Ge­gen die Ge­wöh­nung

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - POLITIK -

Man er­tappt sich da­bei, wie man die Ge­wöh­nung zu­lässt. Wie sich im ei­ge­nen Kopf die Bil­der von trau­ern­den Men­schen vor Blu­men­meer über­ein­an­der schie­ben und man sich nicht mehr ums Aus­ein­an­der­hal­ten be­müht; wie man sich schlecht fühlt, weil man nach ei­nem Ter­ror-An­schlag nicht mehr je­des De­tail er­fah­ren will, kei­ne Au­gen­zeu­gen­be­rich­te mehr liest, kei­ne Li­veti­cker ver­folgt, nur noch wis­sen will, wer die Tä­ter dies­mal wa­ren, wo­her sie ka­men, was über ih­re Mo­ti­ve und Hin­ter­grün­de be­kannt ist. Nüch­ter­ner Um­gang mit bar­ba­ri­schen Ta­ten – ist das Selbst­schutz, Ver­drän­gung, Ab­stump­fung?

Je­den­falls bleibt ein un­gu­tes Ge­fühl. Als gä­be es da ei­nen in­ne­ren Rich­ter, der sagt, dass man so nicht emp­fin­den, es sich nicht so leicht ma­chen soll­te, weil man dann wo­mög­lich das Werk der At­ten­tä­ter voll­endet. Die wol­len viel­leicht nicht

Mit der Zahl der Ter­ror­an­schlä­ge in Eu­ro­pa wächst bei man­chen Men­schen das Ge­fühl emo­tio­na­ler Über­for­de­rung. Wie weit soll­te man sich auf Trau­er und Er­schüt­te­rung ein­las­sen?

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