Do­nald Trump gibt Ses­si­ons Lauf­pass

Un­ge­lieb­ter US-Jus­tiz­mi­nis­ter wird in die Wüs­te ge­schickt

Neues Deutschland - - Erste Seite - Von Mar­tin Ling mit Agen­tu­ren

Wa­shing­ton. US-Jus­tiz­mi­nis­ter Jeff Ses­si­ons hat sei­nen Rück­tritt ein­ge­reicht. Die De-fac­to-Ent­las­sung von Ses­si­ons hat Sor­gen vor ei­ner Be­hin­de­rung der Er­mitt­lun­gen zu Russ­land-Kon­tak­ten des Trump-Teams ge­schürt. Die op­po­si­tio­nel­len De­mo­kra­ten, aber auch der pro­mi­nen­te Re­pu­bli­ka­ner Mitt Rom­ney warn­ten US-Prä­si­dent Do­nald Trump vor ei­ner Ein­mi­schung in die Ar­beit von Son­der­er­mitt­ler Ro­bert Mu­el­ler. »Nie­mand steht über dem Ge­setz«, sag­te der de­mo­kra­ti­sche Se­na­tor Mark War­ner am Mitt­woch. Je­der Ver­such ei­ner Ein­mi­schung wä­re ein »gro­ber Macht­miss­brauch des Prä­si­den­ten«.

Ses­si­ons hat­te sich kurz nach sei­nem Amts­an­tritt we­gen sei­ner Rol­le in Trumps Wahl­kampf­team in die­sen Er­mitt­lun­gen für be­fan­gen er­klärt und sich dar­aus zu­rück­ge­zo­gen. Die Ober­auf­sicht über die Russ­lan­dEr­mitt­lun­gen führt seit­dem Vi­ze­jus­tiz­mi­nis­ter Rod Ro­sen­stein. Die­ser setz­te im Mai 2017 den frü­he­ren FBI-Di­rek­tor Mu­el­ler als Son­der­er­mitt­ler zu der so ge­nann­ten Russ­lan­dAf­fä­re ein.

Die nächs­te Per­so­nal­ro­cha­de in Do­nald Trumps Ka­bi­nett ist per­fekt: Jus­tiz­mi­nis­ter Jeff Ses­si­ons muss für Mat­t­hew Whi­ta­ker wei­chen, der an den »Russ­land-Er­mitt­lun­gen« bis­her we­nig In­ter­es­se zeig­te. Der Un­mut über die Per­so­nal­ent­schei­dung ist la­ger­über­grei­fend. Ein­fluss­rei­che Re­pu­bli­ka­ner tei­len die bei den De­mo­kra­ten ein­hel­lig ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, dass der US-Jus­tiz­mi­nis­ter Jeff Ses­si­ons ge­hen muss­te, weil er den so­ge­nann­ten Russ­land-Er­mitt­lun­gen frei­en Lauf ließ. Ses­si­ons hat­te sich kurz nach sei­nem Amts­an­tritt we­gen sei­ner Rol­le in Trumps Wahl­kampf­team in die­sen Er­mitt­lun­gen für be­fan­gen er­klärt und sich dar­aus zu­rück­ge­zo­gen. Die Ober­auf­sicht über die Russ­land-Er­mitt­lun­gen führt seit­dem Vi­ze­jus­tiz­mi­nis­ter Rod Ro­sen­stein. Die­ser setz­te im Mai 2017 den frü­he­ren FBI-Di­rek­tor Mu­el­ler als Son­der­er­mitt­ler zu der Russ­land-Af­fä­re ein.

Die re­pu­bli­ka­ni­sche Se­na­to­rin des Bun­des­staats Mai­ne, Su­san Col­lins, fühl­te sich un­mit­tel­bar nach dem Per­so­nal­wech­sel Ses­si­ons zu sei­nem bis­he­ri­gen St­abs­chef Mat­t­hew Whi­ta­ker be­mü­ßigt, zu war­nen: »Es ist zwin­gend, dass die Re­gie­rung nicht in die Un­ter­su­chun­gen von Mu­el­ler ein­greift … Son­der­er­mitt­ler Mu­el­ler muss es er­laubt wer­den, sei­ne Ar­beit oh­ne je­de Ein­mi­schung zu voll­enden.« Und das re­pu­bli­ka­ni­sche Schwer­ge­wicht Mitt Rom­ney, der als Se­na­tor für Utah am Di­ens­tag wie­der­ge­wählt wur­de, pflich­te­te ihr per Twit­ter bei: »Es ist zwin­gend, dass die wich­ti­ge Ar­beit des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums fort­ge­setzt wird und dass die Mu­el­ler Un­ter­su­chung oh­ne Ein­mi­schung zu ih­rem En­de ge­langt.«

Die Per­so­na­lie Whi­ta­ker ist pi­kant. Zwar soll Whi­ta­ker erst mal das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um nur vor­über­ge­hend lei­ten, doch schon das ist frag­wür­dig. Whi­ta­ker hat­te Mu­el­ler im ver­gan­ge­nen Jahr öf­fent­lich vor­ge­wor­fen, sei­ne Er­mitt­lun­gen zu sehr aus­zu­wei­ten – und Ro­sen­stein auf­ge­for­dert, Mu­el­ler Gren­zen zu set- zen. Er könn­te Ro­sen­stein nun die Auf­sicht über den Son­der­er­mitt­ler ent­zie­hen und sie selbst über­neh­men.

Dass die op­po­si­tio­nel­len De­mo­kra­ten über das Ma­nö­ver not amu­sed sind, ver­steht sich von selbst: Ihr An­füh­rer im Se­nat, Chuck Schu­mer, rief Whi­ta­ker am Mitt­woch auf, sich an­ge­sichts sei­ner frü­he­ren Äu­ße­run­gen nicht in Mu­el­lers Er­mitt­lun­gen ein­zu­mi­schen. Se­kun­diert wur­de ihm vom de­mo­kra­ti­schen Se­na­tor Mark War­ner: »Nie­mand steht über dem Ge­setz«. Je­der Ver­such ei­ner Ein­mi­schung wä­re ein »gro­ber Macht­miss­brauch des Prä­si­den­ten«.

Trump hat die Er­mitt­lun­gen wie­der­holt als »He­xen­jagd« be­zeich­net. Im Au­gust for­der­te er Ses­si­ons ver­geb­lich auf, die Er­mitt­lun­gen »un­ver­züg­lich zu be­en­den«. Do­nald Trump gab Ses­si­ons ei­ne er­heb­li­che Mit­schuld dar­an, dass er ei­nen Son- der­er­mitt­ler zur Af­fä­re um mög­li­cher­wei­se il­le­ga­le Russ­land-Kon­tak­te am Hals hat. Und er zog auch im­mer wie­der öf­fent­lich über sei­nen Mi­nis­ter her.

Ses­si­ons wur­de bei sei­nem Aus­zug aus dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um mit Ap­plaus von Mit­ar­bei­tern be­glei­tet. We­ni­ge St­un­den da­vor war ihm te­le­fo­nisch mit­ge­teilt wor­den, dass sei­ne Di­ens­te künf­tig nicht mehr ge­wünscht sei­en. »Auf Ih­ren Wunsch rei­che ich mei­nen Rück­tritt ein«, schrieb Ses­si­ons in ei­nem Brief an Trump, den das US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ver­öf­fent­lich­te. Al­ler­dings oh­ne Da­tum, vi­el­leicht lag der Brief schon seit ge­rau­mer Zeit in der Schub­la­de.

Trump selbst be­schwich­tig­te: Er ver­si­cher­te am Mitt­woch, die Russ­land-Er­mitt­lun­gen wür­den nicht ge­stoppt. »Ich könn­te al­le so­fort feu­ern«, sag­te er bei sei­ner Pres­se­kon­fe­renz zum Aus­gang der Kon­gress- wahl über das Team von Son­der­er­mitt­ler Mu­el­ler. Er wol­le die Er­mitt­lun­gen aber nicht be­en­den, weil er dies aus »po­li­ti­schen« Grün­den nicht gut fin­de. Er ma­che sich we­gen der Un­ter­su­chung kei­ner­lei Sor­gen, »weil sie ein Schwin­del ist«, sag­te Trump. »Es gibt kei­ne Ab­spra­chen.«

Un­be­liebt bei Trump mach­te sich bei die­ser Pres­se­kon­fe­renz der CNNJour­na­list Jim Acos­ta, der ihn zu sei­nen Ver­bal­at­ta­cken auf die zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Flücht­lin­ge be­frag­te, die sich der­zeit zu Tau­sen­den auf dem Weg in Rich­tung USA be­fin­den. Acos­ta er­klär­te da­bei Trumps Be­griff »In­va­si­on« für frag­wür­dig und ern­te­te ei­nen Zor­nes­aus­bruch. Im An­schluss ent­zog das Wei­ße Haus Acos­ta die Ak­kre­di­tie­rung, den Trump als »Volks­feind« dif­fa­mier­te. Der Sen­der sprach von ei­ner »Be­dro­hung un­se­rer De­mo­kra­tie«, Jour­na­lis­ten­ver­bän­de leg­ten Pro­test ein.

Fo­to: dpa/Pa­blo Mar­tí­nez Mon­siváis

Tem­pi pas­sa­ti: Jeff Ses­si­ons, US-Jus­tiz­mi­nis­ter, wäh­rend des täg­li­chen Brie­fings im Wei­ßen Haus

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