Auf den Spu­ren des al­ten Pum­pen­hau­ses

Ne­ben dem ehe­ma­li­gen Was­ser­turm von Schloss Müg­gen­burg stand ein Pumpenhaus, das im Zwei­ten Welt­krieg durch Bom­ben zer­stört wur­de. Der Hei­mat­ver­ein fand die Fun­da­men­te und legt sie jetzt mit Hel­fern des BFZ Sch­li­cher­um frei.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON CHRIS­TOPH KLEINAU

NORF Nach­voll­zie­hen kön­nen, wie es mal aus­ge­se­hen hat: Die­se Ab­sicht ver­folgt der Hei­mat­ver­ein mit „Aus­gra­bun­gen“am ehe­ma­li­gen Was­ser­turm von Schloss Müg­gen­burg, in des­sen Schat­ten bis zum En­de des Zwei­ten Welt­krie­ges ein Pumpenhaus stand. Das Ge­bäu­de ist lan­ge ver­schwun­den, doch un­ter ei­ner me­ter­di­cken Erd­schicht fand der Ver­ein jetzt des­sen Fun­da­men­te – und leg­te sie frei.

„Nur mit Mus­kel­kraft hät­ten wir da­für vier Wo­chen ge­braucht“, sagt Pe­ter Abels, der ers­te Vor­sit­zen­de des Ver­eins, des­sen rüh­rigs­te Ak­ti­vis­ten auch schon im Ren­ten­al­ter sind. So kam das Be­rufs-För­de­rungs­zen­trum Sch­li­cher­um (BFZ) ins Boot, das kei­nen ro­ten Hel­ler für sei­ne Hil­fe er­hält. „Eh­ren­amt“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Micha­el Stork, der trotz­dem von ei­ner Ge­winn­si­tua­ti­on für bei­de Sei­ten spricht. Die Teil­neh­mer aus der Ba­sis­qua­li­fi­zie­rung – in der Re­gel sind das von der Ar­beits­agen­tur ver­mit­tel­te Flücht­lin­ge – und der Be­rufs­vor­be­rei­tung hät­ten zwar im BFZ vie­le Mög­lich­kei­ten, Tä­tig­kei­ten im Gar­ten- und Land­schafts­bau ken­nen­ler­nen und aus­pro­bie­ren zu kön­nen. „Das hier ist aber ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, auf ei­ner frem­den Bau­stel­le mit Gar­ten­bau­tech­nik in Be­rüh­rung zu kom­men“, sagt Stork, der da­für Bag­ger und Rad­la­der bei den „Sch­li­cher­umer Di­ens­ten“aus­ge­lie­hen hat.

Vom Pumpenhaus konn­te Heinz Heu­ser, Ar­chi­var des Hei­mat­ver­eins, bis­her nur den Bau­plan aus dem Jahr 1904 und al­te Fo­tos zei­gen. An­schau­li­cher konn­te er die Di­men­sio­nen Be­su­chern nicht ver­mit­teln. Und da­von kom­men im­mer mehr zum Turm, den der 2004 ge­grün­de­te Hei­mat­ver­ein an­pach­ten und re­stau­rie­ren konn­te. Denn dort, wo frü­her ein­mal ein Was­ser­tank ein­ge­baut war, kann heu­te so­gar ge­hei­ra­tet wer­den – 30 Me­ter über dem Bo­den. Al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr er­klom­men 21 Hoch­zeits­ge­sell­schaf­ten den Turm, be­rich­tet Kurt Kö­nigs­ho­fen, zwei­ter Vor­sit­zen­der des Ver­eins. Von dort oben ha­ben sie ei­nen Pan­ora­ma­blick von Düsseldorf im Os­ten bis zu den RWE-Kraft­wer­ken im Wes­ten. Sie müs­sen da­für al­ler­dings 114 Stu­fen er­klim­men.

In der Turm­kam­mer sind Res­te ei­nes Ka­mins zu se­hen, der zum Pum- pen­haus ge­hör­te. Das hat­te mit 12,3 auf sie­ben Me­ter deut­lich grö­ße­re Ab­mes­sun­gen als der Turm, in den die Pum­pen Was­ser aus ei­nem Brun­nen för­der­ten. Die­ses Was­ser, er­klärt Kö­nigs­ho­fen den Ka­min, konn­te so­gar er­wärmt wer­den, so dass die be­nach­bar­te Müg­gen­burg der Ban­kiers­fa­mi­lie von Waldthau­sen mit kal­tem, aber eben auch war­mem Was­ser hät­te ver­sorgt wer­den kön­nen. Hät­te. Tat­säch­lich spiel­te der Turm kei­ne Rol­le, weil par­al­lel zu sei­nem Bau An­fang des 20. Jahr­hun­derts die Müg­gen­burg ans öf­fent­li­che Lei­tungs­netz an­ge­schlos­sen wur­de. Das Pumpenhaus wur­de durch ei­ne Bom­be im Welt­krieg zer­stört, sei­ne Be­stand­tei­le an­dern­orts als Bau­ma­te­ri­al ver­wen­det. „Wir ha­ben je­den­falls nicht mehr vie­le ge­fun­den“, sagt Abels.

Ein Teil der Fun­da­ment­plat­te war so dünn und da­bei so stark zer­stört, dass er jetzt mit ab­ge­räumt wur­de. Der Ge­samt­um­riss des al­ten Ge­bäu­des soll des­halb ir­gend­wie im Bo­den kennt­lich ge­macht und der Rest der al­ten Sub­stanz – zum Teil noch mit Bo­den­flie­sen be­legt – kon­ser­viert er­hal­ten wer­den.

Wich­tigs­ter Ne­ben­ef­fekt der Pla­cke­rei: Auf dem Grund­stück wird viel mehr Flä­che nutz­bar. Das dient den Hoch­zeits­ge­sell­schaf­ten wie auch dem Ver­ein, der am Sams­tag, 10. Ju­ni, zum Kaf­fee­klatsch auf die „Aus­gra­bungs­stel­le“ein­lädt.

ARCHIV: HEI­MAT­VER­EIN NORF

Die Auf­nah­me aus den 1930er Jah­ren zeigt den Was­ser­turm noch mit Pumpenhaus.

FO­TO: -NAU

Heinz Heu­ser, Pe­ter Abels und Kurt Kö­nigs­ho­fen vom Hei­mat­ver­ein.

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