Ent­de­ckung ei­nes to­ten Flüch­ti­gen: Josef Men­ge­le

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - UNTERHALTUNG -

Der KZ-Arzt Josef Men­ge­le hat­te wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs schreck­li­che Ver­bre­chen be­gan­gen. Seit 1943 hat­te er im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Au­schwitz Zehn­tau­sen­de in die Gas­kam­mern ge­schickt. Be­rüch­tigt wa­ren vor al­lem die pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Ex­pe­ri­men­te, mit de­nen er Zwil­lings­kin­der und Men­schen mit an­ge­bo­re­nen Be­hin­de­run­gen quäl­te. Zur Re­chen­schaft ge­zo­gen wur­de Men­ge­le für sei­ne Ver­bre­chen nie. Wie vie­le an­de­re Na­zi-Tä­ter flüch­te­te er nach dem Krieg nach Süd­ame­ri­ka. Als er sich 1956 im deut­schen Kon­su­lat in Bu­e­nos Ai­res mel­de­te, stell­te man ihm dort so­gar noch ei­nen Pass auf sei­nen ech­ten Na­men aus. Erst 1959 gab es ei­nen Haft­be­fehl und Men­ge­le floh zu­nächst un­ter sei­nem ech­ten Na­men nach Pa­ra­gu­ay, spä­ter un­ter fal­schem Na­men nach Bra­si­li­en. Ver­mut­lich hat­te die Ent­füh­rung Adolf Eich­manns durch den Mossad im Jahr 1960 ihn da­zu be­wo­gen, end­gül­tig un­ter­zu­tau­chen. In­ter­na­tio­nal wur­de wei­ter nach dem Kriegs­ver­bre­cher ge­sucht. 1985 ver­dich­te­ten sich die Hin­wei­se dar­auf, dass Men­ge­le tot war, bei ei­nem Ba­de­un­fall ums Le­ben ge­kom­men. Am 6. Ju­ni 1985 wur­de ein Gr­ab ex­hu­miert, das auf den Na­men Wolf­gang Ger­hardt lief. Die un­ter­su­chen­den Wis­sen­schaft­ler hiel­ten es für sehr wahr­schein­lich, dass es sich bei den Ge­bei­nen um die sterb­li­chen Über­res­te Men­ge­les han­del­te. Ei­ne DNA-Ana­ly­se 1992 räum­te letz­te Zwei­fel dar­an aus: Der La­ger­arzt war 1979 in Bra­si­li­en er­trun­ken.

TEXT: JENI / FO­TO: JOSEF MEN­GE­LE 1956/WIKIPEDIA

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