Per Haus­be­set­zung in den Him­mel

Bay­ern: From­me Ju­ris­tin zieht in das ge­räum­te Klos­ter von Al­to­müns­ter ein, weil sie Non­ne wer­den will – ein Fall für Münch­ner Ge­rich­te

Neues Deutschland - - Aus Den Ländern - Von Sa­bi­ne Do­bel, Al­to­müns­ter

Haus­be­set­zer, so die land­läu­fi­ge Mei­nung, be­geh­ren mit ih­ren Ak­tio­nen ge­gen Miet­wu­cher und Woh­nungs­man­gel auf. Doch es kann of­fen­bar auch Glau­bens­grün­de ge­ben, wie ein Fall aus Bay­ern zeigt. Ein­sam muss es sein in dem ehr­wür­di­gen Ge­mäu­er. Denn nie­mand lebt mehr in dem al­ten Klos­ter – au­ßer ei­ner ein­zi­gen Frau. Sie hält seit Mo­na­ten das Klos­ter Al­to­müns­ter im baye­ri­schen Kreis Dach­au be­setzt. Nicht aus Pro­test ge­gen die de­so­la­te Woh­nungs­si­tua­ti­on rund um Mün­chen, son­dern weil sie, so heißt es, Non­ne wer­den will. Die Frau ist Ju­ris­tin, sie wi­der­sprach der Auf­lö­sung des Klos­ters und wei­gert sich aus­zie­hen.

Nun wächst der ge­richt­li­che Druck. Am Don­ners­tag ver­han­delt das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen über ei­ne Kla­ge der Frau ge­gen ei­ne Nut­zungs- un­ter­sa­gung des Land­rats­am­tes Dach­au. Aus Brand­schutz­grün­den sei es nicht zu ver­ant­wor­ten, dass sie wei­ter in dem Ge­bäu­de woh­ne, hat­te die Be­hör­de nach ei­ner Be­ge­hung fest­ge­stellt. Es ge­be Holz­bö­den und nur ei­nen Aus­gang. Die Fens­ter sei­en zum gro­ßen Teil ver­git­tert – oder so klein, dass ein Mensch nicht durch­kom­me.

Wird die Kla­ge der Frau ab­ge­wie­sen, müss­te sie, so­fern die Ent­schei­dung rechts­kräf­tig wird, schon we­gen die­ser »bau­recht­li­chen Nut­zungs­un­ter­sa­gung« aus­zie­hen. Zu­gleich aber läuft ein Räu­mungs­ver­fah­ren der Erz­diö­ze­se Mün­chen und Frei­sing. Dar­über wird am 26. Fe­bru­ar vor dem Land­ge­richt Mün­chen II wei­ter ge­strit­ten. Das Ge­bäu­de muss sa­niert wer­den, es sind wohl In­ves­ti­tio­nen in Mil­lio­nen­hö­he nö­tig. Bil­der zei­gen teils grün be­moos­te Wän­de. Doch so­lan­ge die Be­set­zung an­hält, kann laut Erz­diö­ze­se nichts ge­sche­hen. Seit Hun­der­ten Jah­ren leb­ten hier Or- dens­leu­te, teils wur­den die Ge­bäu­de von Mön­chen und Non­nen ge­nutzt. Zu­letzt war das Klos­ter des al­ten Bir­git­ten-Or­dens ein rei­nes Non­nen­klos­ter – mit am En­de nur noch ei­ner ein­zi­gen Non­ne, der Or­dens­frau Apol­lo­nia Bu­ch­in­ger.

Die Min­dest­be­set­zung be­stün­de nach den kir­chen­recht­li­chen Vor­schrif­ten aber aus drei Or­dens­frau­en. Der Va­ti­kan ent­schied da­her, das Klos­ter auf­zu­lö­sen. Apol­lo­nia füg­te sich schließ­lich. Doch wäh­rend sie vor et­wa ei­nem Jahr in ei­ne Woh­nung in der Ober­pfalz um­zog, nis­te­te sich in ei­ner Zel­le die from­me Ju­ris­tin ein. Im Na­men Apol­lo­ni­as hat sie beim Va­ti­kan Widerspruch ge­gen die Auf­lö­sung des Klos­ters ein­ge­legt.

Die Erz­diö­ze­se Mün­chen und Frei­sing, in de­ren Be­sitz das Klos­ter und sei­ne An­la­gen über­ge­gan­gen sind, ver­lang­te die Räu­mung und droh­te mit Ord­nungs­gel­dern. Da­ge­gen wie­der­um zog die Frau vor das Landge- richt Mün­chen II. Die Pro­zess­be­tei­lig­ten in dem Zi­vil­ver­fah­ren ei­nig­ten sich zu­nächst auf ei­nen Kom­pro­miss. Dem­nach soll­te die Frau so lan­ge im Klos­ter blei­ben, bis der Va­ti­kan über ih­ren Widerspruch ent­schie­den hat. Wäh­rend nach Auf­fas­sung des Erz­bis­tums der Va­ti­kan schon ab­schlä­gig ent­schie­den hat, wehrt sich die Frau wei­ter und sieht die Ent­schei­dung des Va­ti­kan nicht als end­gül­tig an.

»So­lan­ge die Frau dort lebt, kön­nen wir kei­ne Nut­zungs­kon­zep­te ent­wi­ckeln und kei­ne bau­li­chen Un­ter­su­chun­gen vor­neh­men. Das Klos­ter ver­fällt wei­ter – und liegt brach, ob­wohl es ein be­deu­ten­der geist­li­cher Ort ist, den wir wei­ter­ent­wi­ckeln möch­ten«, sagt ei­ne Spre­che­rin der Erz­diö­ze­se. Die Ge­mein­de hät­te das Klos­ter mit sei­nen Non­nen ger­ne be­hal­ten. Die Ro­ko­ko­kir­che Sankt Al­to ist schließ­lich Na­mens­ge­ber und Wahr­zei­chen des Or­tes mit sei­nen knapp 8000 Ein­woh­nern.

Fo­to: dpa/Li­no Mir­gel­er

Statt­li­che An­la­ge: das al­te Klos­ter Al­to­müns­ter

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