Ei­ne Lei­tent­schei­dung, die gar kei­ne ist

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - STIMME DES WESTENS - VON THO­MAS REISENER

Vor gut zehn Jah­ren führ­te ei­ne schwarz-gel­be Lan­des­re­gie­rung in NRW das Tur­bo-Abi ein. Jetzt wol­len Ar­min La­schet (CDU) und Chris­ti­an Lind­ner (FDP) das Rad in gro­ßen Tei­len wie­der zu­rück­dre­hen.

Kehrt­wen­den sind in der Po­li­tik wie im wirk­li­chen Le­ben un­be­liebt. Aber sie sind im­mer noch bes­ser als das trot­zi­ge Fest­hal­ten an fal­schen Ent­schei­dun­gen. Die Ein­füh­rung des Tur­bo-Abis war da­mals noch Kon­sens sämt­li­cher Par­tei­en im Land­tag. Der G8Leit­ge­dan­ke, scho­nen­der mit der Le­bens­zeit der Kin­der um­ge­hen zu wol­len, ent­sprach dem Zeit­geist. Aber in der Pra­xis er­wies sich das Tur­bo-Abi als Stress-Tur­bo. Der Kor­rek­tur­be­darf ist of­fen­sicht­lich.

Vor­wer­fen muss man La­schet und Lind­ner al­ler­dings, dass sie ihr neu­es G9-Be­kennt­nis nicht kon­se­quent um­set­zen. Sie hal­ten al­len Schu­len ei­ne so brei­te Hin­ter­tür in Rich­tung G8 auf, dass die Schu­len letzt­lich selbst ent­schei­den müs­sen. Die Ex­per­ten für sol­che Ent­schei­dun­gen sit­zen aber in den Mi­nis­te­ri­en und nicht in den Schu­len.

CDU und FDP ha­ben ent­schie­den, dass an­de­re ent­schei­den sol­len. Die­ses Wei­ter­schie­ben von Ver­ant­wor­tung auch noch als „Lei­tent­schei­dung“zu ver­kau­fen, ist ein fre­cher Eti­ket­ten­schwin­del. BE­RICHT ABITUR WIE­DER NACH NEUN JAH­REN, TITELSEITE

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