Die Fahr­stuhl-Kö­ni­ge von der Jahn­stra­ße

Ho­ckey-Bun­des­li­gist HTC SW Neuss bleibt sich treu: Seit 2009 ist der Ver­ein fünf­mal auf- und sechs­mal ab­ge­stie­gen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - SPORT IM RHEIN-KREIS - VON DIRK SITTERLE

NEUSS Wenn dem­nächst der Spon­so­ring­ver­trag mit dem deutsch­land­weit ope­rie­ren­den Su­shi-Pro­du­zen­ten Natsu Foods im Tau­ben­tal aus­läuft, soll­ten die beim HTC SW Neuss fürs Mar­ke­ting zu­stän­di­gen Jungs viel­leicht mal bei Schind­ler vor­stel­lig wer­den. Denn die im Bar­ba­ra­vier­tel an­säs­si­ge Fir­ma ist Spe­zia­list für Auf­zü­ge und Fahr­trep­pen. Und ge­nau das ist auch das Me­tier des Ho­ckey-Bun­des­li­gis­ten.

Seit 2009 ist der DM-Halb­fi­na­list von 2007 auf dem Feld vier­mal aus dem Ober­haus ab- und drei­mal auf­ge­stie­gen. Auch in der Halle kommt Schwarz-Weiß ein­fach nicht aus dem Fahr­stuhl her­aus. Von 2001 bis 2013 ge­hör­ten die Neus­ser der deut­schen Eli­te­klas­se zwar un­un­ter­bro­chen an, doch seit­her ge­lang nur 2015 mal der Klas­sen­ver­bleib. Da­für knall­ten an der Jahn­stra­ße 2014 und am Sonn­tag nach dem 10:7-Zit­ter­sieg beim Düs­sel­dor­fer SC 99 die Sekt­kor­ken. Ei­ne re­kord­ver­däch­ti­ge Bi­lanz. Im­mer mit da­bei war Se­bas­ti­an Drag­uhn. Dass der zwei­ma­li­ge Welt­meis­ter (2006 auf dem Feld, 2007 in der Halle) auch in die­ser Sai­son mit 35 To­ren maß­geb­lich am Ti­tel­ge­winn be­tei­ligt war, spricht für die Klas­se des Stür­mers, ver­deut­licht aber auch das gro­ße Pro­blem der Neus­ser: Drag­uhn ist ge­ra­de 33 ge­wor­den. Tor­hü­ter Mar­cin Po­bu­ta könn­te mit sei­nen 41 Jah­ren so­gar schon an der Hal­len­ho­ckey-Welt­meis­ter­schaft der Mas­ters in der Al­ters­klas­se M40 teil­neh­men, nicht mehr all­zu weit da­von ent­fernt sind die im­mer noch un­ver­zicht­ba­ren Phil­ipp Wei­de, Chris­toph Mar­ti­al (bei­de 34) und Ste­ven Dühr (32).

Von den ganz jun­gen Ta­len­ten schaff­ten in der ab­ge­lau­fe­nen Hal­len­sai­son nur Ced­ric Heim­bach (19), der sich nach sei­ner Rück­kehr vom Düs­sel­dor­fer HC auf An­hieb zu ei­nem Leis­tungs­trä­ger ent­wi­ckelt hat, und Jan Maus­berg (18) den Sprung zur Stamm­kraft. Hoff­nung macht die Ent­wick­lung von Se­bas­ti­an Sell­ner (20), frisch­ge­ba­cke­ner Hal­len-Eu­ro­pa­meis­ter mit der U21 Po­lens. Nach Jah­ren der Sta­gna­ti­on hat sich der HTC des Pro­blems an- ge­nom­men – Tim Schiff­mann (24), Paul Toll (17), Kee­per Jo­nas Ra­de­ke (24), Timo Ot­ten (21), Paul Na­cken (20), Vin­cent Gütt­ler (18), Phil Graue (22), Ni­clas Garms (20), Hans-Carl Gra­by (21) und Ju­li­an Dett­mer (18) war­ten auf ih­re Chan­ce –, doch die Fra­ge, ob da wirk­lich aus­rei­chend Ta­lent für ein am­bi­tio­nier­tes Bun­des­li­ga-Team zur Ver­fü- gung steht, muss erst noch be­ant­wor­tet wer­den. Das Le­ben im Um­feld leis­tungs­star­ker Erst­li­gis­ten wie RW Köln, Uh­len­horst Mül­heim und Cre­fel­der HTC ist hart, „zu­dem fällt es im­mer schwe­rer, Spie­ler lang­fris­tig an ei­nen Ver­ein zu bin­den“, weiß Se­bas­ti­an Drag­uhn: „Vie­le sind heu­te doch schon mit An­fang 20 fer­tig mit ih­rem Stu­di­um und ori­en­tie­ren sich dann kom­plett neu. Nur weil du jetzt viel­leicht gu­te jun­ge Spie­ler in dei­nem Ka­der hast, be­deu­tet das nicht zwangs­läu­fig, dass sie auch in fünf Jah­ren noch da sind.“

Für den Mo­ment könn­te dem HTC viel­leicht das Mo­dell „Schind­ler 3300“hel­fen, in dem pen­delt das Team dank in­tel­li­gen­ter Tech­no­lo­gie zu­min­dest „kom­for­ta­bel, um­welt­freund­lich und stil­voll“zwi­schen den Spiel­klas­sen.

NGZ-FO­TO: ANDRE­AS WOITSCHÜTZKE

Die Po­len-Con­nec­tion: Mar­cin Po­bu­ta ist auch mit sei­nen 41 Jah­ren im­mer noch ein erst­klas­si­ger Tor­hü­ter. Se­bas­ti­an Sell­ner (M.), mit der U21 sei­nes Hei­mat­lan­des ge­ra­de U21-Eu­ro­pa­meis­ter ge­wor­den, si­chert ab.

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