Streit um drit­tes Ge­schlecht

Laut Ge­setz­ent­wurf ist die Ein­tra­gung im Ge­bur­ten­re­gis­ter als »di­vers« nur nach ärzt­li­cher Be­gut­ach­tung mög­lich

Neues Deutschland - - Politik -

Im Ge­bur­ten­re­gis­ter soll künf­tig der Ein­trag ei­nes drit­ten Ge­schlechts mög­lich sein. Der Ge­setz­ent­wurf, der ne­ben männ­lich und weib­lich auch den Ein­trag di­vers vor­sieht, stößt im Bun­des­tag auf Kri­tik.

Bei der ers­ten Le­sung am Don­ners­tag­abend gab es grund­sätz­lich viel Zu­stim­mung für das Vor­ha­ben der Ein­füh­rung drit­ten Ge­schlecht­s­ein­trags. Doch dass da­für die Vor­la­ge ei­nes ärzt­li­ches At­tests vor­ge­schrie­ben wer­den soll, be­klag­ten vie­le Ab­ge­ord­ne­ten als über­flüs­si­ge Schi­ka­ne für in­ter- und trans­se­xu­el­le Men­schen. Der Ent­wurf sieht vor, dass durch Vor­la­ge ei­ner ärzt­li­chen Be­schei­ni­gung nach­zu­wei­sen ist, dass ei­ne Va­ri­an­te der Ge­schlechts­ent­wick­lung vor­liegt.

Die For­de­rung, al­ter­na­tiv ei­ne Selbst­aus­kunft der Be­trof­fe­nen an­zu­er­ken­nen, kam nicht nur aus den Rei­hen von FDP, Lin­ken und Grü­nen. Auch die SPD warb für ei­ne Al­ter­na­ti­ve zur ärzt­li­chen At­test­pflicht. Ob der Ge­setz­ent­wurf in den Bun­des­tags­aus­schüs­sen noch ent­spre­chend ge­än­dert wird, ist al­ler­dings of­fen. Der CDU-Ab­ge­ord­ne­te Marc Hen- rich­mann er­klär­te, es ge­be gu­te Grün­de für ei­ne ärzt­li­che Be­schei­ni­gungs­pflicht. Das Ge­bur­ten­re­gis­ter brau­che ei­nen »auf ob­jek­ti­ven Kri­te­ri­en be­ru­hen­den Ge­schlech­ter­ein­trag mit Be­weis­kraft«.

Mit der Re­form wird ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus dem ver­gan­ge­nen Jahr um­ge­setzt. Die bis­he­ri­ge Pflicht, ei­nen Men­schen dem männ­li­chen oder weib­li­chen Ge­schlecht zu­zu­ord­nen, wur­de da­rin als Ver­stoß ge­gen das Per­sön­lich­keits­recht und das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot ge­wer­tet. Bis En­de des Jah­res muss die Ge­set­zes­än­de­rung in Kraft tre­ten.

Die ge­plan­te Um­set­zung des Ur­teils geht vie­len Be­trof­fe­nen­ver­bän­den aber nicht weit ge­nug. Zwar sei der Ent­wurf ein Mei­len­stein, so die Bun­des­ver­ei­ni­gung Trans* in ei­ner Stel­lung­nah­me, for­dert ge­mein­sam mit dem pa­ri­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­band, dem Kin­der­schutz­bund und wei­te­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen je­doch die Strei­chung der me­di­zi­ni­schen Nach­weis­pflicht und die Er­wei­te­rung des Per­so­nen­krei­ses auf trans­se­xu­el­le Men­schen.

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