Flei­scher wol­len Dis­coun­tern trot­zen

Die Flei­scher­be­trie­be be­rei­ten sich be­reits auf die Grill-Sai­son vor. Da­bei möch­ten sie sich mit ih­rem An­ge­bot von der Mas­sen­wa­re, die von Dis­coun­tern an­ge­bo­ten wird, ab­he­ben. Ge­ne­rell geht der Trend zu Fleisch-Spe­zia­li­tä­ten.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT IM RHEIN-KREIS - VON ANDRE­AS BUCHBAUER

RHEIN-KREIS Der 1. Mai ist jetzt schon bei den Flei­scher­be­trie­ben im Rhein-Kreis Neuss im Blick. Aber nicht et­wa, weil es sich um ei­nen Fei­er­tag, den Tag der Ar­beit, han­delt. Wil­li Schil­lings, Ober­meis­ter der neu­ge­grün­de­ten Flei­scher-In­nung Niederrhein, hat ei­ne viel ein­fa­che­re Er­klä­rung. „Am 1. Mai be­ginnt die Grill­sai­son“, sagt der Gre­ven­broi­cher. „Das kann man in je­dem Jahr aufs Neue fest­stel­len: Ab die­sem Da­tum zieht der Ver­kauf von Grill­gut an.“Der Grill-Boom ist

„Wir müs­sen krea­tiv auf Markt­er­for­der­nis­se ein­ge­hen“

Wil­li Schil­lings

Ober­meis­ter der Flei­scher-In­nung

für die Flei­scher im­mens wich­tig: Sie kön­nen sich mit ih­rem Sor­ti­ment deut­lich von der Mas­sen­wa­re, die Su­per­märk­te und Dis­coun­ter an­bie­ten, ab­he­ben.

Wil­li Schil­lings ver­tritt schon seit Lan­gem die Über­zeu­gung, dass ei­ne mo­der­ne Flei­sche­rei auch ein Fein­kost­ge­schäft ist. „Die Leu­te ge­ben heut­zu­ta­ge 800 Eu­ro für ei­nen Grill aus, zwölf Eu­ro für Grill­koh­le, da­zu das gan­ze Zu­be­hör. Dann das güns­tigs­te Fleisch aus der Tief­kühl­the­ke zu kau­fen – das passt doch nicht“, be­tont er. „Die Leu­te wol­len et­was Be­son­de­res, ei­ne Spe­zia­li­tät.“Und da kom­men die Flei­scher in der Re­gi­on ins Spiel: Je­des Jahr ar­bei­ten sie an neu­en Be­son­der­hei­ten, vom Fleisch-Spieß bis zur Ma­ri­na­de. Im­mer aus­ge­fal­le­ner, frei nach der Lo­sung „An­ders als al­le an­de­ren“.

Das Bei­spiel Grill­sai­son zeigt, wie sich die Bran­che in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr und mehr ver­än­dert hat. „In den 1970er Jah­ren gab es im Rhein-Kreis rund 140 Flei- sche­rei­be­trie­be“, sagt Schil­lings. Heu­te sind der In­nung kreis­weit 27 Be­trie­be an­ge­schlos­sen. „Die Zahl ist seit ei­ni­gen Jah­ren aber ziem­lich kon­stant.“Der de­mo­gra­fi­sche Wan­del, die oft un­si­che­re Nach­fol­ge für alt­ein­ge­ses­se­ne Fa­mi­li­en­be­trie­be, der Preis­druck, der durch die Dis­coun­ter er­höht wird, das al­les ist je­doch spür­bar. „Wir müs­sen da­her un­se­re Stär­ken her­vor­he­ben“, be­tont Schil­lings. „Und wir müs­sen krea­tiv auf sich än­dern­de Markt­er­for­der­nis­se ein­ge­hen.“

Ein gro­ßes An­ge­bot an Grill-, Wurst- und Fleisch-Spe­zia­li­tä­ten, ei­ge­ne Mar­ken wie die vor zwölf Jah­ren ge­mein­sam kre­ierte Neus­ser Kap­pes­woosch mit 17 Pro­zent Sau­er­krau­t­an­teil, die laut In­nung in 14 Be­trie­ben an­ge­bo­ten wird, und ei­ne kon­se­quen­te Aus­wei­tung des Par­ty­ser­vice – Flei­scher kön­nen in­zwi­schen teil­wei­se di­rekt für den Grill­abend ge­bucht wer­den – ge­hö­ren in der Re­gel eben­so da­zu wie ein wech­seln­der Mit­tags­tisch. Manch­mal trei­ben Mo­de­wel­len je­doch auch selt­sa­me Blü­ten. Bei­spiel: DryA­ged-Steak. „Es han­delt sich ja ei­gent­lich nur um ein ent­spre­chend ab­ge­han­ge­nes Stück Rind­fleisch. Das hat je­der Flei­scher aber schon im­mer ge­macht.“

Ein ent­spre­chen­des Wa­ren­an­ge­bot ist das ei­ne, Aus­zu­bil­den­de sind das an­de­re. Die Flei­scher ver­su­chen, mög­lichst früh den Nach­wuchs an­zu­spre­chen. Sie ko­ope­rie­ren mit Schu­len, stel­len ihr Be­rufs­bild vor. Im Schnitt stei­gen im Rhein-Kreis je­des Jahr zwölf jun­ge Men­schen in die Flei­scher-Ausbildung ein. „Wir ste­hen da­mit ei­gent­lich noch gut da“, sagt Schil­lings. Den­noch wer­de es schwie­ri­ger, ge­eig­ne­ten Nach­wuchs zu fin­den.

Vor al­lem aber treibt die Flei­scher Ei­nes um: Sie wol­len die Wer­tig­keit des Le­bens­mit­tels Fleisch mehr in den Blick­punkt der Ver­brau­cher rü­cken. In der neu­en In­nung sind 70 Mit­glie­der or­ga­ni­siert – und spre­chen mit ei­ner Stim­me.

FO­TO: LOTHAR BERNS

Metz­ger­meis­ter Wil­li Schil­lings fin­det, dass ei­ne mo­der­ne Flei­sche­rei auch ein Fein­kost­ge­schäft ist.

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