Mit ei­ner App ge­gen den Ter­min-Wirr­warr

Im­mer mehr wird heu­te per Smart­pho­ne ge­plant – das führt mit­un­ter zu Kon­fu­si­on. Clau­di­us Ber­theau hat da­für ei­ne Lö­sung.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON FLO­RI­AN RINKE

NEUSS Die Idee reif­te beim Fuß­ball, ir­gend­wo zwi­schen Fahr­dienst und Tri­kots wa­schen. Im Grun­de al­so dem All­tag vie­ler El­tern mit Kin­dern: Hier ei­nen Ku­chen mit­brin­gen, dort die Zei­ten am Grill mit an­de­ren El­tern ab­spre­chen. Frü­her gab es da­für Lis­ten, in de­nen man sich mit Blei­stift oder Ku­gel­schrei­ber ein­tra­gen konn­te. Heu­te nutzt man da­für Um­fra­gen über die In­ter­net­sei­te Dood­le oder Grup­pen beim Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst Whatsapp – mit dem Un­ter­schied, dass man nun stän­dig in den Chat-Ver­läu­fen su­chen muss, wer wann was ge­sagt oder zu­ge­sagt hat.

„Das war ir­gend­wann so ner­vig, dass wir ge­sagt ha­ben: Das muss doch auch ein­fa­cher ge­hen“, sagt Clau­di­us Ber­theau. Grup­pen mit vier Mit­glie­dern könn­ten ih­re Ter­mi­ne ja pro­blem­los bei Whatsapp ab­spre­chen, oh­ne die Über­sicht zu ver­lie­ren. „Bei mehr Per­so­nen wird das schon schwer“, sagt der Fa­mi­li­en­va­ter. Da traf es sich gut, dass Ber­theau et­was von dem The­ma ver­steht: Be­ruf­lich ent­wi­ckelt er seit mehr als 15 Jah­ren für an­de­re Un­ter­neh­men On­li­ne-Lö­sun­gen. Al­so setz­te er sich mit ein paar Kol­le­gen hin und ent­wi­ckel­te Group­joy­ner. Mit der App las­sen sich Grup­pen er­stel­len, Or­te und Ter­mi­ne ab­spre­chen, To-do-Lis­ten an­le­gen und Um­fra­gen star­ten. Kurz­um: Es lässt sich aus Sicht der Ent­wick­ler al­les ma­chen, was man zur Or­ga­ni­sa­ti­on ei­ner Ver­an­stal­tung braucht.

Längst ha­ben da­her auch an­de­re An­bie­ter den Markt ent­deckt: Mit Dood­le las­sen sich Ter­mi­ne mit­tels ei­ner Ta­bel­le ab­stim­men, An­bie­ter wie Event­bri­te hel­fen da­bei, grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen zu or­ga­ni­sie­ren. „Mit uns kann man vom Koch­kur­sus um die Ecke bis zum 100.000Be­su­cher-Fes­ti­val je­de Ver­an­stal­tung or­ga­ni­sie­ren“, sagt San­dro Spieß von Event­bri­te. Al­lein in Eu­ro­pa wi­cke­le die Platt­form mehr als 35 Mil­lio­nen Ti­ckets pro Jahr ab.

Die Nut­zer­zahl von Group­joy­ner liegt ak­tu­ell im vier­stel­li­gen Be­reich, bis­lang ist man nur in Deutsch­land ak­tiv. Ver­gli­chen mit den Bran­chen­grö­ßen ist das Neus­ser Start-up noch ei­ne ganz klei­ne Num­mer. Das weiß auch Clau­di­us Ber­theau, der da­rin aber kein Pro­blem sieht: „Event­bri­te ist eher auf pro­fes­sio­nel­le An­bie­ter aus­ge­rich­tet, auf Clubs oder auch Kon­fe­ren­zen“, sagt er: „Wir wol­len uns mehr auf den Be­reich Frei­zeit und Brei­ten­sport kon­zen­trie­ren: das Fuß­ball-Tur­nier im Sport­ver­ein, das Klas­sen­fest an der Grund­schu­le oder die Geburtstagsparty, bei der al­le Gäs­te et­was mit­brin­gen.“

Dass man da­bei mit Whatsapp kon­kur­riert, und Men­schen, die die­se App be­reits auf dem Smart­pho­ne in­stal­liert ha­ben, nun da­von über­zeu­gen muss, auch noch Group­joy­ner zu la­den, ist die gro­ße Hür­de für die Neus­ser, die sich bis­lang voll­stän­dig aus den ei­ge­nen Er­spar­nis­sen fi­nan­ziert ha­ben und ak­tu­ell die nächs­te Fi­nan­zie­rungs­run­de vor­be­rei­ten. „Der vi­ra­le Ef­fekt ist für uns ex­trem wich­tig“, rech­net Ber­theau vor: „Wir müs­sen zu­nächst un­ge­fähr 500 Men­schen pro Mo­nat über­zeu­gen, die dann wie­der­um Grup­pen grün­den. Die­se lie­gen im Schnitt bei acht Mit­glie­dern – das müss­te rei­chen, um den Markt zu be­feu­ern.“

FOTOS (2): GROUP­JOY­NER

Der Neus­ser Clau­di­us Ber­theau hat mit Kol­le­gen die App „Group­joy­ner“ent­wi­ckelt. Jetzt will sein Start-up da­mit durch­star­ten.

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