Auf der Na­se her­um­ge­fah­ren

Kurt Sten­ger über den Um­gang der Die­sel­au­to­her­stel­ler mit dem Staat

Neues Deutschland - - Meinung -

Falls Sie wis­sen wol­len, wo Sie ih­ren al­ten Die­sel­s­tin­ker ge­gen ei­ne üp­pi­ge Um­tausch­prä­mie los­wer­den kön­nen, dann fra­gen Sie doch mal in Flens­burg nach: Das Kraft­fahrt­bun­des­amt sam­melt nicht nur In­for­ma­tio­nen über rück­sichts­lo­se Ver­kehrs­row­dys und ist für Tests an neu­en Au­to­mo­del­len ver­ant­wort­lich, son­dern wirbt nun auch für den Neu­kauf. Selbst die Hot­li­nes der deut­schen Her­stel­ler hat die dem Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um un­ter­ste­hen­de Be­hör­de in ei­nem Schrei­ben den Die­sel­au­to­be­sit­zern ge­steckt. Die aus­län­di­schen Au­to­bau­er sind na­tür­lich stink­sau­er, dass sie nicht ge­nannt wer­den: Ih­re deut­schen Kon­kur­ren­ten ha­ben mit ih­ren Be­trü­ge­rei­en den Die­selskan­dal ins Rol­len ge­bracht – und nun sol­len sie von der Flot­te­ner­neue­rung pro­fi­tie­ren. Die Flens­bur­ger Lo­sung lau­tet: Ver­schrot­tung ei­nes Stin­ker-Au­dis ge­gen Kauf ei­nes neu­en Au­dis – und nicht ei­nes To­yo­tas, Vol­vos oder Ki­as.

Ist das der Lohn für die Wei­ge­rung von VW, Daim­ler und BMW, end­lich ih­re al­ten Die­sel auf ei­ge­ne Kos­ten so nach­zu­rüs­ten, dass sie die Stadt­luft nicht ganz ver­pes­ten? Das wä­re die bes­te und so­zi­al ver­träg­lichs­te Lö­sung für die Pro­ble­me von Stutt­gart, Köln, Ber­lin & Co, zu­mal sie dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip Rech­nung tra­gen wür­de. In­zwi­schen ge­ben sich die Her­stel­ler ko­ope­ra­tiv, wenn der Staat auch viel Geld da­zu gibt. Die Fra­ge ist: Wie lan­ge lässt sich die­ser Staat ei­gent­lich auf der Na­se her­um­fah­ren?

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