Cza­ja ge­hört vor den Un­ter­su­chungs­aus­schuss!

Neues Deutschland - - Hauptstadtregion -

Ein »Denk­mal der Auf­klä­rung« sol­le der BER-Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses wer­den – je­den­falls, wenn es nach Se­bas­ti­an Cza­ja geht. Der FDP-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de hat­te maß­geb­lich zur In­stal­la­ti­on die­ses Gre­mi­ums bei­ge­tra­gen. Un­ter an­de­rem soll sich der Aus­schuss auch mit dem Um­gang des Se­nats mit dem Er­geb­nis des Volks­ent­scheids zur Of­fen­hal­tung des Flug­ha­fens Te­gel am 24. Sep­tem­ber 2017 be­fas­sen. Hier­um dreht sich die Fra­ge C 4 sei­nes Ein­set­zungs­be­schlus­ses. Um sich mit den The­men rund um den Volks­ent­scheid an­ge­mes­sen aus­ein­an­der­zu­set­zen, wä­re es dien­lich, sich auch des­sen Zu­stan­de­kom­men ge­nau­er zu be­se­hen. Wo­mög­lich soll­te der Un­ter­su­chungs­auf­trag ent­spre­chend er­wei­tert wer­den, denn hin­sicht­lich der Kam­pa­gne zum Volks­ent­scheid be­ste­hen nach wie vor Un­klar­hei­ten.

Dass es sich bei be­sag­ter Kam­pa­gne in der Haupt­sa­che um ei­ne der Ber­li­ner FDP han­del­te, ist hin­läng­lich be­kannt. Denn die Initia­ti­ve »Ber­lin braucht Te­gel«, die als Trä­ge­rin des Volks­be­geh­rens fun­gier­te, wur­de zu ei­nem gro­ßen Teil von die­ser Par­tei ge­tra­gen. Im Au­gust 2017 hat­te der Bil­lig­flie­ger Rya­nair Be­ne­dict Ugar­te Chacón be­kannt ge­ge­ben, das An­lie­gen des Volks­ent­scheids mit ei­ner Pla­kat­kam­pa­gne zu un­ter­stüt­zen. Die da­ma­li­ge Pres­se­mit­tei­lung liest sich so, als ha­be es sich um ei­ne Kam­pa­gne des Un­ter­neh­mens ge­han­delt: »Rya­nair, Eu­ro­pas Air­line Nr. 1, hat heu­te er­neut mit ei­ner groß an­ge­leg­ten Pla­kat­kam­pa­gne al­le Ber­li­ner da­zu auf­ge­ru­fen, am 24. Sep­tem­ber mit ›Ja‹ für den Er­halt des Flug­ha­fens Te­gel zu stim­men«, hieß es dar­in. Das Be­zirks­amt Rei­ni­cken­dorf al­ler- dings ließ ei­ni­ge auf­ge­stell­te Pla­ka­te wie­der ent­fer­nen. Zur Be­grün­dung führ­te es aus, dass »ne­ben dem Fir­men­na­men auch Lo­go und Wer­be­slo­gan der Flug­ge­sell­schaft Rya­nair« auf den Pla­ka­ten ge­zeigt wor­den sei­en. Dies ha­be den Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen für das Auf­stel­len von Pla­ka­ten vor Wah­len und Volks­ent­schei­den wi­der­spro­chen.

Und ge­nau das ist der Knack­punkt: Die FDP Ber­lin hat­te ei­ne Ge­neh­mi­gung des Be­zirks­am­tes zum Auf­stel­len von Groß­flä­chen­pla­ka­ten im Rah­men der Bun­des­tags­wahl. Aber wie oben er­wähnt, han­del­te es sich doch an­schei­nend um ei­ne Pla­kat­kam­pa­gne des Un­ter­neh­mens Rya­nair. Nach der Maß­nah­me des Be­zirks­am­tes ließ wie­der­um Cza­ja sich da­bei fo­to­gra­fie­ren, wie er bei ei­nem Pla­kat das Fir­men­lo­go von Rya­nair mit ei­nem »Zen­siert«-Schrift­zug über­kleb­te. Die FDP war es auch, die her­nach vor Ge­richt zog, aber mit ih­rem An­trag auf die Wie­der­auf­stel­lung der Pla­ka­te schei­ter­te. Auf ei­ne Fra­ge des Ab­ge­ord­ne­ten Ha­rald Wolf (LIN­KE) in der Sit­zung des Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses am 14. Sep­tem­ber 2017 wies In­nen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD) dar­auf hin, dass die FDP Rya­nair die Pla­kat­flä­chen zur Ver­fü­gung ge­stellt ha­be. Ei­ner Mel­dung der Se­nats­ver­wal­tung für In­ne­res vom 20. Sep­tem­ber 2017 ist zu ent- neh­men, dass die Trä­ge­rin des Volks­be­geh­rens bei der Ver­wal­tung an­ge­ge­ben ha­be, dass Rya­nair die Kam­pa­gne zum Volks­ent­scheid »durch ei­ne ei­gen­in­iti­ier­te und ab­ge­wi­ckel­te Pla­kat­rei­he« in Form von 105 Plakat­ta­feln »in ei­nem ge­schätz­ten Markt­wert von 30 000 Eu­ro un­ter­stützt hat«, was von der Ver­wal­tung als Sach­spen­de ge­wer­tet wur­de.

Fas­sen wir zu­sam­men: Rya­nair druck­te sein Lo­go auf Pla­ka­te, mit de­nen für den Volks­ent­scheid der Initia­ti­ve »Ber­lin braucht Te­gel« ge­wor­ben wer­den soll­te. Die FDP stell­te da­für Flä­chen zur Ver­fü­gung. Die Initia­ti­ve »Ber­lin braucht Te­gel« wie­der­um mel­de­te die Pla­ka­te von Rya­nair bei der Ver­wal­tung als Un­ter­stüt­zung ih­rer Kam­pa­gne an. Und Rya­nair konn­te so of­fen­bar auf Flä­chen wer­ben, die das Un­ter­neh­men sonst nicht oh­ne wei­te­res und schon gar nicht um­sonst be­kom­men hät­te. Es bleibt dem­nach die Fra­ge, wer hier ei­gent­lich wen un­ter­stütz­te: Rya­nair die FDP oder um­ge­kehrt? Recht­lich mag so ein Vor­gang mög­li­cher­wei­se nicht an­greif­bar sein. Ob er po­li­tisch le­gi­tim war, und wie weit die Sym­bio­se ei­nes pro­fit­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­mens mit ei­ner Par­tei hier hät­te ge­hen dür­fen, das soll­te der Un­ter­su­chungs­aus­schuss auf­ar­bei­ten. Und der »Te­gel­ret­ter« Cza­ja muss hier als Zeu­ge zur Auf­klä­rung bei­tra­gen.

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