Chan­ce für Ei­ni­ge

Neues Deutschland - - Meinung - Ines Wall­rodt über staat­li­che För­de­rung von Lang­zeit­ar­beits­lo­sen

Über ei­ne Mil­li­on Men­schen wa­ren aus der öf­fent­li­chen De­bat­te in Deutsch­land zu­letzt fast voll­stän­dig ver­schwun­den, denn sie sind seit meh­re­ren Jah­ren ar­beits­los. Man sonn­te sich lie­ber in ei­nem »Job­mär­chen«, das al­ler­dings schon im­mer zu schön war, um wahr zu sein. Die nun be­schlos­se­ne För­de­rung von 150 000 Lang­zeit­ar­beits­lo­sen bricht mit die­ser Igno­ranz. Das ist wich­tig und mehr als nichts. Aber es ist nicht ge­nug. Denn was ist mit den an­de­ren min­des­tens 750 000 Lang­zeit­ar­beits­lo­sen? War­um muss ei­ner erst sechs Jah­re lang von Hartz IV ge­lebt ha­ben, ehe er den staat­li­chen Zu­schuss be­kommt? Da­bei ist doch be­kannt, dass der Wie­der­ein­stieg schwe­rer wird, je län­ger man raus ist.

Das neue Ge­setz bricht im­mer­hin mit Igno­ranz. Aber nicht mit der Sicht­wei­se, Lang­zeit­ar­beits­lo­se sei­en im Kern sel­ber schuld an ih­rer Mi­se­re. Zwei­fel­los sind feh­len­de Aus­bil­dung oder ge­sund­heit­li­che Ein­schrän­kun­gen ein Teil des Pro­blems. Und es ist gut, wenn das nicht län­ger Aus­re­de sein soll, dass Men­schen dau­er­haft vom Ar­beits­le­ben aus­ge­schlos­sen blei­ben. Aber oft man­gelt es eben nicht an Fä­hig­kei­ten, son­dern an Ar­beits­plät­zen. Die Job­cen­ter in die­sen struk­tur­schwa­chen Re­gio­nen kön­nen da­her froh sein über die en­gen För­der­kri­te­ri­en. So müs­sen sie sich nur für ei­ne Hand­voll Leu­te auf die Su­che ma­chen.

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