Zeit für Law and Or­der

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - POLITIK -

Am Bei­spiel des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters Ot­to Schi­ly (1998–2005) lässt sich auf­zei­gen, dass es we­ni­ger auf die Par­tei an­kommt, der sich je­mand zu­ge­hö­rig fühlt, um­so mehr aber auf die Ein­stel­lung zum Me­ga­the­ma Si­cher­heit, die zu ge­währ­leis­ten ers­te Staats­auf­ga­be ist. Schi­ly hat­te sich einst den Grü­nen an­ge­schlos­sen, was sich als Irr­tum er­wies, und war 1989 in die SPD ein­ge­tre­ten. Ein So­li­tär blieb er in bei­den Par­tei­en. Kants auf­klä­re­ri­scher Ap­pell „Ha­be Mut, dich dei­nes ei­ge­nen Ver­stan­des zu be­die­nen“müss­te man Schi­ly nicht er­läu­tern. Der In­nen­mi­nis­ter, der sei­nen Par­tei­freun­den ent­ge­gen­schleu­der­te, Law and Or­der, Recht und Ord­nung, sei­en so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Wer­te, war An­walt. Als Mi­nis­ter füll­te er die Rol­le des schnei­di­gen Staats-An­walts zum Ver­druss von Lin­ken, Grü­nen und Links­li­be­ra­len über­zeu­gend aus.

Schi­ly sag­te sei­nen Kri­ti­kern, wo im­mer sie die Welt durch die Da­ten­schutz­bril­le wahr­nah­men und vor dem Po­li­zei­staat warn­ten: Recht

Kants Auf­klä­rungs-Fan­fa­re „Ha­be Mut, dich dei­nes ei­ge­nen Ver­stan­des zu be­die­nen“klingt auch beim Kampf des Staa­tes für mehr Si­cher­heit po­li­tisch hoch­mo­dern.

und Ord­nung durch­zu­set­zen, sei für ihn zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für ei­nen funk­tio­nie­ren­den Staat. An­de­ren­falls kön­ne ei­ne of­fe­ne Ge­sell­schaft nicht zu­sam­men­hal­ten.

An­ders als Christ­de­mo­kra­tin An­ge­la Mer­kel hat So­zi­al­de­mo­krat Schi­ly das Eti­kett „kon­ser­va­tiv“als schmü­ckend emp­fun­den. Schi­ly hät­te der Kanz­le­rin die Her­ein­spa­ziert-Fahr­läs­sig­keit nicht un­wi­der­spro­chen durch­ge­hen las­sen. Mer­kels pein­li­cher TV-Aus­sa­ge En­de 2015 ge­gen­über ei­ner ge­dank­lich nie­der­kni­en­den An­ne Will, wo­nach Grenz­si­che­rung so­wie­so nicht mög­lich sei, hat­te da­mals von den Gran­den der Uni­ons­par­tei­en al­lein Horst See­ho­fer Con­tra ge­ge­ben. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) schwieg. Es war ein kon­ser­va­ti­ver So­zi­al­de­mo­krat, Ex-Kul­tur­staats­mi­nis­ter Ju­li­an Ni­da-Rü­me­lin, der si­cher­heits­po­li­tisch bei Sin­nen blieb und nicht bei Po­li­zei­staats­Un­ken. Ni­da-Rü­me­lin sprach in die­ser Zei­tung aus, was je­der Ver­nünf­ti­ge weiß: Bei der not­wen­di­gen Grenz­si­che­rung ge­he es im Kern um funk­tio­nie­ren­de Staat­lich­keit.

Kon­ser­va­ti­ve, ob Christ- oder So­zi­al­de­mo­kra­ten oder Li­be­ral­kon­ser­va­ti­ve, müs­sen im In­ter­es­se der Bür­ger zu­al­ler­erst für Law and Or­der kämp­fen. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rheinische-post.de

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