Wie­der Zoff um Mi­gra­ti­on

LIN­KE-Ab­ge­ord­ne­ter droht Frak­ti­on zu ver­las­sen

Neues Deutschland - - Politik - Jfr

In der LIN­KEN ru­mort es wei­ter. Ein­mal mehr ent­zün­den sich Aus­ein­an­der­set­zun­gen an der Fra­ge, wie sich die Par­tei zur Mi­gra­ti­ons­po­li­tik po­si­tio­niert. In ei­nem Schrei­ben an Ge­nos­sen hat der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Tho­mas Nord an­ge­kün­digt, er wer­de im Ja­nu­ar mög­li­cher­wei­se die LIN­KE-Frak­ti­on ver­las­sen. Dies ha­be er auf ei­ner Frak­ti­ons­sit­zung am Di­ens­tag­nach­mit­tag be­kannt­ge­ge­ben.

An­lass für Nords Er­klä­rung war ein Be­richt der Ab­ge­ord­ne­ten Sa­bi­ne Lei­dig zur De­mons­tra­ti­on ge­gen Ras­sis­mus und So­zi­al­ab­bau un­ter dem Mot­to »#un­teil­bar« Mit­te Ok­to­ber. Frak­ti­ons­che­fin Sah­ra Wa­genk­necht hat­te we­ni­ge Ta­ge vor der De­mo kri­ti­siert, der Auf­ruf da­zu lau­fe letzt­lich auf die »ir­rea­le« For­de­rung nach »of­fe­nen Gren­zen für al­le« hin­aus. Tat­säch­lich hat­ten sich die Initia­to­ren ge­gen die für Tau­sen­de Ge­flüch­te­te töd­li­che EU-Ab­schot­tungs­po­li­tik im Mit­tel­meer­raum ge­wandt. Die For­de­rung des LIN­KE-Pro­gramms nach »of­fe­nen Gren­zen für al­le Men­schen in Not« war von Wa­genk­necht eben­falls wie­der­holt deut­lich kri­ti­siert wor­den.

Nord mo­nier­te ei­nen »Kurs der Qu­er­schüs­se« Wa­genk­nechts ge­gen die Li­nie der Par­tei. Die Äu­ße­rung der Frak­ti­ons­che­fin zu »#un­teil­bar« hat­te be­reits zu­vor Un­mut aus­ge­löst, da LIN­KE-Frak­ti­on und Bun­des­vor­stand die De­mo of­fi­zi­ell un­ter­stützt hat­ten. Nord schreibt, er kön­ne sich »mit der Mehr­heit der Frak­ti­on und ih­rer Vor­sit­zen­den nicht mehr iden­ti­fi­zie­ren«.

In On­li­ne­me­di­en er­fuhr Nord viel Zu­stim­mung, et­li­che LINKEMit­glie­der spra­chen sich für die Neu­wahl der Frak­ti­ons­spit­ze aus, dar­un­ter Andre­as Höpp­ner, LIN­KE-Lan­des­vor­sit­zen­der in Sach­sen-An­halt. Die säch­si­sche Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Ju­lia­ne Na­gel schrieb am Don­ners­tag auf Twit­ter, Wa­genk­necht »het­ze« ge­gen den UN-Mi­gra­ti­ons­pakt und füg­te hin­zu: »Echt: es reicht.«

Da­ge­gen äu­ßer­te sich Diet­mar Bartsch, der ge­mein­sam mit Wa­genk­necht den Frak­ti­ons­vor­sitz in­ne­hat, zu­rück­hal­tend. Dem »nd« sag­te er am Don­ners­tag: »Die Frak­ti­on agiert im Bun­des­tag nach­weis­bar ge­schlos­sen.« Auch die bei­den Vor­sit­zen­den sei­en de­ren Mit­glie­der. Der­zeit wer­de ei­ne ge­mein­sa­me Sit­zung von Frak­ti­on und Par­tei­vor­stand am 30. No­vem­ber vor­be­rei­tet, auf der Streit­punk­te dis­ku­tiert wer­den könn­ten. Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Die­ther Dehm er­klär­te ge­gen­über die­ser Zei­tung: »Wer Sah­ra Wa­genk­necht de­mon­tie­ren will, ris­kiert den frei­en Fall der LIN­KEN.« Bes­ser wä­re es, »zu ei­ner per­so­nel­len und the­ma­ti­schen Ar­beits­tei­lung zu kom­men«.

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