Neus­ser Werk­statt soll Vor­bild für Gha­na sein

Der Gha­na­er Re­ver­end Frank Lar­tey Jr. be­such­te die Ge­mein­nüt­zi­gen Werk­stät­ten Neuss. Dort lern­te er das deut­sche Re­cy­cling ken­nen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON MERLIN BARTEL

NEUSS Bren­nen­de Müll­ber­ge aus Elek­tro­schrott, auf de­nen Kin­der nach Wert­stof­fen su­chen. Die­se er­schüt­tern­den Bil­der stam­men aus Ag­bog­b­lo­shie, ei­nem Stadt­teil der Mil­lio­nen­me­tro­po­le Ac­cra in Gha­na. Die dor­ti­ge Elek­tro­müll­de­po­nie er­lang­te ne­ga­ti­ven Ruhm, als die Fo­tos von of­fe­nen Feu­ern und nach Ei­sen, Alu­mi­ni­um und Kup­fer su­chen­den Ju­gend­li­chen um die Welt gin­gen.

Der Gha­na­er Re­ver­end Frank Lar­tey Jr. möch­te die­se Zu­stän­de än­dern. Des­halb war der Di­rek­tor für Bil­dung bei der Na­tio­nal Youth Aut­ho­ri­ty in Ac­cra zu Be­such in der Be­triebs­stät­te der Ge­mein­nüt­zi­gen Werk­stät­ten Neuss (GWN). „40.000 Men­schen le­ben auf der Elek­tro­müll­de­po­nie“, er­zählt Lar­tey. „6000 Kin­der ar­bei­ten dort – oh­ne Mund­schutz. Da die Wert­stof­fe un­sach­ge­mäß ge­trennt wer­den, ent­ste­hen hoch­gif­ti­ge Dämp­fe, de­nen sie aus­ge­setzt sind.“

Win­fried Krull, Be­triebs­lei­ter der GWN, er­klär­te ihm das deut­sche Re­cy­cling-Prin­zip: „Bei uns wer­den elek­tro­ni­sche Alt­ge­rä­te von Hand aus­ein­an­der­ge­baut. 70 Pro­zent ge­lan­gen als Roh­ma­te­ri­al wie­der auf den Wert­stoff­markt, 30 Pro­zent wer­den als Bei­mi­schung ver­brannt, um Hit­ze und Strom zu er­zeu­gen.“

In den Be­triebs­stät­ten der GWN wer­den pro Jahr et­wa 200 bis 250 Ton­nen auf die­se Wei­se wie­der­ver­wer­tet. „So kön­nen wirt­schaft­lich in­ter­es­san­te Tei­le bes­ser wei­ter ge­nutzt wer­den als es bei Groß­schred­dern der Fall ist“, sagt Krull. Die Tei­le wer­den im nächs­ten Schritt zu spe­zia­li­sier­ten Re­cy­cling-Un­ter­neh­men trans­por­tiert. „90 Pro­zent des Elek­tro­mülls in Deutsch­land lan­den aber in Groß­schred­der­an­la­gen“, er­klärt er. Wie­so die GWN zu den üb­ri­gen zehn Pro­zent ge­hö­re, fragt der Gast aus Gha­na. „Wir för­dern so­zia­le Ar­beits­plät­ze und le­gen Wert auf In­klu­si­on, nicht der Pro­fit steht für uns im Fo­kus“, so Krull.

Ob­wohl es ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben ist, elek­tro­ni­sche Alt­ge­rä­te fach­ge­recht zu ent­sor­gen, wer­den vie­le il­le­gal in afri­ka­ni­sche Län­der ein­ge­führt. Die Dun­kel­zif­fer ist hoch, von bis zu 70 Pro­zent des eu­ro­päi­schen Elek­tro­mülls ist die Re­de. „Die größ­te Her­aus­for­de­rung ist, dass die Ge­rä­te über­haupt bei uns lan­den“, so der Be­triebs­lei­ter. „Vie­le Fir­men und Per­so­nen ha­ben ein In­ter­es­se dar­an, da­mit Geld zu ma­chen.“Da­bei müs­sen Un­ter­neh­men ei­nen Nach­weis über die fach­ge­rech­te Ent­sor­gung von Elek­tro­nik er­brin­gen. Kon­trol­liert wer­de das al­ler­dings nicht so streng. Be­zahlt wird die GWN von Elek­tro­nik­her­stel­lern für das Sam­meln und Zer­le­gen der Tei­le, Pri­vat­per­so­nen be­zah­len bei der An­schaf­fung ei­nes Ge­räts die Ent­sor­gungs­kos­ten au­to­ma­tisch im Preis mit.

2013 wur­de Ag­bog­b­lo­shie von der Um­welt­or­ga­ni­sa­ti­on Blacks­mith In­sti­tu­te zu ei­nem der am stärks­ten ver­schmutz­ten Or­te der Welt ge­wählt. „Gif­te wie Qu­eck­sil­ber sind in den Bo­den ge­si­ckert, das Grund­was­ser und die na­he­ge­le­ge­ne Kor­leLa­gu­ne sind ver­seucht. Au­ßer­dem gibt es ei­ne ho­he Kri­mi­na­li­tät“, be­rich­tet Frank Lar­tey. In­ter­es­siert geht er durch die Werk­statt und macht Fo­tos. „Wir wol­len uns an Deutsch­land ein Bei­spiel neh­men. Un­ser Ziel ist Re­cy­cling“, sagt er.

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