My Car is my Cast­le

Neues Deutschland - - Feuilleton - Jam

Gibt man bei Goog­le die Such­be­grif­fe »Au­to« und »Schutz­raum« ein, er­hält man als Spit­zen­tref­fer Sei­ten, die sich mit Bun­kern be­schäf­ti­gen, die vor ei­nem Atom­krieg schüt­zen sol­len. Das ist zwar ein merk­wür­di­ger Um­stand, aber auch nicht un­ge­wöhn­lich. Denn den Deut­schen war das Au­to schon im­mer mehr als nur ein Fort­be­we­gungs­mit­tel. Vie­le Deut­sche ver­brin­gen im Au­to ei­nen Groß­teil ih­rer Le­bens­zeit. Das Au­to ist ein Teil ih­rer selbst; es ist so­zu­sa­gen ih­re zwei­te Na­tur ge­wor­den. Au-to ist ei­nes der ers­ten Wör­ter, das ein Kind in Deutsch­land spre­chen kann – nach Ma-ma und oft noch vor Pa-pa. Laut ei­ner Um­fra­ge ei­nes gro­ßen skan­di­na­vi­schen Mö­bel­hau­ses ist das Au­to­mo­bil der Ort, den die Deut­schen ne­ben den ei­ge­nen vier Wän­den am häu­figs­ten auf­su­chen, wenn sie al­lei­ne sein wol­len. Kein Wun­der al­so, dass vie­le Deut­sche so hef­tig auf Fahr­ver­bo­te für Die­selFahr­zeu­ge in den In­nen­städ­ten re­agie­ren. Der­ar­ti­ge Ver­bo­te sind ih­nen ein schwer­wie­gen­der Ein­griff in die Pri­vat­sphä­re!

Fo­to: Uns­plash/Pat­ti Black

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