000 Hüh­nern pro Stall er­laubt, al­ler­dings darf ein ein­zel­ner Be­trieb meh­re­re Stäl­le in die­ser Grö­ße hal­ten. Be­trie­be mit mehr als 30 000 Le­ge­hen­nen ha­ben der Bran­che ei­ni­ge Kri­tik ein­ge­bracht.

Ge­ra­de an­ge­sichts der ho­hen Er­war­tungs­hal­tung der Kun­den und der ei­ge­nen An­sprü­che an ei­ne Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on, die – so heißt es im Bran­chen­be­richt – »an den Be­las­tungs­gren­zen un­se­res Pla­ne­ten aus­rich­tet sein soll«, kann das Image schnell brü­chig wer­den. Auch des­we­gen muss sich die Bran­che im­mer wie­der selbst hin­ter­fra­gen.

»Bio bie­tet für im­mer mehr Land­wir­te ei­ne wich­ti­ge Per­spek­ti­ve, um ih­rem Hof ei­ne Zu­kunft zu ge­ben.«

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