Die Pflan­ze fürs Le­ben

Fun­ki­en stam­men vor­wie­gend aus schat­ti­gen Wäl­dern Asi­ens und hal­ten sich über vie­le Jah­re.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON DOROTHÉE WAECHTER

Wo Licht ist, ist auch Schat­ten: Je­der Gar­ten hat die­se Ecke, in die kei­ne di­rek­te Son­nen­ein­strah­lung reicht. Und die im­mer et­was feucht ist. Hier ge­dei­hen vie­le Pflan­zen nicht – die Fun­ki­en aber lie­ben die­se Ni­schen. Auch den Grund un­ter schwie­ri­gen Bäu­men.

Das schaf­fen nicht vie­le: Wäh­rend bei den meis­ten Pflan­zen das Haupt­au­gen­merk auf den Blü­ten liegt, ha­ben es die Fun­ki­en ge­schafft, mit ih­ren Blät­tern die Her­zen von Gärt­nern zu ge­win­nen. „Das Laub der Hos­ta birgt ei­ne gro­ße Viel­falt an ver­schie­de­nen Far­ben und For­men“, er­klärt die Gar­ten­ar­chi­tek­tin An­ja Mau­bach aus Wuppertal. Hin­zu kommt, dass die Pflan­zen be­stän­dig und pfle­ge­leicht sind. „Fun­ki­en sind Pflan­zen für das Le­ben.“

Sie stam­men vor­wie­gend aus schat­ti­gen Wäl­dern Asi­ens und ge­dei­hen über vie­le Jah­re im Gar­ten. Trotz­dem be­zeich­net Mau­bach sie als Über­ra­schungs­pflan­zen: „Wenn sich im Früh­ling die kräf­ti­gen Blät­ter aus der Er­de schie­ben und ent­fal­ten, ist das im­mer wie­der ein ganz be­son­de­rer Mo­ment“, schwärmt sie.

„Es gibt über 8000 ver­schie­de­ne Ar­ten und Sor­ten“, er­klärt Chris­ta Hüls­mann, Lei­te­rin der Fach­grup­pe Hos­ta in der Ge­sell­schaft zur För­de­rung der Gar­ten­kul­tur in Berlin. So gibt es Fun­ki­en, die nur we­ni­ge Zen­ti­me­ter hoch wer­den, und sol­che, die bis zu 1,50 Me­ter Hö­he er­rei­chen. Eben­so kön­nen die Hors­te, die sich im Lau­fe der Jah­re ent­wi­ckeln, ei­nen Durch­mes­ser von bis zu zwei Me­tern ha­ben.

So­gar in schwie­ri­gen Bö­den wach­sen Fun­ki­en. Hüls­mann nennt als Bei­spiel den Grund un­ter ei­nem Wal­nuss­baum. „Sie sind im Ver­gleich zu den meis­ten an­de­ren Pflan­zen un­emp­find­lich ge­gen­über der durch die Wal­nuss­bäu­me im Bo­den an­ge­reich­ten Gerb­säu­re.“Gut sind die Pflan­zen auch ge­eig­net zur Un­ter­drü­ckung des Wur­ze­lun­krauts Giersch.

Aber Fun­ki­en ha­ben ein Grund­be­dürf­nis: Sie brau­chen zur dau­er­haf­ten An­sied­lung an ei­nem Stand­ort aus­rei­chend Feuch­tig­keit im Früh­ling und im Herbst. Im Früh­jahr be­nö­ti­gen sie das Bo­den­was­ser zum Aus­trieb des Lau­bes. „Im Herbst wer­den die Knos­pen für den Aus­trieb im fol­gen­den Früh­jahr an­ge­legt“, er­gänzt Hüls­mann. Ein deut­li­ches Zei- chen für ei­nen tro­cke­nen Herbst ist da­her ein schwa­cher Aus­trieb der Pflan­zen. Hos­ta sind klas­si­sche Pflan­zen für den lich­ten Schat­ten. Hüls­mann emp­fiehlt Nord- und Ost­la­gen an ei­nem Haus oder den Schat­ten gro­ßer Ge­höl­ze. „Man soll­te drauf ach­ten, dass die Fun­ki­en nicht im Trauf­be­reich von Bäu­men sind“, rät Hüls­mann. Das ist die Flä­che un­ter dem äu­ße­ren Kro­nen­be­reich. Hier lei­den die Blät­ter der Fun­kie.

Ge­eig­net ist da­ge­gen so­gar das di­rek­te Um­feld des Stam­mes. „An die­sen Stel­len ha­ben die Bäu­me in den obe­ren Zen­ti­me­tern des Bo­dens kaum Fein­wur­zeln – und so ha­ben die Stau­den kei­ne Kon­kur­renz.“Hüls­mann er­gänzt: „Wenn ei­ne gu­te Bo­den­feuch- tig­keit ge­ge­ben ist, sind auch son­ni­ge­re Plät­ze mög­lich.“Man­che der Stau­den kom­men aber bes­ser als an­de­re mit der Son­ne klar – das er­kennt man an der Blatt­far­be. So sind laut Hüls­mann bei­spiels­wei­se blau­lau­bi­ge Fun­ki­en wie Hos­ta sie­bol­dia­na ,Ele­gans’ für Son­nen­fle­cken ge­eig­net. Der Bo­den soll­te grund­sätz­lich nähr­stoff­reich sein und gut Feuch­tig­keit hal­ten, zu­gleich aber Was­ser nicht auf­stau­en. Kurz­um: „Ein Lehm­bo­den ist bes­ser als Sand“, sagt Hüls­mann.

Die­se Be­din­gun­gen brau­chen auch ein paar an­de­re Stau­den, die sich als Beet­part­ner an­bie­ten. „Be­zau­bern­de Farb­ver­läu­fe und Kon­tras­te ent­ste­hen mit an­de­ren Blatt­schmuck­stau­den wie dem Ja­pan-Wald­gras (Ha­ko­nech­loa), Astil­ben und Sa­lo­mons­sie­gel (Po­ly­go­na­tum)“, fin­det Stau­den­gärt­ne­rin Mau­bach. Hos­ta ord­net sich pro­por­tio­nal auch un­ter, wenn man sie mit hö­he­ren Schat­ten­stau­den wie Wald-Geiß­bart (Arun­cus dioi­cus) und Sil­ber­ker­zen (Ci­mi­ci­fu­ga) kom­bi­niert. Hüls­mann rät auch zu Früh­lings-Al­pen­veil­chen (Cy­cla­men co­um). Die­se schmü­cken die schat­ti­gen Bee­te be­reits vor dem Aus­trieb der Fun­ki­en.

Doch Fun­ki­en tra­gen nicht nur Blatt­schmuck, ei­ni­ge bil­den zau­ber­haf­te Blü­ten. „Ei­ne ein­fa­che, aber be­zau­bern­de Art ist bei­spiels­wei­se die vio­lett blü­hen­de Glo­cken-Fun­kie (Hos­ta ventri­co­sa)“, fin­det Mau­bach. Wer Blü­ten­duft mag, dem emp­fiehlt die Gar­ten­ar­chi­tek­tin ,Roy­al Stan­dard’. Sie stammt wie vie­le Sor­ten mit duf­ten­den Blü­ten von der Art Hos­ta plan­ta­gi­nea ab. „Die­se Art liebt es et­was wär­mer und soll­te da­her ru­hig et­was son­ni­ger ste­hen“, rät Hüls- mann. Die kräf­ti­gen Stie­le mit den li­li­en­ar­ti­gen Blü­ten las­sen sich auch gut für Blu­men­sträu­ße ver­wen­den. Sehr viel häu­fi­ger aber wer­den die Blät­ter ver­wen­det. „Das Schö­ne dar­an ist, dass man ein­fach was ab­schnei­den kann – und es ent­steht kei­ne Lü­cke“, sagt Mau­bach.

Es gibt über 8000 ver­schie­de­ne Ar­ten und Sor­ten von Fun­ki­en.

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