Das his­to­ri­sche Klos­ter­dorf neu be­le­ben

Die an­ge­hen­de Ar­chi­tek­tin Mi­ri­am Neu­kir­chen hat sich mit ei­ner mög­li­chen Zu­kunft Knecht­ste­dens be­schäf­tigt.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Dormagen) - - DORMAGEN - VON SE­BAS­TI­AN MEU­RER

KNECHT­STE­DEN Als die Spi­ri­ta­ner 1895 in Knecht­ste­den an­säs­sig wur­den, mach­ten sie in­ner­halb kür­zes­ter Zeit hier­aus ein ei­ge­nes Dorf mit pul­sie­ren­dem Le­ben. Dar­über, wie sich die­ses mit heu­ti­gen Mit­teln wie­der­be­le­ben lie­ße, hat sich die Ar­chi­tek­tur­stu­den­tin Mi­ri­am Neu­kir­chen (25) in ih­rer Ma­gis­ter­ar­beit Ge­dan­ken ge­macht. Al­lein schon an­ge­sichts der zahl­rei­chen Ge­bäu­de bie­te „Knecht­ste­den viel Po­ten­zi­al zum Woh­nen und Ar­bei­te­ten“, sagt die ge­bür­ti­ge Rom­mers­kir­che­ne­rin, die das Leib­niz-Gym­na­si­um in Ha­cken­broich be­sucht hat und mit Knecht­ste­den von Kin­des­bei­nen an ver­traut ist.

„Mei­ne Idee ist es, den Ort wie­der auf­le­ben zu las­sen und Platz für ei­ne Künst­ler- und Hand­wer­ker­ge­mein­schaft zu schaf­fen“, sagt Mi­ri­am Neu­kir­chen. Im­mer­hin: Schon als im Mit­tel­al­ter die Prä­mons­tra­ten­ser

„Mei­ne Idee ist, Platz für ei­ne Künst­ler- und Hand­wer­ker­ge­mein­schaft zu schaf­fen“

Mi­ri­am Neu­kir­chen

an­ge­hen­de Ar­chi­tek­tin

in Knecht­ste­den hei­misch wa­ren, gab es dort ei­nen gro­ßen Hand­wer­kert­rakt. Da­bei ori­en­tiert sie sich am Prin­zip des Ge­mein­schaft­li­chen Woh­nens (Co-Hou­sing) und Ar­bei­tens (Co-Wor­king). Ge­plant ist ein Ar­beits- und Wohn­kol­lek­tiv, bei dem Künst­ler und Hand­wer­ker ge­gen­sei­tig von­ein­an­der pro­fi­tie­ren.

Um neu­en Wohn­raum zu er­mög­li­chen, wür­de nach ih­rem Denk­mo­dell zu­nächst der zur­zeit als La­ger die­nen­de, 40 Me­ter lan­ge, Schup­pen zwi­schen den Be­stands­ge­bäu­den ab­ge­ris­sen. Der so ent­ste­hen­de Frei­raum bö­te Platz „für ei­ne neue Ar­chi­tek­tur, die den Kri­te­ri­en des fle­xi­blen Ge­mein­schafts­woh­nens ge­recht wird“, heißt es im Ent­wurf von Mi­ri­am Neu­kir­chen. Um den Grund­riss fle­xi­bel zu ge­stal­ten, die­nen als tra­gen­de Ele­men­te Stahl­be­ton­stüt­zen, die im Ab­stand von drei Me­tern pos­tiert wür­den. Da die Brei­te des Ge­bäu­des le­dig­lich acht Me­ter be­trägt, wä­ren kei­ne zu­sätz­li­chen Stüt­zen im In­nen­raum nö­tig. „Die Fas­sa­de und die In­nen­wän­de kön­nen so­mit als nicht tra­gen­de Ele­men­te fle­xi­bel ge­setzt wer­den“, schreibt sie in ih­rer Ma­gis­ter­ar­beit.

Je­de der neu ent­ste­hen­den Woh­nun­gen wür­de über ei­nen ei­ge­nen Zu­gang ver­fü­gen und könn­te von der öst­li­chen Sei­te her er­schlos­sen wer­den. Nach Wes­ten, in Rich­tung des Wal­des, ver­füg­te je­de Wohn­ein­heit über ei­ne Ter­ras­se, die durch 50 Zen­ti­me­ter ho­he Wän­de zum Nach­barn hin ab­ge­trennt wird.

Un­ge­ach­tet ei­ner vor­ge­se­he­nen Ge­mein­schafts­kü­che ver­füg­te je­de der Woh­nun­gen über ei­ne ei­ge­ne Kü­che. Je­der Be­woh­ner wä­re völ­lig un­ab­hän­gig. Es gä­be in­des die Mög­lich­keit, ge­mein­schaft­lich zu ko­chen oder an­de­ren Ak­ti­vi­tä­ten nach­zu­ge­hen. In der al­ten Schnei­de­rei ent­stün­de ei­ne Ge­mein­schafts­kü­che mit Spei­se­saal. Im nörd­li­chen Ge­bäu­de sind drei Kol­lek­tiv­räu­me ge­plant, die zu ei­nem gro­ßen Raum zu­sam­men­ge­fasst wer­den könn­ten.

Ein Aus­stel­lungs­ge­bäu­de be­fän­de sich un­mit­tel­bar an der Haupter­schlie­ßung zwi­schen dem ehe­ma­li­gen Feu­er­wehr­haus und der Re­mi­se. Die wür­de in der Pla­nung Mi­ri­am Neu­kir­chens zu ei­nem Ca­fé um­funk­tio­niert, wo­bei im ers­ten Ober­ge­schoss ein Se­mi­nar­raum un­ter­ge­bracht wer­den könn­te.

Ehe Mi­ri­am Neu­kir­chen of­fi­zi­ell in die Ar­chi­tek­ten­lis­te ein­ge­tra­gen wer­den kann, sind noch zwei Jah­re Be­rufs­er­fah­rung nö­tig. Zu sam­meln be­ginnt sie die be­reits in die­sem Mo­nat: In der chi­ne­si­schen Stadt Hang­zhou un­weit von Shang­hai wird Neu­kir­chen bis De­zem­ber in ei­nem Ar­chi­tek­tur­bü­ro ar­bei­ten, um dann im Ja­nu­ar noch ein paar Wo­chen lang Land und Leu­te ken­nen zu ler­nen.

NGZ-FOTO: ANJA TINTER

Mi­ri­am Neu­kir­chen hat sich in ih­rer Ma­gis­ter­ar­beit mit ei­ner denk­ba­ren Um­ge­stal­tung Knecht­ste­dens be­schäf­tigt.

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