Neue Plä­ne für das jü­di­sche Zen­trum

Die jü­di­sche Ge­mein­de spricht mit der Stadt über ein An­ge­bot zur Kin­der­be­treu­ung an der Leo­stra­ße und regt die An­bah­nung ei­ner Städ­te­part­ner­schaft mit ei­ner Kom­mu­ne in Is­ra­el an. Der Bür­ger­meis­ter will das An­lie­gen auf­grei­fen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - UNTERHALTUNG - VON FRANK KIRSCHSTEIN UND CHRIS­TOPH KLEINAU

NEUSS Die jü­di­sche Ge­mein­de in Neuss will das Alex­an­der-Be­dero­vZen­trum an der Leo­stra­ße in der Nord­stadt aus­bau­en. Ziel ist es, die Ge­mein­de vor al­lem für jun­ge, jü­di­sche Fa­mi­li­en at­trak­ti­ver zu ma­chen. Kern des Plans ist die Ein­rich­tung ei­ner Kin­der­be­treu­ung. „Wir ste­hen da­zu ge­ra­de in Ver­hand­lun­gen mit der Stadt Neuss“, sagt Micha­el Szen­tei-Hei­se, Ver­wal­tungs­di­rek­tor der ak­tu­ell 7000 Mit­glie­der zäh­len­den jü­di­schen Ge­mein­de Düsseldorf, zu der auch das Zen­trum an der Leo­stra­ße ge­hört.

Im Rhein-Kreis zählt die jü­di­sche Ge­mein­de zur­zeit rund 600 Mit­glie­der. Nach ei­ner Pha­se des Wachs­tums in den Jah­ren zwi­schen 1990 und 2004, als vie­le Ju­den aus den Ge­bie­ten der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on nach Deutsch­land ka­men, sta­gnier­ten die Zah­len. Seit zwei Jah­ren ver­zeich­net die Ge­mein­de er­neut ei­ne – al­ler­dings deut­lich ge­rin­ge – Zu­wan­de­rungs­be­we­gung. „Jetzt kom­men Men­schen aus den Kriegs­ge­bie­ten in der Ost-Ukrai­ne“, sagt der Ver­wal­tungs­di­rek­tor, der mit ver­stärk­ter Ju­gend­ar­beit zu­sätz­li­che Wachs­tums­im­pul­se set­zen möch­te: „Ei­ne Kin­der­be­treu­ung könn­te als Ma­gnet wir­ken und jun­ge jü­di­sche Fa­mi­li­en an­zie­hen. Wir re­den ge­ra­de mit der Stadt über ei­ne Mit­fi­nan­zie­rung, da­mit wir das um­set­zen kön­nen.“Zum Start denkt Szen­tei-Hei­se an ei­ne klei­ne Grup­pe für bis zu zehn Kin­der. Da­für wä­re an der Leo­stra­ße Platz ge­nug.

Dass die räum­li­chen Ka­pa­zi­tä­ten für den Start ei­ner Kin­der­be­treu­ung an der Leo­stra­ße in Neuss rei­chen, be­stä­tigt auch Bert Röm­gens, Vor­stands­mit­glied der Ge­sell­schaft für christ­lich-jü­di­sche Zu­sam­men­ar­beit in Neuss. Mit dem Ge­bäu­de, ei­nem ehe­ma­li­gen Kin­der­gar­ten, kön­ne die Ge­mein­de der­zeit gut le- ben – mit ei­ner Ein­schrän­kung: „Wenn sich die Si­cher­heits­la­ge, was Gott ver­hü­ten mö­ge, ver­schär­fen soll­te, wä­re es schwie­rig, das Ge­bäu­de aus­rei­chend zu si­chern.“

Bür­ger­meis­ter Rei­ner Breu­er be­stä­tigt die Ge­sprä­che über ei­ne Kin­der­be­treu­ung. „Wir prü­fen der­zeit, was da bau­recht­lich mög­lich ist“, sagt er mit Blick auf das Be­dero­vZen­trum, das er aber nach wie vor als Pro­vi­so­ri­um be­greift. „Ich bin im­mer noch der An­sicht, dass man ein Ge­mein­de­zen­trum oder ei­ne Sy­nago­ge im Stadt­zen­trum bau­en soll­te“, sagt Breu­er.

Der Neu­bau ei­ner Sy­nago­ge in Neuss, wie er in den 1990er Jah­ren schon ein­mal in­ten­siv bis hin zu Vor­schlä­gen für ei­nen Stand­ort an der Pro­me­na­de dis­ku­tiert wur­de, ist für die jü­di­sche Ge­mein­de der­zeit al­ler­dings kein The­ma. „Wenn wir 1500 Ju­den im Kreis hät­ten, wür­de sich der Bau ei­ner Sy­nago­ge loh­nen. Dann wür­den sich Land, Stadt und jü­di­sche Ge­mein­de auch über die Fi­nan­zie­rung schnell ei­nig wer­den“, sagt Szen­tei-Hei­se. Er ver­an­schlagt die Kos­ten da­für mit acht bis zehn Mil­lio­nen Eu­ro, stellt aber fest: An der Fi­nanz­fra­ge wä­re das Pro­jekt auch frü­her nicht ge­schei­tert.

In Ge­sprä­chen mit Bür­ger­meis­ter Rei­ner Breu­er spricht die jü­di­sche Ge­mein­de der­zeit üb­ri­gens nicht nur über die ge­plan­te Kin­der­be­treu­ung. „Wir ha­ben dem Bür­ger­meis­ter vor­ge­schla­gen, ei­ne Städ­te­part­ner­schaft mit ei­ner Stadt in Is­ra­el ein­zu­ge­hen“, sagt Röm­gens, der im ver­gan­ge­nen Jahr den Düs­sel­dor­fer Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel auf ei­ner Rei­se nach Hai­fa, der Düs­sel­dor­fer Part­ner­stadt, be­glei­tet hat. Da­bei hät­ten auch an­de­re Städ­te in Is­ra­el In­ter­es­se an ei­ner Part­ner­schaft be­kun­det. „War­um dann nicht Neuss?“, fragt Röm­gens.

Breu­er hält das für ei­ne tol­le Idee und wür­de sich ger­ne ei­ner Rei­se nach Is­ra­el an­schlie­ßen, das er schon vor vier Jah­ren be­su­chen durf­te. Den Vor­schlag selbst kom­men­tier­te er auch ge­gen­über Röm­gens zu­rück­hal­tend. Man müs­se erst ein­mal se­hen, „wie man die be­ste­hen­den Städ­te­part­ner­schaf­ten sor­tiert be­kommt“, sagt Breu­er, der erst die be­reits an­ge­sto­ße­ne Part­ner­schaft mit Leu­ven/Lö­wen in Bel­gi­en wei­ter­ent­wi­ckeln will. „Da be­steht ein An­bahnungs­ver­hält­nis“, sagt Breu­er, der das An­lie­gen der jü­di­schen Mit­bür­ger spä­ter auf­grei­fen will. Auf Hil­fe baut die Ge­mein­de auch bei dem Vor­ha­ben, 2018 – zum zwei­ten Mal nach 1988 – Ho­lo­cau­st­über­le­ben­de aus Neuss be­zie­hungs­wei­se de­ren Nach­fah­ren ein­zu­la­den. Röm­gens: „Der Er­folg hängt vom En­ga­ge­ment der Stadt ab.“In­ter­view

FO­TO: ARCHIV

Die Ju­den im Rhein-Kreis ha­ben seit Jah­ren an der Leo­stra­ße ein Zen­trum – und neue Plä­ne da­mit.

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