Jo­han­na von Or­léans wird re­ha­bi­li­tiert

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Grevenbroich) - - Vorderseite -

24 Jah­re nach ih­rem Tod be­gann in der Ka­the­dra­le Not­re-Da­me in Paris er­neut der Pro­zess ge­gen Jo­han­na von Or­léans. Die Mut­ter des Mäd­chens aus Loth­rin­gen hat­te sich um die Re­ha­bi­li­ta­ti­on ih­rer Toch­ter be­müht. Jo­han­na hat­te Or­léans von den En­g­län­dern be­freit, den fran­zö­si­schen Kö­nig Karl VI. nach Reims ge­führt und bei sei­ner Krönung ne­ben ihm ge­stan­den. Dann ge­riet sie in eng­li­sche Ge­fan­gen­schaft, ihr wur­de der Pro­zess we­gen Ket­ze­rei ge­macht. Der Kö­nig, dem sie auf den Thron ver­hol­fen hat­te, un­ter­nahm nichts, um ihr zu hel­fen. Noch war sei­ne Macht nicht ge­fes­tigt, wa­ren die En­g­län­der und die mit ih­nen ver­bün­de­ten Bur­gun­der nicht be­siegt. 24 Jah­re spä­ter hat­te sich die Welt ver­än­dert: Karl VI. war an­er­kann­ter Kö­nig, die En­g­län­der hat­ten sich bis auf ei­ni­ge we­ni­ge En­kla­ven vom Kon­ti­nent zu­rück­zie­hen müs­sen. Am 7. No­vem­ber 1455 er­öff­ne­te Karl VI. den letz­ten Pro­zess, in dem es um Jo­han­na von Or­léans ging. Jo­han­na wur­de voll­stän­dig re­ha­bi­li­tiert, die Schul­di­gen an dem un­ge­rech­ten Ur­teil wur­den je­doch nicht zur Re­chen­schaft ge­zo­gen. Für Frank­reich wur­de die Jung­frau von Or­léans zur Na­tio­nal­hei­li­gen, zum In­be­griff des Kamp­fes ge­gen die feind­li­chen Be­sat­zer. 1920 sprach Papst Be­ne­dikt XV. sie auch of­fi­zi­ell hei­lig. Seit­dem gilt Jo­han­na als Schutz­pa­tro­nin Frank­reichs so­wie der Städ­te Rou­en und Or­léans, sie ist auch die Hei­li­ge für Te­le­gra­fie und Rund­funk.

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