Hand­tuch­wurf un­ter Vor­be­halt

Grü­ne in Hal­le kün­di­gen Bünd­nis mit LINKE und SPD für die OB-Wahl 2019 auf – vo­r­erst

Neues Deutschland - - Aus Den Ländern - Von Hen­drik Lasch, Hal­le

Nach kaum ei­nem hal­ben Jahr ist das rot-rot-grü­ne Bünd­nis in Hal­le für die OB-Wahl 2019 pas­sé. Aus Ent­täu­schung über die ge­schei­ter­te Wahl ei­nes grü­nen Bei­ge­ord­ne­ten im Stadt­rat stieg die Öko­par­tei aus. Sechs Ab­weich­ler im Stadt­rat ha­ben die ge­mein­sa­me Kam­pa­gne von LINKE, SPD und Grü­nen für die Wahl des Ober­bür­ger­meis­ters 2019 in Hal­le vo­r­erst tor­pe­diert. Ih­re feh­len­den Stim­men sorg­ten vo­ri­ge Wo­che da­für, dass der grü­ne Lan­des­po­li­ti­ker Wolf­gang Al­d­ag bei der Wahl des neu­en Bei­ge­ord­ne­ten für Stadt­ent­wick­lung über­ra­schend un­ter­lag. Die Ent­täu­schung bei den Grü­nen sitzt tief. Nach ei­ner Mit­glie­der­ver­samm­lung er­klär­te der Stadt­ver­band, man se­he »der­zeit kei­ne Grund­la­ge für ei­ne ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit mit SPD und LIN­KEN«. Me­la­nie Ranft, die Vor­sit­zen­de des Stadt­ver­ban­des, sag­te dem »nd«: »Wir wur­den hin­ter­gan­gen. Das muss Kon­se­quen­zen ha­ben.«

Die drei Par­tei­en hat­ten sich im Ja­nu­ar dar­auf ge­ei­nigt, ei­nen ge­mein­sa­men Be­wer­ber für die OB-Wahl zu un­ter­stüt­zen, die für Herbst 2019 an­steht – we­ni­ge Mo­na­te nach der Kom­mu­nal­wahl in Sach­sen-An­halt, bei der auch der Stadt­rat Hal­le neu ge­wählt wird. Als Kan­di­dat wur­de Hen­drik Lan­ge er­ko­ren, der für die LINKE im Land­tag sitzt, Vor­sit­zen­der des Stadt- rats ist und als sehr ko­ope­ra­tiv gilt. Ihm wer­den gu­te Chan­cen ein­ge­räumt, ge­gen den par­tei­lo­sen Amts­in­ha­ber Bernd Wie­gand in die Stich­wahl zu ge­lan­gen – zu­mal lan­ge of­fen war, wen die CDU ins Ren­nen schickt. De­ren Be­wer­ber schaff­te es zu­letzt ins Du­ell mit Wie­gand. Mitt­ler­wei­le gilt als si­cher, dass die CDU Andre­as Sil­ber­sack un­ter­stützt, Chef des Lan­des­sport­bun­des und FDP-Mit­glied.

An der Ba­sis war der rot-rot-grü­ne Schul­ter­schluss zu­nächst auf viel Zu­stim­mung ge­sto­ßen. Ers­te ech­te Na­gel­pro­be für das Bünd­nis, das auf ei­nen of­fi­zi­el­len »Trau­schein« in Form ei­ner schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung ver­zich­tet, war in­des die Bei­ge­ord­ne­ten­wahl – auch wenn ei­ne for­ma­le Ko­ope­ra­ti­on im Stadt­rat nicht ver­ein­bart ist. Sie schien rei­ne Form­sa­che: Schließ­lich ver­fü­gen die drei Par­tei­en im Stadt­rat zu­sam­men über 31 Sit­ze. In ei­nem zwei­ten Wahl­gang stimm­ten aber nur 25 Stadt­rä­te für Al­d­ag, 26 für sei­nen Geg­ner – wo­mit er ge­schei­tert war.

Über Grün­de für die Stimm­ver­wei­ge­rung wird bei den Grü­nen man­gels greif­ba­rer Aus­sa­gen wei­ter spe­ku­liert; auch wo man die Qu­er­trei­ber su­chen sol­le, sei un­klar, sagt Ranft. Der Ef­fekt sei aber: »Das Ver­trau­en ist zer­stört.« Es ha­be sich ge­zeigt, dass ge­gen­sei­ti­ge Un­ter­stüt­zung im Stadt­rat im Mo­ment »nicht aus­rei­chend vor­han­den« ist, heißt es in ei­ner Mit­tei­lung der Stadt­par­tei. Die Kon­kur­renz froh­lockt. »Das Schlimms­te in Be­zie­hun­gen ist ent­täusch­te Lie­be«, schrieb Mar­co Tull­ner, CDU-Stadt­chef und Bil­dungs­mi­nis­ter in Sach­sen-An­halt, im so­zia­len Netz­werk Twit­ter – oder, wie er an­füg­te, »zu- min­dest die Ins­ze­nie­rung da­von«. Ob in­des, wie er nach der Plei­te bei der Bei­ge­ord­ne­ten­wahl sag­te, nun wirk­lich der »Links­block in Trüm­mern« liegt, ist of­fen. Im­mer­hin las­sen die Grü­nen ei­ne Hin­ter­tür.

Man se­he ei­ne rot-rot-grü­ne Zu­sam­men­ar­beit im Stadt­rat wei­ter­hin als »bes­te po­li­ti­sche Al­ter­na­ti­ve« für die Stadt, heißt es in der Er­klä­rung. Auch der Be­schluss zur Un­ter­stüt­zung Langes als OB-Kan­di­dat sei nicht auf­ge­ho­ben wor­den, be­tont Ranft: »Wir ha­ben kein In­ter­es­se, nun al­les hin­zu­schmei­ßen.« Ob und wie ak­tiv die Grü­nen ihn im Wahl­kampf un­ter­stüt­zen, hän­ge da­von ab, ob »glaub­wür­di­ge in­halt­li­che Si­gna­le« von den an­de­ren Par­tei­en aus­ge­sandt wür­den. Wel­che das sind und in wel­cher Form sie über­mit­telt wer­den müss­ten, ha­be man auf der Ver­samm­lung nicht ent­schei­den wol­len, sag­te Ranft: »Die an­de­ren sind am Zug.« Ei­ne in­di­rek­te Frist aber setzt sie: Klar­heit müs­se spä­tes­tens bis zum Be­ginn der Ver­hand­lun­gen über den städ­ti­schen Haus­halt herr­schen. Dann geht es dar­um, ob Rot-Rot-Grün in der Sa­che noch zu­ein­an­der fin­det.

Lan­ge nann­te das Fest­hal­ten an der ge­mein­sa­men Kan­di­da­tur »ein wich­ti­ges Si­gnal«. Man müs­se nun »ver­lo­ren ge­gan­ge­nes Ver­trau­en wie­der auf­bau­en«. Der OB-Kan­di­dat hat die Par­tei- und Frak­ti­ons­chefs da­zu zu ei­nem Ge­spräch in na­her Zu­kunft ein­ge­la­den, teil­te er am Don­ners­tag mit.

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